Netzwelt-Ticker Facebook kauft Gesichtserkenner

Facebook hat Face.com gekauft, einen Technik-Dienstleister für Gesichtserkennung. Das könnte allerdings eher der Konkurrenz als Datenschützern Sorge bereiten. Außerdem im Überblick: Kontodaten geklaut und Malware von Menschenrechtsaktivisten.
Facebook-Website: Gesichtsdienstleister wird übernommen

Facebook-Website: Gesichtsdienstleister wird übernommen

Foto: dapd

Facebook hat den Gesichtserkennungsspezialisten Face.com gekauft , laut Reuters  für 55 bis 60 Millionen Dollar (bis zu 48 Millionen Euro). Mit dem Kauf, so eine Facebook-Sprecherin in der "Washington Post",  hole man sich endlich ein "Weltklasse-Team und einen langzeitigen Technologie-Lieferanten ins Haus".

Face.com ist ein Unternehmen aus San Francisco und Tel Aviv, das sich auf Algorithmen zur Gesichtserkennung spezialisiert hat. Facebook wiederum hat schon lange mit dem Thema Gesichtserkennung auf technologischer und rechtlicher Basis experimentiert - vor allem, um ein noch attraktiverer Bilderdienst im Internet zu werden. Per Gesichtserkennung können noch einfacher große Bildmengen gehandhabt, neue Smartphone-Apps zur Vernetzung der Online- und Realwelt entwickelt und so noch engmaschigere soziale Netze gestrickt werden. Letztlich wäre Facebook die größte Gesichterkartei der Welt - ein Gedanke, der nicht nur Datenschützer beunruhigt. 

Doch über das, was der Face.com-Kauf konkret zu bedeuten hat, darüber lässt sich streiten. Face.com arbeitet schon länger mit Facebook zusammen - vielleicht soll der Kauf die Facebook-Konkurrenz ausbremsen und Know-how vom freien Markt holen. Dann wiederum wird Face.com auch zukünftig die Erkennungsdienste über eine Schnittstelle anderen Webprogrammierern zur Verfügung stellen. Die Developer-Abteilung, heißt es bei Face.com, bleibe nach wie vor aktiv. 

Massiver Kreditkartenklau - oder Hackerschote?

Ein anonymer Hacker ist nach eigenen Angaben in 79 große Banken eingebrochen  und konnte 50 Gigabyte Konto- und Kreditkartendaten abschöpfen. Zum Beweis hat er Auszüge aus den geklauten Daten ins Netz gestellt: 1700 Datensätze von Konten aus den USA und anderen Ländern, die Kreditkartennummern unkenntlich gemacht.

Laut der niederländischen Tageszeitung "Trouw"  untersuche Visa Europa "zusammen mit der Polizei" den Vorfall, Mastercard konnte der Zeitung keine Angaben zu einem möglichen Dateneinbruch machen.

Der Hacker, der unter dem Pseudonym Reckz0r agiert, hat erst vergangene Woche mitgeteilt, dass er nicht länger Daten stehlen, sondern an der Aufklärung und Verhinderung von Dateneinbrüchen arbeiten will. "Es tut mir leid", entschuldigte er sich bei möglichen Hack-Opfern, "wenn ich Ihnen oder ihren Familien Leid zugefügt habe". Noch am Montag hatte er unverschlüsselte Zugangsdaten von über 650 angeblichen Kunden einer Pornoseite veröffentlicht.

IE-Trojaner bei Amnesty International

Kaum aufgedeckt,  nutzen Online-Kriminelle auch schon eine neue Sicherheitslücke in Microsofts Internet Explorer aus. Wie der Antivirus-Hersteller Symantec berichtet,  wurde auf der Website von Amnesty International Hongkong ein Angriff festgestellt, über den Amnesty.org-Besucher, die mit dem IE surften, mit einem Spionage-Trojaner infiziert werden konnten. Amnesty International schloss die Sicherheitslücke umgehend.

Schutz vor dem Angriff hätte übrigens ein einfacher Trick gebracht: standardmäßig abgeschaltetes Javascript. Aktuelle Browser bieten Funktionen, mit denen nur "erwünschtes" Javascript aktiviert wird, um nur oft besuchten, vertrauenswürdigen Websites das Skripten zu erlauben. Da das in diesem Fall gefährliche Javascript nicht auf der eigentlichen Amnesty International Website lagerte, sondern auf einer russischen Domain, wäre der Angriff ins Leere gelaufen.

Außerdem

  • Facebook muss alle Onlinewerbung rings um die eigene Olympia-Seite ausblenden - und kann so nicht direkt am Olympia-Hype mitverdienen. 
  • Was den deutschen Behörden der digitale Funkverkehr, das ist dem amerikanischen Militär - auch der digitale Funkverkehr: ein riesiges, teures Desaster. Ars Technica beschreibt  genüsslich, wie die Suche "nach dem perfekten Funk" sechs Milliarden Dollar verschlang.
  • Um auf ihre Zielrechner zu gelangen, nutzt Hightech-Malware auch den Verbreitungsweg USB-Stick. Um mehr Exemplare dieser Schädlinge analysieren zu können, hat das deutsche HoneyNet-Projekt  nun die passende Virenfalle Ghost entwickelt: Gerade Firmen können damit auf Spionageversuche über ausgelegte USB-Sticks aufmerksam werden - Details und Erklärungen in diesem Video von HoneyNet-Mitglied Sebastian Pöplau. 
  • Spielentwickler-Urgestein Sid Meier hat sich zum zehn Jahre alten Speicherstand seines Strategiespiels "Civilization II" geäußert - in einer wirklich eher herzlosen und wie eine Werbung für die Nachfolger  wirkenden Weise.
  • Captchas sollen Menschen von Computern unterscheiden helfen  - doch Mensch entwickelt immer bessere Programme, um die Anti-Computer-Programme zu überlisten. Die "A Captcha in the Rye"-Studie zeigt anhand realer Beispiele, warum das bedenklich  ist.