Ungewöhnliches Angebot Facebook lädt zur Fake-News-Volkshochschule

Ab Freitag wird Facebook seinen Mitgliedern einen Aufklärungskurs in Sachen Fake News vorsetzen. Auch jeder deutsche Nutzer bekommt ihn drei Mal prominent zu sehen. Dahinter steckt ein größeres Anliegen.
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Wer sich in den kommenden Tagen bei Facebook einloggt, für den gibt es kein Entrinnen. Hunderte Millionen Nutzer werden ab Freitag eine ungewöhnliche Botschaft sehen, wenn sie App oder Webseite öffnen - und zwar als erste Meldung in ihrem Newsfeed, also auf dem wertvollsten Platz, der im Netzwerk zu vergeben ist.

Facebook bietet seinen Nutzern dort einen kleinen Aufklärungskurs zum Thema Fake News an. "Es ist möglich, Fake News zu enttarnen", wird es dort heißen. Facebook macht also in eigener Sache ein bisschen auf Volkshochschule, Grundkurs Faktencheck für Anfänger.

Für den Konzern ist so etwas ungewöhnlich. Für die Verkündung des Projekts ist sogar Adam Mosseri nach Europa einflogen. Er ist einer der Vice Presidents von Facebook, und Chef des für Facebook so zentralen Newsfeeds.

Zwei Facebook-Top-Leute, eine Botschaft

Mit ihm ist auch die neue Zuständige für Medienkooperationen, Campbell Brown, nach Perugia gereist, wo sich in dieser Woche Tausende europäische Journalisten zum International Journalism Festival versammelt haben. Zwei Facebook-Top-Leute in Perugia, eine Botschaft: Wir tun was gegen Fake News.

Was die beiden im Gepäck haben, ist aus Sicht des Tech-Konzerns ein großer Schritt. Hunderte Millionen Facebook-Nutzer in vierzehn Ländern, darunter Deutschland, werden die Botschaft sehen. Mit solchen Experimenten geht der Konzern sehr vorsichtig um.

Wer sich für die Aufklärung interessiert, sieht zehn Tipps, die helfen sollen, Fake News, die auf Facebook kursieren, zu erkennen und am besten auch zu melden. Schließlich sind solche absichtlich gestreuten Verzerrungen und Falschinformationen so komponiert, dass sie sich in sozialen Netzwerken möglichst weit verbreiten.

Die Tipps sind sehr grundlegend und nicht unähnlich einer Checkliste, die Sie seit vergangenem Herbst auch in SPIEGEL-ONLINE-Artikeln zum Thema Fake News finden (siehe Artikelende). Man soll etwa die Quelle prüfen, die Internet-Adresse der verlinkten Seiten genau anschauen - und am besten noch andere Quellen gegenchecken.

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An der deutschen Version der Tipps haben Facebooks Faktenchecker des Journalistenbüros Correctiv sowie die Organisationen Klicksafe, Deutschland Sicher im Netz und Stiftung Digitale Chancen mitgearbeitet.

Auch finanzielle Interessen

Ein Hinweis von Facebook lautet: Handelt es sich womöglich um Adressen, die wie große Medienmarken klingen, aber auf Fake-News-Seiten voller Anzeigen weiterleiten - mit denen die Betreiber dann ihr Geld verdienen?

Eine Menge Fake-News-Verbreiter seien "nicht ideologisch, sondern finanziell motiviert", sagt dazu Newsfeed-Chef Mosseri. Er wiederholte in Italien mehrfach, dass seine Firma Fake News tatsächlich als Problem betrachte und den Kampf dagegen ernst nehme: "Es schadet der Gemeinschaft, es widerspricht unserer Mission und es ist schlecht fürs Geschäft."

Daher sollen nun die Nutzer selbst zu besseren Faktencheckern werden - was für Facebook auch deshalb praktisch wäre, weil der Konzern in Deutschland immer noch verzweifelt weitere Partner fürs Factchecking sucht.

Maximal drei Mal angezeigt

Auf das Thema Fake News aufmerksam gemacht werden Nutzer durch die prominente Meldung allerdings erst einmal nur drei Tage lang. Und jeder soll den Hinweis an der Spitze des Newsfeeds maximal drei Mal angezeigt bekommen. Die Marktforschung habe gezeigt, dass zu aufdringliche Aufklärungsversuche bei den Nutzern nicht gut ankämen und Negativität erzeugten, so Mosseri.

Mosseri betont wie seine Kollegin Campbell Brown, dass Medien eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Falschinformationen spielten. Brown sagt, dass Facebook sich weiter primär als Distributionsplattform für Inhalte verstehe: "Journalismus war nie so wichtig wie heute und Medien haben eine bedeutende Aufgabe."

Neben derlei Schmeicheleien ist Facebook ist in diesem Jahr einer der wichtigsten Sponsoren der Journalisten-Konferenz in Perugia. Es ist die volle Charmeoffensive für diejenigen, auf die man auch nach drei Tagen Fake-News-Schulung der Nutzer im Umgang mit dem Phänomen wohl doch nicht verzichten kann.

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