Facebook, Gettings, Gowalla & Co. Die mobile Rabattschlacht

Facebook offeriert Deals, Foursquare gibt einen aus und Gowalla verteilt Gutscheine: Das Geschäft mit Rabattangeboten für Mobilgeräte gilt als das nächste große Ding. Dabei hebt es nur eine uralte Masche ins Netz - da wollen auch deutsche Anbieter mitmischen.

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Es ist die vermutlich älteste Marketing-Regel der Welt: Bietest du ein Produkt günstiger an als die Konkurrenz, beschert dir das Käufer, besonders wenn das Angebot fast nach Geschenk klingt. "20 Prozent auf alles", "Geiz ist geil", "Ich bin doch nicht blöd", die Mantras deutscher Handelsketten zielen stets auf die legendäre Sparsamkeit deutscher Konsumenten.

Jetzt soll diese Sparsamkeit jederzeit und allerorten als Kaufimpuls aktivierbar gemacht werden: Mobile Rabattsysteme sollen Kunden in Läden, Kneipen oder Hotels locken. Der gute, alte Händlerprospekt ("100 Gramm Fleischwurst, 99 Cent"), den viele als morgendliche Belästigung vor der Haustür oder im Briefkasten vorfinden, mutiert zum Marketing-Hit des 21. Jahrhunderts. Der zweite Klassiker, der nun eine digitale Auferstehung erleben soll, ist die Sammelkarte: Wer zehn Kaffees hier gekauft hat, bekommt den elften umsonst. Aus den USA kommt als Ergänzung das dort wesentlich weiter verbreitete Coupon-Modell nach Deutschland.

Das Ausschneiden kleiner Zettelchen aus der Zeitung oder Produktverpackungen gehört dem Klischee zufolge zu den vornehmsten Aufgaben der amerikanischen Hausfrau. 20 Cent Nachlass auf die Frühstücksflocken, zwei Tiefkühlpizzen für den Preis von einer - das Coupon-Modell ist die US-Variante der Verkäuferregel, dass der Kunde bereit- und freiwillig auf Werbung reagiert, wenn er das Gefühl hat, sonst ein unschlagbares Angebot zu verpassen.

Das Newsfeed-Prinzip von Facebook in die reale Welt übertragen

Auf dieser Logik basieren viele Rabattangebote, die Lokationsdienste auf Handys derzeit in die digitale Gegenwart hieven sollen. Wer etwa beim Mobilnetzwerk Foursquare, dem Konkurrenten Gowalla oder dem aus Deutschland stammenden Angebot Friendticker in bestimmten Kneipen "eincheckt", also allen seinen digital vernetzten Freunden mitteilt, dass er sich dort gerade aufhält ("Ich bin im Starbucks in der 42. Straße"), der bekommt von manchen Händlern, Bars oder Kaffeeröstern ein Geschenk oder einen Nachlass. Das Mundpropaganda-Prinzip des Facebook-Newsfeeds ("XY hat gerade die iLike-Applikation installiert") soll so in die reale Welt übertragen werden. Für Werber und Vermarkter eine Traumvorstellung: Der Kunde kommt aus eigenem Antrieb vorbei, um sich sein Produkt abzuholen (und kauft dann hoffentlich doch noch etwas anderes, teureres), und wirbt gleichzeitig in seinem ganzen Bekanntenkreis für das Geschäft.

Das Angebot an neuen Diensten, die auf diese Prinzipien setzen, ist gewaltig: Foursquare und Gowalla werden als eine Art mobiles Spiel vermarktet - wer war wo besonders oft? Wer ist der König der eigenen Stammkneipe? Groupon und seine vielen Epigonen setzen auf Rabatte in Verbindung mit dem alten (beim ersten Anlauf kläglich gescheiterten) Prinzip von Letsbuyit.com - wenn soundsoviele Kunden sich zusammentun und ein bestimmtes Produkt erwerben, gibt's einen Gruppennachlass.

Das nagelneue Angebot einer E-Plus-Tochter namens Gettings bietet eine mobile Rabattlandkarte - als App fürs Handy oder einfach im Web -, die in bestimmten Kategorien auf Sonderangebote in der unmittelbaren Umgebung hinweisen soll. Und die wiederum erlaubt, den Nutzern Gutscheine auszustellen, die dann direkt vor Ort eingelöst werden können, etwa in Form eines QR- oder Strichcodes, der direkt an der Kasse gescannt werden kann. Natürlich gibt es auch hier, wie fast überall, Anbindungen an die großen Social Networks, so dass jeder Kauf, jedes Schnäppchen gleich an den digitalen Facebook-Freundeskreis oder die Twitter-Follower weitergemeldet werden kann.

Präzise erfassbare Werbewirkung

Gettings wird derzeit lokal begrenzt an Rhein und Ruhr getestet, danach soll der Dienst bundesweit verfügbar sein und "mittelfristig" auf allen E-Plus-Handys mit Netzzugang vorinstalliert werden, erklärt Gettings-Geschäftsführer Daniel Euler im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Gettings will sich von der Konkurrenz nicht zuletzt durch einen starken lokalen Bezug absetzen: Der Friseur oder Bäcker von nebenan soll dort ebenso werben und aktuelle Angebote präsentieren können wie die großen Handels- oder Restaurantketten. Die Betriebe und Händler, die dort werben, können abgestufte Preismodelle wählen: Sie zahlen beispielsweise pro Klick auf eine Anzeige innerhalb des Kartenangebots, pro Besuch eines Gettings-Nutzers im Laden oder Café, oder, das ist die präziseste und teuerste Variante, pro an der Kasse gescanntem Code. So genau wie die mobilen Rabattsysteme kann keine andere Form ihre tatsächliche Werbewirkung unter Beweis stellen - das ist das Kalkül der Anbieter.

Das Aldi-Blättchen auf dem Handy

Der eben vorgestellte Facebook-Dienst mit dem Namen Deals (vorläufig nur in den USA verfügbar) vereinigt all diese Prinzipien: Gruppenkauf, Check-In-Rabatt, die Möglichkeit für Werbetreibende, ortsbezogene Sonderangebote zu machen.

Die schlichteste, aber derzeit in Deutschland offenbar durchaus erfolgreiche Variante der digitalen Rabattsysteme verfolgen Plattformen wie die deutschen Anbieter Kaufda, Discounto und Meinprospekt - sie stellen einfach die Verkaufsprospekte der Discounter und Elektromärkte ins Netz, verbinden sie aber mit Kartenanwendungen. Die zeigen dem Nutzer dann auch gleich, wo er den billigen Akkuschrauber oder die reduzierte Knackwurst in seiner näheren Umgebung erwerben kann.

Erste Erfolge konnten die Anbieter dieser Prospekt-Apps bereits feiern: Die Mobil-Anwendungen von Kaufda und Meinprospekt etwa waren in Apples App Store zeitweilig echte Überraschungserfolge. Die kostenlose iPad-App von Meinprospekt schlug zeitweilig fast alle anderen Mini-Programme für den Tablet-Rechner, landete ganz oben in den Download-Charts. Meinprospekt-Mitgründer Ali Uluileri kennt sich aus mit dem Geiz der Deutschen: Er war früher Werbechef von Saturn und Media Markt. Derzeit sieht es aus, als hätte das "Geiz ist Geil"-Motiv in Deutschland durchaus Chancen auf eine mobile Renaissance: Schnäppchenjagd scheint auch unter den Besitzern kostspieliger Smartphones und Tablets nicht verpönt zu sein.



insgesamt 2 Beiträge
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Lightbringer 04.11.2010
1. Wenn ...
Wenn "zielgerichtete Werbung" endlich mal bedeuten würde, dass dieser Strom Altpapier, den ich fast täglich von meinem Briefkasten zur Altpapiertonne tragen muss, endlich mal versiegt - dann soll mir das recht sein.
fiutare 05.11.2010
2. ..
Zitat von LightbringerWenn "zielgerichtete Werbung" endlich mal bedeuten würde, dass dieser Strom Altpapier, den ich fast täglich von meinem Briefkasten zur Altpapiertonne tragen muss, endlich mal versiegt - dann soll mir das recht sein.
Nicht meckern - machen! Kleiner Aufkleber genügt. Ich habe schon jahrelang keine Werbung mehr im Briefkasten.
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