"Boogaloo"-Bewegung Facebook löscht Hunderte rechte Accounts und Gruppen

Mit einem Werbeboykott prangern zahlreiche Unternehmen an, dass Facebook zu lasch gegen Hass und Hetze vorgeht. Nun hat die Plattform viele Inhalte einer rechten Bewegung entfernt.
Facebook und Konzerntochter Instagram: Rund 320 Konten, mehr als 100 Gruppen und 28 Seiten gelöscht

Facebook und Konzerntochter Instagram: Rund 320 Konten, mehr als 100 Gruppen und 28 Seiten gelöscht

Foto: Christophe Gateau/ dpa

Facebook hat auf seinen Plattformen rund 320 Konten, mehr als 100 Gruppen und 28 Seiten des rechtsextremen "Boogaloo"-Netzwerks aus den USA gesperrt. Die regierungsfeindliche Gruppe werde ab sofort als "gefährliche Organisation" eingestuft und von allen Plattformen verbannt, teilte Facebook  am Dienstag mit.

Bei dem Netzwerk handelt es sich demnach um Gruppen, die sich lose an der rechtsextremen "Boogaloo"-Bewegung anlehnen und mitunter auch deren Namen nutzen. "Es bemüht sich aktiv darum, für Gewalt gegen Zivilpersonen, Sicherheitskräfte, Beamte und Regierungsinstitutionen zu werben", hieß es. (Lesen Sie hier mehr über die Bewegung.)

220 Facebook-Accounts und 95 Konten bei Instagram seien gelöscht worden. 400 weitere Gruppen und 100 Seiten gelöscht worden, die auch gegen Facebooks Richtlinien verstießen und ähnliche Inhalte wie das Netzwerk verbreitet hätten. "Boogaloo"-Inhalte, in denen zu Gewalt aufgerufen werde, würden immer gelöscht, erklärte Facebook.

Der Schritt erfolgt unmittelbar nachdem zahlreiche Konzerne - darunter etwa Coca-Cola, Unilever, Starbucks, Volkswagen und SAP - Facebook für einen zu zögerlichen Umgang mit hasserfüllten und rassistischen Inhalten kritisiert und das Schalten von Anzeigen auf Facebook und Instagram boykottiert hatten.

Facebook verweist auf das Recht der Meinungsfreiheit, hat zuletzt aber angekündigt, mehr gegen Hassbotschaften zu tun. Das Unternehmen erklärte am Dienstag: "So lange es in der physischen Welt nach Gewalt strebende Bewegungen gibt, werden sie auch versuchen, digitale Plattformen auszunutzen."

Auch YouTube, Reddit und Twitch löschen Gruppen und Kanäle

Die Onlineplattform war zuletzt dafür kritisiert worden, dass sie - anders als etwa Twitter - nicht gegen umstrittene Posts mit Falschaussagen von US-Präsident Donald Trump vorgegangen war. Mitte Juni hatte Facebook dann Anzeigen von Trumps Wahlkampfteam gelöscht, weil diese ein in NS-Konzentrationslagern verwendetes Symbol enthielten.

Zudem steht Facebook in den USA auch für den Umgang mit rassistischen Inhalten in der Kritik. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz Ende Mai und die darauffolgenden Proteste haben der Debatte zu Rassismus in den USA deutlich Schwung verliehen.

Am Montag hatte die Onlineplattform Reddit neue Schritte zur Bekämpfung von Hassbotschaften und Gewaltverherrlichung bekannt gegeben und dabei auch eine bei vielen Trump-Unterstützern beliebte Gruppe ("The_Donald") geschlossen. Zunächst wurden rund 2000 Gruppen gesperrt. Auch die Streamingplattform Twitch sperrte einen Account von Trumps Wahlkampfteam vorübergehend. Auch YouTube, Tochterunternehmen des Google-Konzerns, hatte jüngst sechs der bekanntesten rassistischen und rechtsextremen US-Kanäle gelöscht.

fek/dpa
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