Identifikation per Selfie Facebook will Gesichter sehen

Facebook verlangt von einigen Nutzern Fotos, auf denen ihr Gesicht zu erkennen ist. So sollen unter anderem Bots entlarvt werden. Wer anonym bleiben möchte, könnte wohl als Sicherheitsrisiko gelten.
Smartphone-Nutzerin unter dem Facebook-Logo

Smartphone-Nutzerin unter dem Facebook-Logo

Foto: Niall Carson/ dpa

"Bitte lade ein Foto von dir hoch, das deutlich dein Gesicht zeigt", heißt es auf Englisch in einem Screenshot aus der Facebook-App . Der angesprochene Facebook-Nutzer soll seine Identität mit einem Selfie bestätigen. Man werde das Bild überprüfen und dann dauerhaft von den Servern löschen, heißt es weiter.

Auf Anfrage des SPIEGEL hat Facebook den Einsatz dieser Gesichtskontrolle bestätigt - mit dem Hinweis, dass diese Methode schon länger weltweit im Einsatz sei. Sie werde automatisch verwendet, wenn Nutzer beispielsweise auf "verdächtige" Weise Accounts einrichten, Freundschaftsanfragen verschicken oder Werbeanzeigen kaufen. Gemeint sind damit wohl typische Aktivitäten von Bot- und Fake-Accounts, die beispielsweise Propaganda verbreiten könnten.

Facebook prüfe dann, ob das eingereichte Foto authentisch ist. Wie diese Prüfung durchgeführt wird, konnte eine Sprecherin zunächst nicht erklären. Dem Tech-Blog "Wired " zufolge bleibt der betreffende Facebook-Account gesperrt, bis das eingereichte Foto bestätigt worden ist. Die Gesichtskontrolle ist übrigens nur eine von mehreren Methoden, um die Identität von Nutzern zu überprüfen.

Facebook anonym zu nutzen wird schwerer

Facebook konnte nicht erklären, ob betroffene Nutzer in einem solchen Fall auch eine andere Methode wählen können, um ihre Rechtschaffenheit zu belegen - oder ob sie notgedrungen ihr Gesicht preisgeben müssen, um Facebook weiterhin zu nutzen. So oder so stellt diese Methode einen weiteren Schritt dar, die anonyme Nutzung des Netzwerks zu erschweren. Trotz Protesten von Datenschützern besteht Facebook etwa darauf, dass Nutzer ihren Realnamen angeben .

Aktuell ist es keine Bedingung, auf Facebook ein Profilbild mit klar erkennbarem Gesicht hochzuladen. Wer dem Konzern sein Gesicht aber gar nicht zeigen will, könnte offenbar als Sicherheitsrisiko gewertet werden.

Der Konzern versucht derzeit auf vielen Wegen, gegen mögliche Manipulationen auf seinen Plattformen vorzugehen. Das geschieht auch aufgrund von politischem Druck. Jüngst mussten sich Facebook, Google und Twitter vor dem US-Kongress verantworten, weil sie offenbar russische Propaganda im US-Wahlkampf geduldet hatten. Den Konzernen könnten schärfere Gesetze zur Regulierung ihrer Plattformen drohen.

Auch um Nacktfotos hat Facebook schon gebeten

Im November hatte eine andere angebliche Sicherheitsmaßnahme des Konzerns nahegelegt, dass Facebook mit privaten Fotos möglicherweise einen eher laxen Umgang pflegt. In Australien testet das Unternehmen eine Funktion, um die Verbreitung von Nacktbildern zu verhindern. Dafür sollen Nutzer dem Konzern ihre intimen Bilder einfach vorsorglich schicken.

Facebook will die Nacktfotos seiner Nutzer dann in Zahlenwerte, sogenannte Hashes, umwandeln und einem Upload-Filter hinzufügen . Auf diese Weise könnten mögliche, künftige Veröffentlichungen der Bilder verhindert werden.

Zunächst war nicht klar, wie Facebook im Einzelnen mit diesen sensiblen Daten umgeht. Die Rede war unter anderem von einem technischen Verfahren  und unkenntlich gemachten  Bildern. Wie letztlich "Motherboard " unter Bezugnahme auf einen Facebook-Sprecher berichtete, werden die Nacktbilder aber offenbar doch von Mitarbeitern des Konzerns begutachtet und erst danach unkenntlich gemacht.

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