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27. November 2012, 14:22 Uhr

Copyright-Falschmeldung bei Facebook

Welchen Status Sie sich sparen können

Viele Ihrer Facebook-Freunde widersprechen scheinbar den Geschäftsbedingungen des Netzwerks? Dann sind sie wohl auf einen virtuellen Kettenbrief reingefallen. Facebook selbst erläutert, dass eine entsprechende Statusmeldung überhaupt nichts bringt.

Facebook kommentiert nur selten Falschmeldungen, die in dem Netzwerk herumgeistern. Passiert es doch, darf man also davon ausgehen, dass der betreffende Kettenbrief weit verbreitet ist, sprich: oft veröffentlicht und geteilt wird. So wie in diesem Fall: "Aufgrund der neuen AGB's in Facebook widerspreche ich hiermit der kommerziellen Nutzung meiner persönlichen Daten gemäß BDSG", lautet die deutschsprachige Variante einer Meldung, die derzeit vor allem als Bilddatei verbreitet wird. "Das Copyright meiner Profilbilder liegt ausschließlich bei mir. Die kommerzielle Nutzung bedarf ausdrücklich meiner schriftlichen Zustimmung."

Facebook plant zwar tatsächlich Neuerungen für sein Netzwerk, jedoch mit anderen Schwerpunkten als der Datennutzung - der Inhalt der Nachricht ist also schon auf den ersten Blick zweifelhaft. Auf seiner Website kommentiert Facebook den als "Copyright Meme" bekannten Hoax mittlerweile so: "Jedem Facebook-Nutzer gehören der Inhalt und die Informationen, die er veröffentlicht, und er ist Herr darüber - so wie es in unseren Bedingungen festgelegt ist. Facebook-Nutzer steuern selbst, wie die Inhalte und Informationen verbreitet werden. Das ist unser Grundsatz und ist es immer gewesen."

Auch wenn es anders wäre: Für einen Widerspruch gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen würde sich eine Statusmeldung nicht eignen, meinen Juristen, im Gegensatz etwa zu einem Brief. "Aus juristischer Sicht unsinnig" findet solch ein Posting zum Beispiel der Rechtsanwalt Jens Ferner. Problematisch sei, dass der Widerspruch dem Unternehmen gar nicht zugeht, schreibt Ferner auf der Website seiner Kanzlei: "Niemand wird den Anspruch haben, dass Mitarbeiter von Facebook sämtliche Mitteilungen in der eigenen Timeline lesen, somit jeder (private) Pinnwandeintrag Facebook bewusst bekannt wird."

Einfach mal in die Suchmaschine tippen

Hoaxes sind im Prinzip so alt wie das Internet, seit sechs Jahren findet sich der Begriff im Duden. Er steht für Falschmeldungen, die per E-Mail oder über andere Kommunikationsdienste wie Chatsoftware oder soziale Netzwerke verbreitet werden.

Erkennen lassen sich Hoaxes nicht immer sofort. Bei besonders häufig geteilten Nachrichten lohnt es sich aber, einen Abschnitt daraus in ein Suchmaschinensuchfeld zu kopieren. Oft zählen schon zu den ersten Ergebnissen Artikel, die die Botschaft zum "Fake" oder "Hoax" erklären - mitsamt Erläuterung, wie die Autoren zu diesem Urteil kommen. Die Website snopes.com beispielsweise hat sich darauf spezialisiert, Meldungen aus dem Netz auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.

mbö

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