Unerlaubte Mitschnitte von Sky, HBO und Amazon Europol gelingt Schlag gegen illegale Streaming-Seiten

In einer europaweiten Aktion haben Ermittler ein Netzwerk illegaler Streaming-Seiten abgeschaltet. Die Razzia dürfte für viele Angebote das Aus bedeuten - betroffen sind Tausende Webseiten.
Spanische Ermittler begutachten einen beschlagnahmten Server

Spanische Ermittler begutachten einen beschlagnahmten Server

Foto: Europol

In einer europaweiten Aktion haben Ermittler am 3. Juni ein größeres kriminelles Netzwerk zerschlagen, das mit illegalen Videostreams 15 Millionen Euro umgesetzt haben soll. Unter anderem sollen Videos von Netflix, Amazon und dem amerikanischen Bezahlsender HBO illegal zum Streamen angeboten worden sein. Das gab Europol an diesem Mittwoch bekannt .

Gegen eine geringe Abogebühr konnten Kunden des Angebots demnach auf über 40.000 Fernsehkanäle, Filme oder Dokumentationen zugreifen. Die Fernsehkanäle konnten offenbar live angeschaut werden. Insgesamt sollen über zwei Millionen Abonnenten die Dienste der mutmaßlichen Streaming-Piraten genutzt haben. Die Angebote richteten sich laut Europol besonders an Kunden in Europa, Asien und dem Mittleren Osten.

Eine offenbar für das illegale Streamen präperierte Karte des Bezahlsenders Sky, die die Ermittler in den Serverräumen entdeckten

Eine offenbar für das illegale Streamen präperierte Karte des Bezahlsenders Sky, die die Ermittler in den Serverräumen entdeckten

Foto: Europol

In einem Video der Razzien  ist in den durchsuchten Serverräumen auch eine Karte des Pay-TV-Anbieters Sky zu sehen, die für das illegale Streamen über das Internet präpariert wurde. Üblicherweise sind solche illegalen Livestreaming-Angebote besonders populär, wenn es große, nur im Bezahlfernsehen übertragene Sportereignissen gibt, wie Champions-League-Spiele. Die illegalen Streams werden meist einfach im Browser am Computer geöffnet. Allerdings gelten die Seiten, auf denen die Streams übertragen werden, als typisches Einfallstor für Schadsoftware.

"Die Kriminellen haben illegal die Signale von verschiedenen Fernsehsendern und Plattformen abgefangen und sie an ihre eigenen Server weitergeleitet", erklärte eine Europol-Sprecherin. Von da aus seien die Streams dann weltweit verbreitet worden. Insgesamt soll die Gruppierung dazu Server in 13 europäischen Ländern betrieben haben.

Die Betreiber nutzten offenbar zahlreiche Seiten

Angeboten wurden die Streams in diesem Fall offenbar nicht über eine einzelne zentrale Seite, sondern über verschiedene Webseiten und auch Apps. Zwei der wichtigsten Seiten, über die Streams angeboten und auch Abonnements abgeschlossen wurden, heißen Iptvstack und Rapidiptv. Laut Europol konnten Ermittler insgesamt 50 IP-Adressen abschalten, die zu den Streaming-Piraten gehören sollen.

Nach SPIEGEL-Informationen sind insgesamt mehrere tausend verschiedene Seiten von der Abschaltung betroffen. Die nun festgenommenen Verdächtigen sollen nämlich auch als sogenannte Reseller agiert haben. Bei diesem Modell werden die übertragenen illegalen Inhalte an andere Kriminelle weitergegeben, die diese dann über eigene Seiten ausspielen. Den Ermittlern ging es aber offenbar zunächst darum, die Zentrale der illegalen Streaming-Operation vom Netz zu nehmen.

Die Ermittler fanden bei der Razzia massenweise elektronisches Equipment und Schränke voller Server vor

Die Ermittler fanden bei der Razzia massenweise elektronisches Equipment und Schränke voller Server vor

Foto: Europol

Betrieben wurde das Streaming-Netzwerk Europol zufolge von Spanien aus. Die spanische Polizei, die federführend bei den Ermittlungen war, nahm in Barcelona und Alicante vier Verdächtige fest, unter anderem auch den mutmaßlichen Kopf der Gruppierung. In Deutschland kam es zu einer Festnahme, koordiniert durch die nordrhein-westfälische Polizei.

Die Ermittler beschlagnahmten nach eigenen Angaben mehrere teure Autos, Luxusuhren, Bargeld und elektronisches Equipment. Der Gesamtwert aller beschlagnahmten Gegenstände belaufe sich auf 4,8 Millionen Euro, heißt es. Zusätzlich seien 1,1 Millionen Euro auf Bankkonten eingefroren worden. Den mutmaßlichen Streaming-Piraten wird auch Geldwäsche vorgeworfen.

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