Hasskommentare Facebook bekommt "Verschlossene Auster 2016"

Facebook ist "Katalysator für den Hass": So begründet das Journalistenbündnis Netzwerk Recherche die Entscheidung, warum es das Unternehmen zum Informationsblockierer 2016 ernannt hat.
Facebook: Wo bleibt die Transparenz?

Facebook: Wo bleibt die Transparenz?

Foto: © Dado Ruvic / Reuters/ REUTERS

Der Negativpreis "Verschlossene Auster" der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche geht in diesem Jahr an Facebook. Die Vereinigung kritisiert damit den nach ihrer Ansicht intransparenten Umgang des US-Unternehmens mit Hasskommentaren. "Dass Menschen Facebook für solche Botschaften missbrauchen, liegt nicht in der Verantwortung des Unternehmens. Wie die Firma dagegen vorgeht, allerdings schon", hieß es am Samstag auf der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg. Es sei nicht erkennbar, ob und nach welchen Kriterien Facebook solche Kommentare lösche. Nachforschungen von Journalisten gingen ins Leere.

Facebook wurde durch die Verleihung zum Informationsblockierer der Jahres ernannt. Thilo Weichert, Jurist und Ex-Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, sagte in seiner Laudatio : "Seit Jahren verweigert sich das Unternehmen der kritischen Öffentlichkeit." Facebook sei kaum erreichbar und stelle sich nicht der Diskussion. "Dieses Wegducken, verbunden mit der Verbreitung von Jubelmeldungen, hat System", so Weichert. "Facebook ist nicht sozial, dann wäre es offen und transparent, es ist unsozial."

Facebook nahm die "Verschlossene Auster" nicht an und widersprach der Kritik nach Angaben von Netzwerk Recherche in einigen Punkten. Seit Herbst 2015 habe die Firma "eine Vielzahl an Maßnahmen im Kampf gegen Hasskommentare und Hetze ergriffen", heißt es in der Antwort von Facebook .

Im Jahr 2015 ging die "Verschlossene Auster" an das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch. In den Jahren davon wurden der ADAC, der Weltfußballverband Fifa, die katholische Kirche und Russlands Präsident Putin bedacht.

hei/dpa
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