Facebook-Emoji Aus fett wird vollgestopft

Tausende Facebook-Nutzer fühlten sich durch ein Emoji in ein schlankes Schönheitsideal gezwungen. Das Unternehmen hat nun auf die Kritik reagiert - zur Freude einer Fraueninitiative.
Gefühle auf Facebook (englische Version): Für viele Nutzer eine wichtige Funktion

Gefühle auf Facebook (englische Version): Für viele Nutzer eine wichtige Funktion

Emojis gehören bei Facebook zum Grundkonzept. So können Nutzer zum Beispiel schnell ihre Verfassung verraten, indem sie beim Posten eines Statusbeitrags "Ich fühle mich müde" mit dem zugehörigen verschlafenen Gesicht anwählen. Für fast jeden Gemütszustand bietet Facebook ein entsprechendes Symbol. Mit einem seiner Emojis hat sich das soziale Netzwerk allerdings Ärger eingehandelt, vor allem bei Frauen.

Bis vor kurzem konnten Nutzer den Hinweis "Ich fühle mich fett" auf ihren Pinnwänden veröffentlichen. Ob gerade Frauen das Emoji nutzen, etwa auf der Suche nach Komplimenten à la "Nein, du bist doch gar nicht fett", und ob das Symbol nach dem weihnachtlichen Gänsebraten eine harmlose Konjunktur erlebte, weiß wohl nur Facebook selbst.

Fest steht dagegen, dass sich rund 17.000 Menschen durch die Existenz der Emoji-Text-Kombination gestört fühlten und dass sie deshalb eine Petition auf der Plattform Change.org  unterzeichneten.

Darin heißt es: "Gerade für Jugendliche ist Facebook eine wichtige Plattform im sozialen Leben, die Posts der Freund_innen haben Vorbildfunktion und ihre Kommentare sind wichtig für das Selbstbild." Die Initiatorin der Petition kommt aus Deutschland: Inkeri Kalina Lüchem hat die Beschwerde zusammen mit der internationalen Frauengruppe "Endangered Bodies" aufgesetzt, um damit eine Diskriminierung von dicken Menschen anzuprangern.

Einfach den Namen geändert

"Unsere Kultur ist verseucht von Schlankheitswahn und dem allgegenwärtigen eindimensionalen Schönheitsideal", heißt es auf der Webseite der Petition. Deshalb fordere die Initiative Facebook auf, das Gefühlsemoticon "fett" aus der Palette zu entfernen.

Facebook - in Sachen Datenschutz weitgehend immun gegen Kritik - reagierte überraschend schnell. Das Unternehmen entfernte allerdings nicht das dicklich aussehende Gesicht, sondern gab ihm einfach einen anderen Hinweistext. Aus "fett" wurde in Deutschland "vollgestopft".

Verständnisvoll schreibt Facebook der Fraueninitiative : "Wir haben aus ihrer Community gehört, dass 'sich fett fühlen' als Status ein schlechtes Körperbild verstärken kann, besonders bei Menschen, die mit Essstörungen kämpfen. Deshalb werden wir 'sich fett fühlen' von der Liste streichen."

"Endangered Bodies" verbucht das als Erfolg : "Wir haben gewonnen! Gemeinsam haben wir Facebook verbessert! Ich freue mich, dass wir diesen entscheidenden Schritt auf unserem Weg zu einer Gesellschaft ohne Body-Shaming erreicht haben."

Wer fühlt sich "soso"?

Die Gefühlsliste von Facebook ist übrigens auch nach der Änderung einen Blick wert: Nutzer können sich "besonders" fühlen, "festlich", oder "soso". Einige Adjektive teilen sich sogar denselben Gesichtsausdruck. Wem es zum Beispiel nicht besonders gut geht, der darf sich bei einem Smiley mit heraushängender Zunge zwischen den Zusätzen "beschissen", "zum Kotzen" und "erledigt" entscheiden.

Die jetzige Textänderung ist übrigens nicht das erste Mal, dass Facebook auf die Kritik bestimmter Initiativen reagiert: Im vergangenen Jahr erweiterte die Plattform die Auswahl des Nutzergeschlechts von "männlich" und "weiblich" um 60 weitere Optionen, darunter "genderqueer", "Transgender" und "Pangender".

kbl
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