Betrug am Telefon Behörden verzeichnen große Welle von falschen Europol-Anrufen

»Hier spricht die Polizei, bitte drücken Sie die Eins für weitere Informationen«: Mehrfach täglich bekommen Betroffene solche Spam-Anrufe von vermeintlich echten Nummern. Die Behörden können wenig dagegen tun.
Viele Menschen sehen gerade komische Rufnummern in ihrer Anrufliste: »This is a message from the Federal Police Department«

Viele Menschen sehen gerade komische Rufnummern in ihrer Anrufliste: »This is a message from the Federal Police Department«

Foto: via www.imago-images.de / imago images/MiS

Seit mehreren Wochen bereits schwappt über Deutschland eine Welle an Spam-Anrufen. Wer im Visier der Betrüger ist, dessen Handy klingelt teilweise mehrfach täglich. Auf dem Display wird dabei eine deutsche Handynummer oder Festnetzrufnummer angezeigt, am anderen Ende der Leitung spricht eine Computerstimme, offenbar stets in englischer Sprache: »This is a message from the Federal Police Department«.

Angeblich warte eine Botschaft der Bundespolizei, verkündet die Stimme vom Band und fordert dazu auf, die Taste 1 drücken. Wer der Aufforderung folgt, wird verbunden. Anschließend versuchen die Betrüger entweder persönliche Daten oder Geld abzugreifen, warnt das Bundeskriminalamt (BKA). Als »Europol-Masche« sind die Anrufe dort schon seit einigen Wochen Thema. Der Name kommt daher, dass die Spam-Anrufer bereits vorgaukelten, von der europäischen Polizeibehörde Europol, Interpol oder sogar dem BKA selbst anzurufen.

Tausende Beschwerden

12.470 Beschwerden über solche Anrufe mit automatischen Ansagen hat die Bundesnetzagentur bereits erhalten, wie die Behörde auf SPIEGEL-Anfrage erklärte. Die bei dem Bonner Amt aufgelaufenen Beschwerden dürften nur ein Bruchteil der Spam-Welle sein, in den vergangenen Wochen häuften sich in den sozialen Netzwerken die Berichte über die Masche. Nachdem im vergangenen Jahr vor allem Spam-SMS verschickt wurden, scheinen in diesem Jahr die Anrufe mit Computerstimme für Ärger zu sorgen.

Besonders tückisch: Betroffene können die lästigen Anrufer auf den ersten Blick nicht von echten unterscheiden, weil die Betrüger ständig von neuen, regulären deutschen Rufnummern aus anrufen. »Zu nahezu jeder Beschwerde wurde eine andere Rufnummer benannt«, heißt es von der Bundesnetzagentur. Die Betrüger kapern die angezeigten Rufnummern durch sogenanntes »Spoofing«. So erscheint auf dem Display der Betroffenen eine Telefonnummer, die den Betrügern eigentlich gar nicht gehört. Ermittlungen der Bundesnetzagentur haben gezeigt, dass es sich bei den angezeigten Nummern »um manipulierte Rufnummern handelt«, teilte die Behörde mit.

Sogar die zentrale Rufnummer des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) kaperten die Betrüger bereits. Anschließend sah sich die dortige Hotline mit einer Welle von Rückrufen von Bürgerinnen und Bürgern konfrontiert, die verwundert waren, vom Verfassungsschutz angerufen worden zu sein. »Das BfV fordert Sie niemals auf, persönliche Daten am Telefon preiszugeben«, warnte die Behörde Anfang April  vor der Masche. »Legen Sie einfach auf«, empfiehlt das BfV.

Spuren führen zu ausländischen Netzen

Die Bundesnetzagentur hat ermittelt, dass »die Anrufe aus ausländischen Netzen, zum Beispiel Indien, Rumänien oder Spanien, nach Deutschland gelangt sind«, heißt es von der Behörde. Das bedeute jedoch nicht, dass die Betrüger tatsächlich von dort anrufen. Es deute vielmehr darauf hin, dass die Anrufe über mehrere Netzgrenzen geleitet würden – »vermutlich, um die Spuren weiter zu verschleiern und die Aufklärung zu erschweren«, teilte die Bundesnetzagentur dem SPIEGEL mit.

Deshalb können die Behörden die Spam-Welle aber auch nicht stoppen, heißt es von der Behörde weiter. Eine neue Regelung könnte zumindest bald dafür sorgen, dass die Betrüger nicht mehr so einfach vorgaukeln können, von einer deutschen Handynummer anzurufen. Ab Dezember würden Absenderrufnummern aus ausländischen Netzen grundsätzlich anonymisiert und der Netzeintrittspunkt gekennzeichnet werden, heißt es von der Bundesnetzagentur. Das macht die Anrufe sofort verdächtiger, weil sie nicht mehr so aussehen, als kämen sie aus Deutschland. Ausnahmen gelten demnach nur für Anrufe von Mobiltelefonen über das internationale Roaming.

Unklar bleibt, woher die Betrüger überhaupt die Rufnummern ihrer potenziellen Opfer haben. Naheliegend wäre, dass die Kriminellen die Nummern entweder aus einem der verschiedenen in einschlägigen Foren kursierenden Leaks zusammengesammelt haben oder dass sie einfach per Software massenhaft Nummern ausprobieren.

Wie Betroffene sich schützen können

Das BKA empfiehlt, bei Spam-Anrufen einfach aufzulegen. »Folgen Sie nicht den Aufforderungen der Anrufer, lassen Sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln oder unter Druck setzen«, so die Behörde . Betroffene sollten Strafanzeige bei der örtlichen Polizeiwache erstatten und dazu eigenständig die Telefonnummer der Dienststelle recherchieren. »Benutzen Sie auf keinen Fall die Rückruftaste«, so das BKA.

Wer die Flut der Anrufe zumindest etwas eindämmen will, kann zusätzlich die angezeigten Rufnummern mit seinem Telefon blockieren. Dies funktioniert – je nach Telefonmodell – mit wenigen Schritten über die Anrufliste auf dem Mobil- oder Festnetztelefon. Blockierte Rufnummern können auf dem Endgerät nicht mehr anrufen, allerdings bedeutet die Sperre auch, dass authentische Anrufe von dieser Rufnummer nicht mehr durchkommen. Wer zu dieser Maßnahme greift, sollte sicherstellen, damit nicht versehentlich tatsächliche Kontakte oder wichtige Rufnummern zu blockieren, von denen echte Anrufe erwartet werden.