Facebook-Konferenz F8 Beste Laune auf der Baustelle

Facebook erklärt sich zur Dating-Plattform, die Unterschiede zwischen Messenger, Instagram und WhatsApp verschwinden: Was Mark Zuckerbergs Ankündigungen auf der F8-Entwicklerkonferenz bedeuten.
Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg

Foto: Marcio Jose Sanchez/ AP

Wenn Mark Zuckerberg nur drei Wochen nach seiner Befragung durch den US-Kongress schon wieder Witze darüber machen kann, hat ihn die Aufregung der Politiker offenbar recht unbeeindruckt gelassen. Beim Auftakt von Facebooks Entwicklerkonferenz F8 im kalifornischen San José scherzte Zuckerberg jedenfalls über die (angeblichen) Live-Kommentare seiner Facebook-Freunde während der Übertragung der Anhörungen und sagte, bester Laune: "Lasst uns das so schnell nicht noch einmal machen."

"Keep moving forward" gab der Facebook-Gründer denn auch schnell als Motto aus. Dafür habe Facebook einfach "eine Verantwortung". Und zwar gegenüber dem Publikum dieser Veranstaltung: den externen Entwicklern von Anwendungen und Extras für Facebook selbst, den Messenger, Instagram, WhatsApp und Oculus. Ihnen hatte Facebook zuletzt das Leben schwer gemacht, indem es als Reaktion auf den Fall Cambridge-Analytica ihren Zugang zu Nutzerdaten zum Teil stark einschränkte.

Zwar nahm sich Zuckerberg zunächst einige Minuten Zeit, um auf Facebooks Probleme einzugehen: die versuchte Beeinflussung von Wählern - nicht nur in den USA - über gezielte Anzeigen, die Verbreitung von Hass und Desinformation, die unerlaubte Weitergabe von Nutzerdaten.

Clear History - externes Tracking eindämmen

Und er kündigte die Funktion Clear History an. Mit ihr werden Nutzer in Zukunft das externe Tracking von Facebook eindämmen können: Über Plug-ins wie den Like-Button oder Facebooks Log-in-Lösung, die auf vielen Seiten eingebettet sind, bekommt Facebook Einblicke darüber, welche sonstigen Seiten und Apps jemand aufruft. Nutzer werden diese Daten nicht nur nachträglich löschen können, sondern auch festlegen, dass sie künftig nicht mehr in Verbindung mit ihrem Facebook-Konto gespeichert werden.

Doch dann war Schluss mit Einschränkungen und Zurückhaltung. Eine grundsätzliche Abkehr von Zuckerbergs Mission, die Menschheit zu vernetzen, seinem Tech-Optimismus, verkündete er keineswegs. Das Facebook-Universum soll weiterwachsen, das war die über allem schwebende Botschaft.

Es gebe dabei "keine Garantie, dass wir alles richtig machen", sagte Zuckerberg. "Wir werden Fehler machen." Dennoch sollten Facebooks Werkzeuge "für das Gute" verwendet werden.

Dating auf Facebook

Für Dating zum Beispiel. Dass Facebook sich nun auch offiziell zur Flirt-Plattform erklärt, war eine der bemerkenswertesten Ankündigungen des Tages.

Wer möchte, kann auf Facebook künftig ein gesondertes Dating-Profil einrichten. Dazu wird im normalen Profil ein kleines Herz erscheinen, das man antippen kann, um die entsprechende Seite zu öffnen.

Der Nachname taucht im Profil nicht auf. Die Selbstdarstellung und die Interaktionen sollen nicht für Freunde sichtbar sein und nicht im News Feed auftauchen. Facebook-Freunde sollen einander auch nicht vorgeschlagen werden können, selbst wenn sie beide den Dienst nutzen und ähnliche Interessen haben. So will Facebook das neue Angebot nach außen vom klassischen Profil getrennt halten. Intern muss es die Profile und Freundeskreise dafür aber abgleichen.

Das Matching zwischen zwei Personen übernimmt ein Algorithmus, der "Dating-Präferenzen, Gemeinsamkeiten und gemeinsame Freunde" analysiert, wie Facebook bekannt gab. Außerdem sollen sich Nutzer über Gruppen und Veranstaltungen finden, für die sich beide interessieren. Nebenbei stärkt Facebook so seine Gruppen - ein Kernziel, um Nutzer zu mehr Interaktionen und längerer Verweildauer zu bringen. Damit will Facebook ausgleichen, dass es in einigen Märkten kaum noch wachsen kann.

Die anfallenden, möglicherweise sehr persönlichen Informationen sollen nicht für personalisierte Werbung verwendet werden. Weitere Details will das Unternehmen im Laufe des Jahres verraten, wenn der Dienst in die Testphase geht.

Besonders innovativ erscheint das Facebook-Dating nicht. Dass Zuckerberg noch extra betonte, die Funktion solle "nicht nur zum Aufreißen" gut sein, sondern vor allem für den Aufbau "bedeutender Beziehungen", deutet zudem auf eine gewisse Lernresistenz hin: Nicht Facebook bestimmt, wozu seine Dienste verwendet werden - die Nutzer tun es. Zuckerberg scheint das auch nach dem Missbrauch seiner Plattform durch antidemokratische Kräfte, der eigentlich nur ein systematischer Gebrauch war, noch immer nicht verinnerlicht zu haben.

Das kommende Konkurrenzangebot zu Tinder und anderen Dating-Apps ist aber in jedem Fall das perfekte Beispiel für Facebooks Anspruch, ein separates Internet aufzubauen, in dem ein Unternehmen alle Lebensbereiche der Nutzer abdeckt.

Messenger, Instagram, WhatsApp

So erklären sich auch viele der kleinen Änderungen und Erweiterungen im Messenger, in Instagram und WhatsApp. Die beiden letztgenannten bekommen einen Videochat, der auch in Gruppen funktioniert. Der Messenger und Instagram wiederum bekommen die im Vorjahr erstmals vorgestellten und von Snapchat kopierten Augmented-Reality-Filter, mit denen sich Nutzer zum Beispiel virtuelle Bärte oder Masken verpassen können. Und WhatsApp bekommt jene Sticker, die der Messenger bereits hat.

Die Unterschiede zwischen den drei Apps verschwinden damit ein Stück weit. Alle drei sollen offensichtlich gleichermaßen Chat-, Spaß- und Verkaufsplattformen werden.

Nur für einen kurzen Moment wurde dieser Teil der Hochglanz-Show mit einem Zugeständnis an die manchmal wenig glamouröse Wirklichkeit unterbrochen: Instagram bekommt ab sofort einen sogenannten Bullying-Filter. Der soll Ausdrücke herausfiltern, die geeignet sind, andere Nutzer zu beleidigen und zu belästigen. Wie er funktioniert, was er noch erlaubt und was nicht mehr, wurde nicht erklärt. Man wolle nur alles daran setzen, "es richtig zu machen", sagte die Instagram-Managerin Tamar Shapiro.

Virtual Reality: Oculus Go

Das einzige Stück Hardware, das am Dienstag gezeigt wurde, war die neue, kabellose VR-Brille Oculus Go . Sie wird ab heute verkauft. Anders als das High-End-Headset Oculus Rift benötigt das Einsteigermodell keinen PC und kein Smartphone für die Inhalte. Die kommen stattdessen über einen integrierten App-Store auf das Gerät, entweder direkt oder über eine Smartphone-App. Mehr als 1000 Apps und 360-Grad-Videos soll es zu Beginn geben. Die Vorstellung auf der F8 war aber auch eine klare Ansage an die Entwickler: Baut mehr davon. Nur mit überzeugenden Inhalten wird es möglich sein, mehr Menschen davon zu überzeugen, sich ein klobiges Headset zuzulegen, mit dem sie in erster Linie albern aussehen.

Oculus Go soll vor allem VR-Anfänger ansprechen. Die Facebook-Tochter verspricht, dass die Einrichtung in fünf Minuten erledigt ist. Der beiliegende Controller ermöglicht die Navigation innerhalb von Apps und auf dem Home-Screen.

Außerhalb der USA wird die Oculus Go vor allem online verkauft, der Preis liegt bei 219 Euro für das Modell mit 32 Gigabyte Speicher. Die 64-GB-Version dürfte 50 Euro teurer sein.

"Die Reise ist nur zu einem Prozent beendet"

Gegen Ende der etwa zweistündigen Auftaktveranstaltung wurde es zunehmend kleinteilig. Facebooks Manager stellten reihenweise Ergänzungen in den verschiedenen Produkten und viele Initiativen für Entwickler vor. Das Gesamtphänomen Facebook, das war der sicherlich nicht ungewollte Eindruck, ist und bleibt eine große Baustelle. "Die Reise ist weiterhin nur zu einem Prozent beendet", war am Dienstag auf den Leinwänden zu lesen.