"War Room" gegen Wahlbeeinflussung Liebe Leserin, lieber Leser,

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martialisches Vokabular beherrschen sie bei Facebook: Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben seine Kräfte "mobilisiert" und eröffnet am heutigen Montag seinen "War Room" als "letzte Verteidigungslinie" gegen Manipulationsversuche bei Wahlen in aller Welt.

Facebook-Logo mit US- und russischer Flagge

Facebook-Logo mit US- und russischer Flagge

Foto: Dado Ruvic/ REUTERS

Die Ausdrucksweise spiegelt die Stimmung in den USA  wider: Was seit dem Präsidentschaftswahlkampf in sozialen Netzwerken passiert, sei keine bloße Einmischung in demokratische Prozesse durch ausländische Mächte, sondern ein permanenter Informationskrieg: Insbesondere Russland versuche, die US-Gesellschaft weiter zu spalten und die öffentliche Meinung zu manipulieren - unter anderem mit zielgerichteten Facebook-Anzeigen, Falschmeldungen und Fake-Accounts.

Der etwa 80 Quadratmeter große "War Room" in Facebooks Hauptquartier in Menlo Park ist die neueste sichtbare Reaktion des Unternehmens auf dieses Phänomen. Zuvor hatte Facebook Hunderte Millionen von verdächtigen Konten gelöscht, Kooperationen mit externen Faktencheckern ins Leben gerufen und neue Transparenzrichtlinien für politische Anzeigen verkündet.

Brasilien statt Bayern

Die "New York Times" hat den "War Room" bereits gezeigt bekommen , da war er allerdings noch nicht fertig eingerichtet. Etwa 20 Facebook-Mitarbeiter sollen hier Fake-Accounts und Desinformationskampagnen aufdecken. Genauer: Sie sollen in Echtzeit verdächtige Aktivitäten im sozialen Netzwerk erkennen, wie zum Beispiel die Ausbreitung bestimmter Falschmeldungen oder die plötzliche Einrichtung vieler neuer Konten an einem bestimmten Ort. Ihnen steht dazu eine spezielle Analysesoftware zur Verfügung, außerdem sollen ihnen die restlichen rund 280 Facebook-Spezialisten für die Absicherung von Wahlen zuarbeiten.

Wie gut das funktioniert, könnten schon die anstehenden allgemeinen Wahlen in Brasilien sowie die sogenannten Midterms in den USA zeigen, bei denen im November alle 435 Sitze des US-Repräsentantenhauses und 35 von 100 Sitzen im Senat neu gewählt werden.

Die bayerische Landtagswahl hingegen wird im "War Room" kein Thema sein. "Der Fokus liegt vornehmlich auf nationalen Wahlen", teilte Facebook auf Anfrage mit.


Zehn Jahre Android

Das erste Android-Smartphone hieß G1

Das erste Android-Smartphone hieß G1

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Nach diesem Ausblick auf die nahe Zukunft nun noch einer in die Vergangenheit: Vor zehn Jahren, am 23. September 2008, um genau zu sein, präsentierten T-Mobile USA, HTC und Google ihren Gegenentwurf zum damals noch jungen iPhone, das T-Mobile G1. Es war das erste Smartphone mit Android-Betriebssystem. Anders als Apple mochte das Trio sich aber nicht auf den Touchscreen allein verlassen, baute zusätzlich eine Tastatur und einen Trackball ein. Zum Start in den USA führte Google den Android Market als App-Shop ein und lockte Neukunden damit, dass sie sich dort 90 Tage lang kostenlos bedienen durften. Sonderlich viele Android-Apps gab es damals natürlich noch nicht.

Bis das Gerät nach Deutschland kam, dauerte es Monate. Erst im Januar 2009 konnten wir das G1 testen. Seiner Zeit voraus war es, weil es damals ohne Kopfhörerbuchse kam, das Headset wurde per USB angeschlossen. Diese Idee wurde nach heftiger Kritik allerdings schnell wieder verworfen. Unser Fazit fiel trotzdem positiv aus: "Es löst sich vollkommen vom Computer - und das macht es gut."

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Google-Betriebssystem: Das ist Android 9 Pie

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Seltsame Digitalwelt: Heil Definition

Da ich gerade den Krieg erwähnte: Erinnern Sie sich an "Don't mention the war"? Die Zeile war einer der Gründe, warum die TV-Serie "Fawlty Towers" mit John Cleese in den Siebzigerjahren so berühmt wurde und bis heute geblieben ist. Als Hoteldirektor Basil Fawlty schärfte Cleese seinen Angestellten ein, gegenüber deutschen Gästen bloß nicht den Weltkrieg zu erwähnen, denn da seien die Deutschen sehr empfindlich - nur um dann selbst und ohne es zu merken die absurdesten Wortspiele zum Thema  zu machen.

Ich bin zuletzt mehrfach an die Serie erinnert worden, unter anderem weil jemand auf Twitter diesen Podcast zur Serie  empfahl. Also beschloss ich, beim Streaminganbieter meiner Wahl danach zu suchen. Tatsächlich gibt es die Serie dort auch, für nur 7,99 Euro pro Staffel in Standard-Auflösung (SD). Zu meiner Enttäuschung fand ich jedoch keine HD-Version. Es dauerte eine Weile, bis mir dämmerte, dass HD im Jahr 1975 noch Science-Fiction war.


App der Woche: " Life Is Strange - Before the Storm"
getestet von Tobias Kirchner

Screenshot aus "Life Is Strange - Before the Storm"

Screenshot aus "Life Is Strange - Before the Storm"

Foto: Square Enix

"Life Is Strange" gehört zu den Videospielen, die eine filmreife und erwachsene Geschichte erzählen. In der Fortsetzung, die den Untertitel "Before the Storm" trägt, ist es nicht anders. Das Spiel, das erneut im Episodenformat erschienen ist, beleuchtet die Zeit vor "Life Is Strange", in der jene Dinge passieren, die zu den dramatischen Geschehnissen in dem kleinen amerikanischen Küstenort Arcadia Bay geführt haben.

Im Mittelpunkt steht eine neue Protagonistin, die aber aus dem vorangegangenen Teil bekannt ist. Das Spiel funktioniert wie eine interaktive Serie, in der Spieler immer wieder Rätsel lösen und Entscheidungen treffen müssen. Dabei bleibt die Geschichte, die vom Erwachsenwerden und dem Leben in der amerikanischen Provinz handelt, immer spannend, nachvollziehbar - und vor allem zum Ende hin sehr emotional.

Die erste Episode kostet 4,49 Euro, der Pass für alle fünf Folgen 12,99 Euro. Von Square Enix: iOS , Android 


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Want to See What's Up Amazon's Sleeve? Take a Tour of Seattle"  (Zehn Leseminuten)
    Wie alle Hightechfirmen versucht Amazon aus neuen Geschäftsideen ein Geheimnis zu machen. Doch wer wissen wolle, woran der Konzern arbeite, müsse nur durch Seattle spazieren, schreibt die "New York Times". Denn seine Heimatstadt benutzt das Unternehmen auch als Experimentierstube für neue Ideen.

  • "Die Sendung mit der Maus Spezial: 360 Grad"  (Video, 29 Minuten):
    Die Macher der "Sendung mit der Maus" widmen eine ganze Folge dem Thema Virtual Reality oder "Ich-tu-so-als-ob-Wirklichkeit", wie sie hier genannt wird. Wie entstehen 360-Grad-Aufnahmen? Wie funktioniert eine VR-Brille? Das beantwortet die Sendung wie gewohnt verständlich für Kinder und Erwachsene.

  • Why I'm Done with Chrome"  (Englisch, sechs Leseminuten)
    Der Kryptografie-Professor Matthew Green schreibt in seinem Blog über eine Neuerung in Googles Chrome, die ihn so sehr ärgert, dass er den Browser nicht länger benutzen will: Wer in Chrome einen anderen Google-Dienst aufruft und sich darin anmeldet (zum Beispiel bei Gmail), wird automatisch auch im Browser angemeldet. Warum das nach Ansicht von Green "ernsthafte Konsequenzen für Privatsphäre und Vertrauen" hat, ist lesenswert.

Ich wünsche Ihnen eine friedliche Woche, Ihr

Patrick Beuth

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