Wegen "technischen Fehlers" Facebook blockiert Tausende Wahlwerbespots von Joe Biden

Das Wahlkampfteam von US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden wirft Facebook vor, Anzeigen in der entscheidenden Phase zu unterdrücken. Das Netzwerk entschuldigt sich halbherzig – und kontert die Vorwürfe.
Präsidentschaftskandidat Joe Biden nach einer Wahlveranstaltung am 29. Oktober

Präsidentschaftskandidat Joe Biden nach einer Wahlveranstaltung am 29. Oktober

Foto: Andrew Harnik / AP

Facebook will dieses Jahr im US-Wahlkampf alles richtig machen. Doch nun zieht der Konzern mit technischen Pannen und verwirrenden Werberegeln den Ärger der Wahlkampfteams auf sich. So hat es wohl kurz vor dem Wahltag die Kampagne von Joe Biden erwischt. Tausende seiner Spots sind offenbar in den vergangenen Tagen blockiert worden.

Wie das Biden-Team am Donnerstag mitteilte, seien die betroffenen Anzeigen schon seit Dienstag nicht mehr online. Facebook hatte angekündigt, von diesem Tag an keine neuen politischen Anzeigen mehr anzunehmen, zuvor angemeldete Werbung aber weiterhin auszuspielen. Das Wahlkampfteam von Joe Biden pocht darauf, dass die bezahlten Posts rechtzeitig vor der Sperrfrist eingereicht worden war.

Joe Bidens Digitalchef Rob Flaherty teilte in einem Statement am Donnerstag mit , dass es fünf Tage vor der Wahl "unmöglich ist, darauf zu vertrauen, dass unsere Anzeigen ordentlich angezeigt werden oder unsere Gegner einen unfairen Vorteil bekommen". Facebook habe erneut versagt, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. "Wir haben keine Ahnung, wie groß das Problem ist, wen es betrifft und wie ihr Plan aussieht, es zu lösen", sagte Flaherty.

Nach Angaben des Magazins "Politico"  kosten die unterdrückten Anzeigen das Biden-Team etwa eine halbe Million Dollar aufgrund bereits eingeplanter Spenden und einer Änderung des Wahlkampfplans kurz vor der Wahl. Laut dem Bericht sind von der Facebook-Sperre auch Anzeigen des Teams von US-Präsident Donald Trump betroffen, das sich dazu aber bisher nicht geäußert hat.

Facebook schiebt Teil der Schuld auf Wahlkämpfer

Laut Facebook seien "einige unerwartete Probleme aufgetreten, die sich auf die Kampagnen beider Bewerber ausgewirkt haben", wie es in einem Blogbeitrag von Donnerstag  heißt. Teilweise habe es sich dabei um "technische Fehler" gehandelt.

Doch Facebook wälzt die Schuld auch auf die Wahlkampfteams ab. Denn Probleme seien auch aufgetreten, weil einige Kunden "die von uns zur Verfügung gestellte Anleitung nicht verstanden haben, wann und wie man die Ausrichtung von Anzeigen ändert". Die Fehler sollen mittlerweile behoben sein und damit würden auch "die meisten politischen Anzeigen problemlos laufen".

Facebook hatte im Vorfeld  bekannt gegeben, dass von Dienstag an eine Woche lang keine neuen Anzeigen über soziale Themen, Wahlen und Politik in den USA mehr angenommen werden. Der Grund: Es sollen kurz vor der Wahl keine bezahlten Posts mehr durchrutschen, die Wähler mit Falschmeldungen über vermeintliche Wahlmanipulationen oder mit verfrühten Siegesbekundungen in die Irre führen.

Vor dem Stichtag geschaltete Werbeanzeigen spielt Facebook zwar immer noch aus, doch inhaltliche Änderungen sind verboten. Der Beitrag darf nicht mehr umgetextet werden, außerdem dürfen keine neuen Videos und Bilder bei bereits genehmigten Anzeigen ausgetauscht werden.

Bei den betroffenen Anzeigen von Joe Biden ging es unter anderem darum, dass Biden nicht vorhabe, die Steuern für US-Haushalte mit einem Einkommen unter 400.000 Dollar im Jahr zu erhöhen. Trumps Kampagne hatte dagegen eine Steuererhöhung von 14 Prozent für den Mittelstand unter Biden prognostiziert. Die Biden-Anzeige ging laut dem Wahlkampfteam nicht online, obwohl sie für vergangenen Montag gebucht worden sei:

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Facebook steht im US-Wahlkampf dieses Jahr enorm unter Druck. Dem sozialen Netzwerk wird immer wieder vorgeworfen, dass die Nutzer beim Erfolg von Donald Trump im Jahr 2016 mit der Verbreitung von Falschmeldungen in die Irre geführt worden seien.

Unter anderem bezahlte Kampagnen aus dem Ausland sollen damals Nutzerinnen und Nutzer beeinflusst haben. Rob Flaherty hält die strengeren Werberegeln allerdings für eine Nebelkerze. Seiner Meinung nach gehen 80 Prozent der Probleme bei Facebook nicht von den bezahlten Beiträgen, sondern von der organischen Reichweite einzelner Posts aus. Dieser Bereich des Netzwerks sei außer Kontrolle geraten im, schrieb er auf Twitter .

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