Mobbing im Internet Facebook entschuldigt sich für "Arschloch"-Seite

Wenn Samantha J. ihren Namen googelte, erschien oben in den Ergebnissen jahrelang ein Facebook-Eintrag mit der Bezeichnung "Arschloch". Alle Bitten um Löschung scheiterten, bis sie an die Öffentlichkeit ging.
"Verstößt nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards": Facebook

"Verstößt nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards": Facebook

Foto: dapd

Acht Jahre lang stand die beschämende Seite im Netz. So lange habe der erste Treffer bei der Google-Suche nach ihrem Namen die Facebook-Seite eines fiktiven lokalen Unternehmens angezeigt, das mit ihrem vollen Namen sowie "Butthole" bezeichnet war, dem englischen Wort für "Arschloch", bevor Samantha J. sich Mitte dieser Woche entschloss, an die Öffentlichkeit zu gehen.

"Buzzfeed"  hatte zunächst über den Hilferuf von Samantha J. berichte: In ihrem Blog  und einem Eintrag auf Reddit  schilderte sie ihre Situation. Demnach stand die Facebook-Seite bereits seit 2012 im Netz, damals sei J. gerade einmal 15 Jahre alt gewesen. Erst drei Jahre später habe sie die Seite entdeckt und seither vergeblich darum gekämpft, dass der Eintrag gelöscht wird.

J. schrieb auf Reddit: "Ich wünschte, das wäre ein Fake. Ist es aber nicht." Sie habe sich "eine Million Mal" an Facebook gewandt, um die Seite entfernen zu lassen, sogar Freunde darum gebeten, den Eintrag als Spam, Belästigung oder gefälschte Seite zu markieren. "Ich habe sie immer und immer wieder gemeldet, mit jeder erdenklichen Option, über die man eine Seite melden kann." Ohne Erfolg. Alle Löschanträge scheiterten. Immer wieder kam die Antwort, dass die Seite nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstoße.

Ob der Eintrag negative Konsequenzen für sie hatte, kann sie nicht mit Gewissheit sagen: "Falls ich deswegen einen Job nicht bekommen habe, hätte mich der Arbeitgeber sicherlich nicht angerufen und gesagt 'Hey, ich habe die Seite über dein Arschloch gefunden und werde dich deswegen nicht einstellen'", erzählte sie "Buzzfeed".

Stecknadel zeigte auf früheren Wohnort

Auf den öffentlichen Druck hat Facebook nun reagiert und die Seite offline genommen. "Die Seite wurde gelöscht und es tut uns leid, dass das passiert ist", teilte ein Sprecher auf eine SPIEGEL-Anfrage am Freitag mit. "Wir haben die betroffene Person kontaktiert, um uns zu entschuldigen."

Offenbar war die Seite automatisch generiert worden, nachdem sich unbekannte Nutzer an diesem fiktiven Ort eingeloggt hatten. In der Beschreibung heißt es: "Diese inoffizielle Seite ist erstellt worden, weil Menschen auf Facebook sich für diesen Ort oder dieses Unternehmen interessiert haben." Die Urheber der Seite müssen J. gekannt haben: Neben dem vollen Namen der Nutzerin zeigte die Stecknadel auf der Karte auf das Haus, in dem Samantha J. früher gewohnt hatte.

Ihre Botschaft an das soziale Netzwerk: "Facebook, ich habe acht Jahre lang die Daumen gedrückt, dass kein Arbeitgeber diese Seite findet, die ich so verzweifelt versucht habe, löschen zu lassen", schreibt sie in ihrem Blog. Sie habe genug gefragt, nun fordert sie: "Achtet mehr auf eure Plattform."