Kirchenkritik Facebook löscht Beiträge von Domian

Der Radiomoderator Jürgen Domian hat sich auf Facebook kritisch zur katholischen Kirche geäußert. Plötzlich sind diese Beiträge verschwunden. Der Journalist schimpft, seine Fans sind empört. Facebook entschuldigt sich - die Texte sind aber nicht wiederherzustellen.
Domians Facebook-Auftritt: "Mit Meinungsfreiheit hat das rein gar nichts mehr zu tun"

Domians Facebook-Auftritt: "Mit Meinungsfreiheit hat das rein gar nichts mehr zu tun"

Jürgen Domian ist wütend: "Ihr Lieben, ich bin äußerst verärgert und fassungslos: Facebook hat meine Beiträge und ebenso eure Kommentare gelöscht", schreibt der Radio-Talkmaster auf seiner Facebook-Seite . Es habe sich dabei um kritische Beiträge zur katholischen Kirche gehandelt, insbesondere ein Kommentar zum Auftritt des konservativen Katholiken Martin Lohmann bei Günther Jauch. Ein vielbeachteter Text: Mehr als eine Million Menschen hätten ihn gelesen, schreibt Domian in seinem Posting.

Auch ein Kommentar zum neuen Papst entspreche offenbar nicht den Richtlinien des sozialen Netzwerks, und Domians Beiträge zur Homo-Ehe seien ebenfalls gelöscht worden. "Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun. Die Texte hätten als Kommentar in jeder öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt über den Sender gehen können, hätten in jeder Zeitung stehen können", wettert der Journalist.

Facebook bittet um Entschuldigung

Einige seiner fast 66.000 Facebook-Fans sehen das ähnlich, mancher wittert gar eine Verschwörung: "Ist Facebook Big Brother? Sind wir 1984?" fragt einer, "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten", ätzt ein anderer. Von Zensur ist in der Kommentarspalte die Rede, von Katholisch-Kongo und Massenverdummung. Eine Nutzerin schreibt schließlich resigniert: "Lieber Domian....machen wir uns doch nichts vor.....wir werden nur noch gegängelt und sind Spielball der Politik und Banken geworden. Und da der Vatikan einen immensen Reichtum besitzt, spielt der natürlich auch mit".

Gegen solche Unterstellungen hat sich Facebook prompt gewehrt. Bei der Löschung handele sich um ein Versehen, schreibt Pressesprecherin Tina Kulow in einem Posting zum Thema  auf ihrer eigenen Seite: Das zuständige Facebook-Team müsse pro Woche Hunderttausende von Meldungen zu Inhalten ansehen. Dabei gehe es darum, Menschen vor "Missbrauch, Hassreden und Mobbing zu schützen und es ist bedauernswert, dass gelegentlich Fehler gemacht werden", schreibt Kulow. Das aber sei es in diesem Fall: nur ein Fehler. Man bitte Domian um Entschuldigung.

Wiederhergestellt werden die Beiträge nicht

"Wir glauben fest daran, dass Facebook-Nutzer die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu äußern", heißt es weiter, "und dass wir in der Regel diese Inhalte, Gruppen oder Seiten, die sich gegen Länder, Religionen, politische Organisationen oder Ideen richten, nicht entfernen." Die strittigen, angeblich versehentlich gelöschten Postings wiederherzustellen, sei allerdings "nicht möglich", erklärte Kulow auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE.

Viele Facebook-Nutzer bleiben trotz der Stellungnahme skeptisch. Es sei doch verwunderlich, kommentiert ein Nutzer, "dass diverse Neonazi-Gruppen hier ihre Meinungsfreiheit trotz tausendfacher Meldung ihrer Seiten und Beiträge ausleben dürfen und dann kritische Beiträge zum Thema Homo-Ehe, katholische Kirche gelöscht werden". Dieser Einwand gefällt bisher 16 weiteren Nutzern.

juh