Nach Druck der EU Facebook löscht Hunderttausende extremistische Beiträge

Zuletzt hat Facebook 1,9 Millionen Beiträge mit extremistischen Inhalten gelöscht oder markiert. Zudem veröffentlichte der Konzern seine Definition von Terrorismus. Auch YouTube gab Zahlen zu gelöschten Inhalten bekannt.
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Foto: Dado Ruvic/ REUTERS

Das US-Unternehmen Facebook hat eigenen Angaben zufolge in den ersten drei Monaten des Jahres 1,9 Millionen extremistische Beiträge auf der Plattform gelöscht oder mit einem Warnhinweis versehen, die in Verbindung mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) oder al-Qaida stehen. Das teilte der Konzern auf seinem Blog  mit.

Die Menge der entfernten oder markierten Beiträge habe sich im Vergleich zum Quartal davor verdoppelt, heißt es in der Mitteilung. Demnach wurde der Großteil der 1,9 Millionen Beiträge mit extremistischen Inhalten tatsächlich gelöscht und nur ein kleinerer Teil mit Warnhinweisen versehen.

Die Europäische Union hatte den Druck auf Facebook und seine Wettbewerber in der Tech-Industrie erhöht, schneller extremistische Inhalte zu entfernen oder sich mit der Gesetzgebung zu befassen, die sie dazu zwinge.

"Wir haben nicht die Illusion, dass die Arbeit erledigt ist oder unser bisheriger Fortschritt ausreicht", schreibt Facebook nun in dem Blogeintrag. "Terrorgruppen versuchen immer wieder, unsere Systeme zu umgehen, deshalb müssen wir uns konstant verbessern." Regelmäßig werde Material gefunden, dass die automatisierte Software nicht erkenne. Aus diesem Grund würden stetig neue Methoden eingesetzt.

Facebook definiert erstmals "Terrorismus"

Das größte soziale Netzwerk der Welt veröffentlichte zudem eine Definition des Wortes "Terrorismus". Auf diese Weise will der Konzern interne Vorgänge des Unternehmens transparenter machen. Bisher war nicht bekannt, wie Facebook "Terrorismus" definiert.

Nun teilte das Unternehmen mit, Terrorismus sei "jede Nichtregierungsorganisation, die vorsätzliche Gewalttaten gegen Personen oder Eigentum betreibt, um Zivilbevölkerung, die Regierung, oder internationale Organisationen einzuschüchtern, um ein politisches, religiöses oder ideologisches Ziel zu verfolgen." Darunter fielen unterschiedliche Gruppen, wie religiöse Extremisten, weiße Rassisten und militante Umweltschützer. Es gehe darum, ob eine Gruppe Gewalt anwende, um ihr Vorhaben durchzusetzen.

Mehr als 8,2 Millionen gelöschte YouTube-Videos

Praktisch zeitgleich mit Facebook veröffentlichte auch YouTube neue Zahlen zu gelöschten Videos. In einem Blogpost  und einem Bericht des Unternehmens  heißt es, zwischen Oktober und Dezember 2017 habe YouTube mehr als 8,2 Millionen Videos entfernt, weil sie gegen die eigenen Richtlinien verstießen. Mehrheitlich seien es Spam-Videos oder Pornos gewesen. 6,7 Millionen der acht Millionen seien zuerst von YouTubes Software markiert worden statt von Menschen, und wiederum 76 Prozent davon wurden gelöscht, bevor sie nur ein einziger Nutzer zu sehen bekommen habe. Im Fall von extremistischen Videos seien es zuletzt sogar 98 Prozent gewesen, die zuerst von Algorithmen erkannt wurden.

Außerdem gab YouTube bekannt, dass Nutzer zwischen Oktober und Dezember rund 490.000 Videos gemeldet haben, weil sie Terrorpropaganda oder andere extremistische Inhalte zeigten. Nicht alle davon seien gelöscht worden.

cop/pbe/Reuters
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