Facebooks Entwicklerkonferenz F8 Mark Zuckerberg preist die Privatsphäre

Facebook plant einen Totalumbau auf vielen Ebenen. Die Grenzen zwischen WhatsApp, Instagram und Facebooks Messenger sollen verschwimmen - Influencer werden Produkte direkt auf Instagram verkaufen können.

Mark Zuckerberg und Facebooks neues Mantra
Andrej Sokolow/DPA

Mark Zuckerberg und Facebooks neues Mantra

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Den größten Applaus bekommt Mark Zuckerberg, als er ankündigt, allen Teilnehmern von Facebooks Entwicklerkonferenz F8 eine neue Virtual-Reality-Brille im Wert von 399 Dollar zu schenken. Die ganze Eröffnungsrede ist einerseits erstaunlich unpolitisch.

Mit keinem Wort geht Zuckerberg auf die Pannen, Fehler und Versäumnisse allein der jüngeren Vergangenheit ein. Nicht auf Hunderte Millionen im Klartext gespeicherter Passwörter, nicht auf ungefragt ausgelesene E-Mail-Kontakte von 1,5 Millionen Nutzern, nicht auf 30 Millionen kompromittierte Accounts, nicht auf die Rolle von WhatsApp in tödlichen Hasskampagnen und nicht auf den Facebook-Livestream des Christchurch-Massenmörders. Nur einmal zwischendurch sagt Zuckerberg, er wolle sicherstellen, dass "unsere Produkte für das Gute benutzt werden". Wie, sagt er nicht.

Andererseits ist die Botschaft des Facebook-Gründers durchaus politisch, nur nicht neu. Er kündigt zum wiederholten Mal nichts Geringeres an als den Totalumbau von Facebook, Messenger, Instagram, WhatsApp und Oculus zu einer "auf Privatsphäre ausgelegten Plattform". Es sei ein Projekt "für die kommenden Jahre". Die Vision, die alle Facebook-Verantwortlichen auf der Bühne in San José mantraartig wiederholten, lautet: "Die Zukunft ist privat". Es sei sich bewusst, dass Facebook in Bezug auf Privatsphäre "nicht den besten Ruf" habe, aber das Unternehmen habe doch immer wieder bewiesen, dass es sich ändern könne - was mindestens Auslegungssache ist.

Neues in Facebook, Messenger, Instagram und WhatsApp

Die Facebook-Website und die App bekommen ein neues Design.
Justin Sullivan/AFP

Die Facebook-Website und die App bekommen ein neues Design.

Etwas konkreter sollen die Nutzer von Messenger, Instagram und WhatsApp jederzeit verschlüsselt und unkompliziert mit ihren Freunden kommunizieren können, auch wenn die eine der anderen Apps verwenden. Interoperabilität heißt das. Im Messenger sollen sie zum Beispiel sehen können, wenn jemand etwas Neues auf Facebook oder Instagram postet. Selbst App-übergreifende Anrufe soll es geben. Zudem soll die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2E), die in WhatsApp längst Standard ist, künftig auch im Messenger voreingestellt sein. Derzeit ist sie nur eine Option. E2E bewirkt, dass nur Sender und Empfänger den Inhalt einer Botschaft sehen können, während Facebook selbst nur noch erkennen kann, wer mit wem kommuniziert. Die Zukunft ist schließlich privat.

Der Messenger bekommt eine eigene Desktop-App für Windows-PCs und Macs und WhatsApp eine Funktion, mit der sich Geld an andere Nutzer senden lässt. Das solle "so einfach sein, wie ein Foto zu schicken", sagte Zuckerberg. Getestet werde das bereits in Indien mit etwa einer Millionen Nutzern, weitere Ländern sollen bald folgen. Instagram enthält künftig eine Shopping-Option. Nutzer werden direkt in der App Produkte von Influencern kaufen können.

Die Facebook-Website und die App werden umgestaltet, um nicht zu sagen: aufgeräumt. Das neue Design soll wesentlich klarer sein, US-Nutzer bekommen es schon heute zu sehen, andere müssen noch warten.

Neues von Oculus

Zuckerberg stellt die Oculus Quest und die Oculus Rift S vor.
Amy Osborne/AFP

Zuckerberg stellt die Oculus Quest und die Oculus Rift S vor.

Die einzigen wirklich neuen Produkte, die zum Auftakt der F8 angekündigt wurden, sind die beiden Virtual-Reality-Brillen Oculus Rift S und Oculus Quest. Die Rift S ist eine Weiterentwicklung der kabelgebundenen Rift, die Quest kommt komplett ohne Kabel und externen Computer aus. Beide werden 449 Euro kosten und ab dem 21. Mai ausgeliefert, die Vorbestellung ist ab heute möglich.

Die Rift S ist naturgemäß leistungsfähiger, während die Stand-alone-Brille Quest mit dem aus Smartphones bekannten Qualcomm-Prozessor Snapdragon 835 auskommen muss und deshalb weniger detailreiche Bilder liefert. Ihr Akku hält je nach Beanspruchung zwei bis vier Stunden, bevor er aufgeladen werden muss.

Die Rift S hat nun auch Sensoren direkt im Brillengehäuse. Das Vorgängermodell brauchte noch zwei externe Sensoren. Dadurch belegt die Rift S erstens nur noch einen statt bisher drei USB-Anschlüsse am PC. Zweitens wird auch das virtuelle Abstecken des sicheren Spielbereichs einfacher. Die Quest hat dafür eine Funktion mit dem Namen Passthrough - man sieht in der Brille die tatsächliche Umgebung und kann mit dem Controller virtuelle Linien auf dem Boden ziehen, die dann in der späteren virtuellen Umgebung berücksichtigt werden. Das Bild des Zimmers verlasse dabei nicht die Brille und werde auch nicht mit Software-Entwicklern geteilt, betont Oculus. Denn die Zukunft ist schließlich privat.

Neues bei Facebook Dating

Facebook-Managerin Fidji Simo stellt die neue Dating-Funktion vor.
Stephen Lam/REUTERS

Facebook-Managerin Fidji Simo stellt die neue Dating-Funktion vor.

Facebooks Dating-Dienst, erstmals angekündigt auf der F8 im vergangenen Jahr, wird in 14 weiteren Ländern ausgerollt, europäische sind aber nicht dabei. Neu ist die Funktion "Secret Crush": Man markiert für Facebook, wen im Freundeskreis man heimlich anhimmelt, und wenn die Person ebenfalls den Dating-Service nutzt und ihrerseits heimlich verknallt ist, gibt es einen Match. Nochmal alle im Chor: Die Zukunft ist privat.

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
w.diverso 30.04.2019
1. Finde es immer lustig
wenn Zuckerberg von der Verschlüsselung der Chats erzählt. Wenn man momentan am PC den Chat von FB verwendet, dann liest FB eindeutig mit. Das ist zwar nicht geheim, aber man erfährt es nur wenn man etwas im Netz stöbert. Wenn Zuckerberg schon so viel auf Privatsphäre gibt, warum ist dann nicht dieser Chat auch (E2E) verschlüsselt? Oder ist das was Zuckerberg verkündet, nur was um die Öffentlichkeit zu beruhigen? In USA wird ja doch schon manchmal von der Zerschlagung des Online-Giganten FB geredet.
GoaSkin 30.04.2019
2.
Zitat von w.diversowenn Zuckerberg von der Verschlüsselung der Chats erzählt. Wenn man momentan am PC den Chat von FB verwendet, dann liest FB eindeutig mit. Das ist zwar nicht geheim, aber man erfährt es nur wenn man etwas im Netz stöbert. Wenn Zuckerberg schon so viel auf Privatsphäre gibt, warum ist dann nicht dieser Chat auch (E2E) verschlüsselt? Oder ist das was Zuckerberg verkündet, nur was um die Öffentlichkeit zu beruhigen? In USA wird ja doch schon manchmal von der Zerschlagung des Online-Giganten FB geredet.
Ein über einen Internet-Dienstanbieter abgewickelter Dienst ist ohnehin keine Ende-Zu-Ende-Kommunikation. Es kommunizieren nicht zwei Endgeräte mit Hilfe ihrer IP-Adressen miteinander, sondern alles wandert über Server des Anbieters. Da ist es völlig egal, wie verschlüsselt wird; der Anbieter hängt dazwischen und bekommt jeglichen Datenaustausch von Anfang an mit und muss in vielen Fällen die Daten ja auch selbst verarbeiten können. Verschlüsselung schützt nur vor Dritten, aber niemals vor dem Anbieter selbst. Das kapieren die Leute meist nicht und ist ihnen auch egal. Sie wollen sich ja ihr geliebtes Facebook und WhatsApp schließlich nicht ausreden lassen.
dschulzehh 01.05.2019
3. you get what you pay for
Ich bin freuberuflicher/selbständiger Softwareentwickler. Ich mach das schon einige Jahre und natürlich kenne ich auch eine ganze Reihe von Leuten die im gleichen Gewerbe unterwegs sind. Keiner von den Fachkollegen die ich kenne nutzt facebook. Keiner. Dafür gibt es Gründe.
J.Corey 01.05.2019
4.
Datenschutz passt nicht zum Geschäftsmodell von Fratzenheft - das sollte jedem Anwender klar sein und in der Entscheidung berücksichtigt werden, ob man den Dienste nutzen möchte oder nicht. Egal was der Zuckerberg von sich gibt. Leider sind Threema, mailbox.org oder Protonmail nach wie vor nur Randerscheinungen, die breite Masse will offensichtlich gar keinen Datenschutz, zumindest ist die nicht bereit dafür irgendetwas zu tun oder auch nur ein paar Cent zu bezahlen. Da Dienstanbieter aber auch nicht von Luft und Liebe leben, zahlt man dort eben mit seinen Daten - so simpel ist das.
mb2018 01.05.2019
5. Zu spät
Es ist meiner Meinung nach zu spät, ernsthaft einen Paradigmenwechsel bei Facebook in Bezug auf Datenschutz anzukündigen. Das ganze Geschäftsmodell ist auf den Verkaufen der Nutzerdaten ausgelegt. Hinzu kam in den letzten Jahren die geschäftsmäßige Instrumentalisierung von Facebook zur Massenmanipulation. Gravierende politische Umwälzungen weltweit (Trump, Brexit, AfD, Gelbwesten, Italien, Brasilien,...) waren nur dank Facebook + Whatsapp möglich. Niemand kann mir erzählen, dass Facebook nichts davon wusste, dass es als politische Kampagnenplattform genutzt wird. Zu sehr ist der ganze Apparat dahingehend optimiert. Wie mit einem großen Hypnose Pendel werden die Nutzer mit den Informationen bespielt, die ihr Weltbild verändern sollen, bis sie genau das denken und glauben, was die zahlende Klientel aus dem rechten Spektrum transportieren will. Dumm nur, dass die Parteien des demokratischen Spektrums dieses Mittel der Massenkommunikation weder entdeckt, noch für sich genutzt haben. Die Welt würde heute vielleicht ein bisschen weniger katastrophal aussehen. Was Facebook betrifft, kann mir Zuckerberg das Blaue vom Himmel herunter versprechen. ich habe meinen Account schon vor langem gelöscht und werde bei dieser skrupellosen Datenkrake sicherlich nicht mehr freiwillig Kunde werden. Ich pfeife auf tolle Privatsphäre-Versprechen und Dating-Apps, die auch nur dazu dienen, noch mehr private Nutzerdaten abzugreifen und kommerziell auszuwerten. Ein letzter Kommentar noch in Bezug auf die ach so tolle angekündigte Verschlüsselung: Jeder Informatikstudent im ersten Semester kann eine sichere End-to-End-Verschlüsselung programmieren und Facebook kündigt das jetzt seit Jahre an, ohne es umzusetzen. Das ist lächerlich. Wer verschlüsseln will, kann es jederzeit tun. Allein der Wille scheint zu fehlen.
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