Medienpartnerschaften Facebook will komplette Nachrichtenartikel veröffentlichen

Facebook bietet bekannten Medien wie der "New York Times" und "Buzzfeed" eine Kooperation an: Statt Links könnten so bald komplette Artikel im sozialen Netzwerk auftauchen.
Logo von Facebook: Medieninhalte sollen direkt im Netzwerk erscheinen

Logo von Facebook: Medieninhalte sollen direkt im Netzwerk erscheinen

Foto: Jessica Binsch/ dpa

Facebook soll mindestens sechs Medienunternehmen angeboten haben, Inhalte direkt auf seiner Plattform zu veröffentlichen - also nicht, wie bislang, nur in Form einer Verlinkung auf die jeweilige Website. Das berichtet die "New York Times"  unter Berufung auf Insider, die wegen Vertraulichkeitsvereinbarungen anonym bleiben wollen.

Dafür, dass der "New York Times"-Artikel mehr ist als Spekulation, spricht der Hinweis, dass die Zeitung wohl selbst zu den Medien gehört, die in den kommenden Monaten eine solche Zusammenarbeit anstreben. Laut den "Times"-Autoren wird außerdem mit "Buzzfeed" und "National Geographic" als Startpartnern gerechnet. Verhandlungen mit dem "Guardian", "Quartz" und der "Huffington Post" sollen bislang zu keinem Ergebnis gekommen sein.

Facebook begründet seinen Vorstoß unter anderem damit, dass es vielen Nutzern auf Mobilgeräten zu lang dauert, per Browser Links aufzurufen, die auf die Medienwebsites führen. Die Wartezeit werde deutlich kürzer, wenn die Artikel direkt bei Facebook lägen.

Gleichzeitig hat das Netzwerk ein Interesse daran, die Nutzer möglichst lang in seinem Angebot zu halten - jeder Link nach außen ist schließlich ein potenzieller Ausstiegspunkt. Und je aktiver die Nutzer bei Facebook sind, umso mehr Daten fallen an, die das Unternehmen zur Anzeigenvermarktung nutzen kann.

Facebook bietet eine riesige Reichweite

Von kleineren Dingen wie Infografiken abgesehen, sind die meisten Medienhäuser bislang zurückhaltend mit Inhalten, die direkt bei Facebook liegen. Sie wollen lieber, dass die Nutzer ihre Websites besuchen und so Anzeigenumsätze generieren. Außerdem haben die Verlage so die Chance, selbst Nutzerdaten zu sammeln.

Die Verlage sind sich aber auch bewusst, wie attraktiv Facebook als Vermittler für sie ist. Mit 1,4 Milliarden Nutzern hat das Netzwerk eine Reichweite, die über die jeder Nachrichtenseite hinausgeht.

Facebook will die Medien nun offenbar mit einer Beteiligung an den Einnahmen gewinnen, die neben den Inhalten auftaucht - ein Modell, das an das Finanzierungssystem von YouTube erinnert. Ob und in welchem Umfang Facebook den Verlagen Einblick in die erhobenen Nutzerdaten gewährt, ist bislang nicht bekannt.

"Buzzfeed" will überall sein

Für die "New York Times" wäre die Facebook-Kooperation ein überraschender Schritt, schließlich gilt die Zeitung als Vorreiter im Bereich Digital-Abos. "Buzzfeed"-Gründer Jonah Peretti erklärte dagegen erst kürzlich wieder, dass sein Angebot überall sein soll, mit passenden Inhalten. "Buzzfeed"-Inhalte sollen seiner Ansicht nach nicht nur auf der eigenen Website und in der App zu sehen sein, sondern direkt im "Stream" der Nutzer. Eine stärkere Partnerschaft mit Facebook wäre da nur naheliegend.

Gegenüber den "New York Times"-Autoren hat sich zunächst keiner der sechs Inhalteanbieter zu einer etwaigen Kooperation geäußert. Auch Facebook gab nur eine allgemeine Stellungnahme zum Thema ab.

mbö
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