Facebook-Kritiker "Mein Gesicht ist nicht deren Geschäftsgeheimnis"

1200 Seiten Daten für eine Person: Ein österreichischer Student sorgt sich um den Datenschutz bei Facebook und forderte alles an, was man dort über ihn weiß. Mit kaum befriedigendem Ergebnis. Er hat die irische Behörde eingeschaltet, die für die Aufsicht des sozialen Netzwerks zuständig ist.
Facebook-Website: Die "globale Gemeinschaft" wird in den USA gespeichert

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Foto: LOIC VENANCE/ AFP

Hamburg - Max Schrems hat nichts gegen Facebook - das soziale Netzwerk soll sich nur bitteschön an das Gesetz halten. Und genau das sei nicht Fall, findet der 23-jährige Jurastudent aus Wien. Er hat zusammen mit Freunden der irischen Datenschutzbehörde - denn in dem Land hat Facebook seinen europäischen Sitz - mittlerweile 22 Anzeigen  geschickt.

Detailliert wird darin aufgelistet, was das Netzwerk angeblich alles falsch macht. Einer der zentralen Vorwürfe: Facebook löscht Daten nicht, auch wenn die Nutzer auf "Löschen" klicken. Woher Schrems das weiß? Er hat sich die Daten zuschicken lassen, die Facebook von ihm gespeichert hat. Die Daten kamen per Post: Ein Paketdienst brachte eine CD von Facebook in Kalifornien, darauf eine 496 MB große PDF-Datei. 1222 Seiten voller persönlicher Daten.

"Facebook ist dazu gesetzlich verpflichtet, jedem Nutzer seine Daten herauszugeben", sagt Schrems. Allerdings ist der Datensatz, den er erhalten hat, nicht vollständig. "Es fehlen ganz banale Dinge wie die Informationen über Videos, die ich auf Facebook hochgeladen habe - aber auch die Klicks auf Like-Buttons." Facebook antwortete dem Studenten auf seine Nachfrage, man könne nicht alle Daten herausgeben - einige seien geistiges Eigentum oder Geschäftsgeheimnis  des Unternehmens.

"Damit können die sich nicht rauseden", sagt Schrems. Seiner Meinung nach gelten die Einschränkungen, die das irische Datenschutzrecht macht, nur für die einer Verarbeitung zugrunde liegenden Prozesse sowie daraus gewonnener Daten. Informationen, etwa über die Gesichtserkennung und Tags auf Fotos, müsse Facebook herausgeben. "Mein Gesicht ist nicht deren Geschäftsgeheimnis", sagt Schrems.

"Das geht natürlich nicht"

Mittlerweile wird Facebook wohl überrannt von den Anfragen interessierter Nutzer, die schwarz auf weiß haben wollen, was das Netzwerk alles über sie weiß -eine Anleitungen dazu  haben Schrems und seine Mitstreiter veröffentlicht. 40 Tage lang darf sich Facebook laut Gesetz mit einer Antwort Zeit lassen. Nun ist der Ansturm offenbar so groß, dass das Unternehmen schon einräumt, die 40-Tage-Frist nicht einhalten zu können. "Das geht natürlich nicht", sagt Schrems. Facebook könne sich die Frist nicht aussuchen.

Das Ausmaß des Datenbergs, den ihm die Firma geschickt hat, überraschte selbst Schrems, der sich mit dem Thema schon länger beschäftigt. "Richtig interessant wird es aber erst, wenn man die Daten verknüpft", räumt Schrems ein. Diese Daten müsse Facebook aber nicht herausgeben - die 1222 Seiten sind nur die Spitze des Datenbergs.

In dem Auszug seiner Daten entdeckte Schrems auch einige Pinnwand-Einträge, die er eigentlich gelöscht  hatte. In den Nutzungsbedingungen erklärt Facebook allerdings auch, dass "entfernte Inhalte für eine angemessene Zeitspanne in Sicherheitskopien fortbestehen". "Das kann auch einfach ein technischer Fehler sein", räumt Schrems ein. Warum das für gekündigte Freundschaften gelten soll, versteht er nicht. "Man darf Nutzern nichts vormachen, löschen muss löschen bedeuten." Nun seien aber die irischen Behörden gefragt, die den Vorwürfen nachgehen.

Die zuständige Datenschutzbehörde hat ohnehin einen Hausbesuch bei Facebook geplant. Die Anzeigen der österreichischen Studenten werden parallel geprüft - und die aufgeworfenen Fragen sicher Eingang in die routinemäßige Überprüfung finden. Man nehme die Vorwürfe der Studenten sehr ernst, so eine Behördensprecherin.

ore