Versuchte Wahlbeeinflussung Facebook deckt iranische und russische Netzwerke auf

Wieder einmal hat Facebook Versuche von Dritten gestoppt, Netzwerke aus Tarnkonten auf Instagram und Facebook aufzubauen. Diesmal stammen die Versuche mutmaßlich aus Russland und Iran.

"Einige Verbindungen": Icons sozialer Netzwerke
Nick Ansell/PA Wire/dpa

"Einige Verbindungen": Icons sozialer Netzwerke


Eine Weile lang schien es ruhig geworden zu sein um angebliche Versuche, Wahlen insbesondere in den USA zu beeinflussen. Doch nun hat Facebook nach eigenen Angaben drei iranische sowie ein von Russland aus gesteuertes Netzwerk von gefälschten Instagram- und Facebook-Konten ausgehoben. Die Verantwortlichen hätten sich zum Teil als in den USA ansässig ausgegeben und Amerikaner mit kontroversen politischen Botschaften ins Visier genommen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Andere Ziele seien nordafrikanische und lateinamerikanische Länder gewesen.

Es gebe "einige Verbindungen" zu der russischen "Trollfabrik" IRA, erklärte der für Cybersicherheit zuständige Nathaniel Gleicher. Die Kampagne habe nach einer gut ausgestatteten Operation ausgesehen, mit durchgängigen Maßnahmen der Verantwortlichen zur Verschleierung ihrer Identität und ihres Standorts.

Die insgesamt vier verschiedenen Netzwerke hatten Seiten und Accounts betrieben, die drei- bis fünfstellige Followerzahlen hatten. Facebook entfernt solche Netzwerke nicht aufgrund der veröffentlichten Inhalte, sondern wenn es koordiniertes Verhalten bei gleichzeitiger Verschleierung der Identität feststellt. Typischerweise richten sich die Botschaften dieser Netzwerke an Minderheiten oder sie versuchen, Spannungen oder gesellschaftliche Polarisierungen zu verstärken.

Staatlich kontrollierte Medien sollen gekennzeichnet werden

Der an den Ermittlungen beteiligte Sicherheitsforscher Ben Nimmo von Graphika sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das verbreitete Material habe gleichermaßen Demokraten wie Republikaner ansprechen können. Zum großen Teil seien die Mitglieder des Netzwerkes damit beschäftigt gewesen, "echtes Material von echten Amerikanern" zu kopieren. "Dies könnte auf einen Versuch hinweisen, sprachliche Defizite zu vertuschen", sagte Nimmo. Diese hätten in der Vergangenheit die Aufdeckung erleichtert.

Facebook ergreift nun weitere Maßnahmen, um die Verbreitung von Propaganda und gefälschter Nachrichten bei dem Onlinenetzwerk einzudämmen. So sollen künftig staatlich kontrollierte Medien - wie etwa der russische Fernsehsender Russia Today - gut sichtbar als solche gekennzeichnet werden. Zudem wird das Onlinenetzwerk bei Beiträgen, die von unabhängigen Faktenprüfern für falsch erklärt wurden, prominenter darauf hinweisen, wie Facebook am Montag mitteilte.

Accounts von gewählten Politikern, Wahlkandidaten und deren Mitarbeitern sollen in einem Programm mit dem Namen "Facebook Protect" verstärkt abgesichert werden, hieß es am Montag weiter. Schärfer als bisher will Facebook zudem gegen Versuche vorgehen, Wähler einzuschüchtern oder Wähler zum Beispiel über Ort und Ablauf der Abstimmung falsch zu informieren.

pbe/dpa/Reuters



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andreika123 22.10.2019
1. was Neues
Es wurden beide politische Lager unterstützt. Es waren Themen von echtem Amerikaner und die waren auch nicht erfunden. Also welches Gesetz haben die eigentlich verletzt? Das ist jetzt sehr leicht gewordene um unbeliebte Accounts zu löschen, nur schreien das sind die Russen und das wars. zum Glück macht der Westen mit seinen Werten das gleiche nicht bei den anderen, sonst müssten wir uns ja schämen.
FK-1234 22.10.2019
2. Wen wundert's ?
Leider bittere Realität, dass ausgerechnet Putins Russland mit seinem diktatorischen Unterdrückungssystem und das religiös-fanatische Unrechtssystem Iran die aggressivsten Angreifer der demokratischen Länder sind. Welche Auswirkungen dies bislang schon hattte, sehen wir ja an den USA. Dort wurde Trump mit Russlands Hilfe US-Präsident...mit fatalen Folgen für die ganze Welt...und vor allem den USA, die sich mittlerweile völlig isoliert habe. Vermeintlich Amerika first !
peter.teubner 22.10.2019
3. Schrecklich sowas,
nur gut dass wir im Westen sowas nicht machen! Wahlen beeinflussen, regim change anstreben, Oppositionsbewegungen mit Geld unterstützen. All sowas machen wir zum Glück nicht und deshalb dürfen wir uns auch zu Recht über die Anderen aufregen.
Anno2012 22.10.2019
4. @1
Es handelt sich immer noch um private Unternehmen, mit denen sie via Anmeldung einen "Vertrag" schließen, der von diesen Unternehmen jederzeit entsprechend der Vertragsklauseln gekündigt werden kann. Gesetzesverletzungen sind dabei absolut nicht notwendig.
-su- 22.10.2019
5.
Zitat von FK-1234Leider bittere Realität, dass ausgerechnet Putins Russland mit seinem diktatorischen Unterdrückungssystem und das religiös-fanatische Unrechtssystem Iran die aggressivsten Angreifer der demokratischen Länder sind. Welche Auswirkungen dies bislang schon hattte, sehen wir ja an den USA. Dort wurde Trump mit Russlands Hilfe US-Präsident...mit fatalen Folgen für die ganze Welt...und vor allem den USA, die sich mittlerweile völlig isoliert habe. Vermeintlich Amerika first !
Trump wurde nicht mit russischer Hilfe gewählt. Das ist ein Märchen der Demokraten, die bis heute nicht verwunden haben, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt haben. Facebook versucht hier abzulenken. Facebook manipuliert selbst und verkauft Daten. Cambrige Analytica war keine russische oder iranische Erfindung. Da haben Amerikaner bzw. Europäer die Daten von Facebook genutzt um ihre Werbung/Wahlempfehlungen zu verbreiten. Um dies weiter machen zu können, werden angebliche russische und iranische Gruppen erfunden, die man gesperrt hat. Gleichzeitig nutzt man das, um unliebsamme Medien schlecht zu machen. Würde mich interessieren, wie die Deutsche Welle künftig bei Facebook bezeichnet wird. Ist das ja eine staatlicher Sender, der mit Steuergeldern finanziert wird.
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