Umstrittenes Psycho-Experiment Punkt "Forschung" fehlte in Facebooks Datenschutzregeln

Der Ärger um Facebooks Emotionen-Studie hält an - jetzt muss sich das Unternehmen für seine AGB rechtfertigen. Ein Hinweis auf Forschungsprojekte soll erst Monate nach dem Experiment in den Datenverwendungsregeln aufgetaucht sein.
Umstrittenes Psycho-Experiment: Punkt "Forschung" fehlte in Facebooks Datenschutzregeln

Umstrittenes Psycho-Experiment: Punkt "Forschung" fehlte in Facebooks Datenschutzregeln

Foto: DADO RUVIC/ REUTERS

Konnten betroffene Facebook-Nutzer ahnen, dass ihre Neuigkeitenseiten für ein Experiment gezielt manipuliert werden? Je mehr über die Studie zu Emotionen bekannt wird, desto eher lautet die Antwort: nein.

Zur Verteidigung von Facebooks Vorgehen war in den vergangenen Tagen zwar häufig auf die Datenverwendungsregeln des Netzwerks  verwiesen worden, in denen auch "Forschung" als Verwendungszweck auftaucht. Doch das US-Magazin "Forbes" hat nun festgestellt, dass dieser Punkt im Januar 2012, als das umstrittene Experiment stattfand, noch gar nicht in den Regeln vorkam . Das Wort soll erst im Mai, vier Monate nach dem Experiment, hinzugefügt worden sein.

Facebook hat bereits auf den Artikel reagiert und scheint die Entdeckung nicht für sonderlich bedeutend zu halten. "Wenn jemand Facebook beitritt, haben wir immer nach einer Erlaubnis gefragt, die Informationen zu verwenden, um unsere Dienste bereitzustellen und zu verbessern", erklärte ein Sprecher des Onlinenetzwerks im Gespräch mit "Forbes".

Aus diesem Grund sei es falsch zu behaupten, Facebook habe Tests ohne Erlaubnis der Mitglieder betrieben. "Unternehmen, die ihre Dienste verbessern wollen, nutzen die Informationen, die sie von ihren Kunden bekommen, unabhängig davon, ob ihre Datenschutz-Regeln das Wort 'Forschung' enthalten."

690.000 Mitglieder als Studienteilnehmer

Mit seinem einwöchigen Experiment hatte Facebook herausfinden wollen, wie positive oder negative Beiträge von Freunden das Nutzungsverhalten der Mitglieder beeinflussen. Für diesen Zweck waren die Neuigkeitenseiten von gut 310.000 Nutzern manipuliert worden: Der Hälfte der Nutzer wurden weniger negative Nachrichten angezeigt, der anderen weniger positive. Insgesamt waren rund 690.000 Nutzer unwissentlich Teilnehmer der Studie.

Für die Studie war Facebook von Mitgliedern, aber auch von Wissenschaftlern kritisiert worden. Fredi Lang vom Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen sagte im SPIEGEL-ONLINE-Interview, Facebook hätte die Nutzer vorher und nachher informieren müssen. Es reiche nicht, in den AGB des Unternehmens darauf hinzuweisen, dass das Verhalten der Nutzer untersucht und erforscht wird.

Facebook-Datenanalyst Adam Kramer hatte das Experiment am Montag verteidigt. In einem Facebook-Beitrag schrieb er: "Wir überlegen sorgfältig, welche Forschung wir betreiben und haben ein striktes internes Aufsichtsverfahren."

mbö/dpa