Facebook-Manager Allan über Datenschutz "Wir arbeiten daran"

Facebook vereinfacht die Datenschutzeinstellungen, aber die Standard-Vorgaben machen weiterhin mehr öffentlich, als mancher Nutzer glaubt. Facebook-Manager Richard Allan verteidigt die Offenherzigkeit als "nützlich" und erklärt, warum er sein eigenes Profil abschottet.
Facebook-Manager Richard Allan: "Wir prüfen das"

Facebook-Manager Richard Allan: "Wir prüfen das"

Foto: Facebook

SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrem Facebook-Profil verstecken Sie Ihre Freundesliste vor allen Nutzern, mit denen Sie nicht befreundet sind. Was fürchten Sie?

Allan: Ich nutze Facebook im "Nur für Freunde"-Modus. Viele Menschen wählen eine andere Art. Wir haben es mit den überarbeiteten Kontrollmöglichkeiten nun einfacher gemacht, den Modus zu wählen, in dem man das Angebot nutzen möchte.

SPIEGEL ONLINE: Facebook gibt als Standardeinstellung vor, dass die Freundesliste öffentlich ist. Sind Sie ein untypischer Nutzer?

Allan: Bei mehr als 400 Millionen Mitgliedern gibt es sicher ganz unterschiedliche Nutzungsarten. Wir haben in den vergangenen Wochen viele Rückmeldungen zu unseren Standardeinstellungen bekommen, insbesondere von Menschen, die Facebook etwas privater nutzen wollen. Die von uns empfohlenen Standardeinstellungen sollen die korrekte Balance zwischen Privatsphäre und sozialer Nutzbarkeit spiegeln. Deshalb sind einige Informationen nur für Freunde zu sehen, wie zum Beispiel Kontaktdetails. Andere Details sind öffentlich, weil sie es Nutzern ermöglichen, Menschen mit einem ähnlichen Hintergrund oder ähnlichen Interessen zu finden.

SPIEGEL ONLINE: Auf welcher Basis entscheidet Facebook, was nun standardmäßig öffentlich ist und was nicht?

Allan: Die Nützlichkeit für Nutzer steht im Mittelpunkt. Facebook ist sozial, viele Menschen suchen Gleichgesinnte, die dieselbe Band oder denselben Film gut finden, die an derselben Universität waren. Weil das so ist, empfehlen wir, diese Informationen zu veröffentlichen. Wer mehr oder weniger Öffentlichkeit will, kann das sehr einfach einstellen.

SPIEGEL ONLINE: Eine Standardeinstellung bei Facebook erlaubt es Programmen von Drittanbietern, auf persönliche Daten zuzugreifen, auch wenn man diese Erweiterung gar nicht installiert hat, zum Beispiel Profilbild, Geschlecht, Nutzerkennnummer und alle sonstigen Informationen, die womöglich nur für Freunde zugänglich sind. Warum ist so eine Einstellung der Standard?

Allan: Anwendungen sind sozial, ein gewisser Vernetzungsgrad ist der Kern vieler Anwendungen. Wir haben auch das überarbeitet. Wenn Freunde Anwendungen hinzufügen, können sie nur auf öffentlich zugängliche Informationen der Freunde zugreifen. Bei allem, was darüber hinausgeht, müssen die Anwendungen nun explizit um Erlaubnis fragen.

SPIEGEL ONLINE: Die Anwendungen fragen nicht mich, sondern meine Freunde.

Allan: Ja. Wenn Sie eine Anwendung installieren und die Informationen Ihrer Freunde abruft, die nicht öffentlich zugänglich sind, müssen Sie diese Nutzung ausdrücklich erlauben.

SPIEGEL ONLINE: Das ist ungewöhnlich. Ich habe einige Bekannte gefragt, ob sie wissen, dass diese Art der Datenweitergabe durch Dritte die Standardeinstellung bei Facebook ist. Niemand wusste das. Wenn niemand damit rechnet, wie kann das die Standardeinstellung sein?

Allan: Wir haben diese Option nun sehr viel prominenter in den Einstellungen platziert. Unser Ziel ist, dass Nutzer, die das nicht wollen, es sehr einfach und schnell deaktivieren können.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Dritte ein Foto von mir hochladen und mit meinem Profil verknüpfen, kann ich das bei Facebook nur nachträglich abstellen. Bei MySpace kann man diese Verknüpfungen als Betroffener vorab prüfen. Warum?

Allan: Ja, man kann die Verknüpfung nachträglich entfernen.

SPIEGEL ONLINE: Also muss ich aktiv sein, um meine Privatsphäre zu schützen.

Allan: Wenn jemand ein Foto hochlädt, hat derjenige die Kontrolle, der das macht. Wir gehen davon aus, dass die Menschen das verantwortlich nutzen. Sie könnten die Fotos auch bei Hunderten anderen Seiten einstellen, die niemanden darüber benachrichtigen.

SPIEGEL ONLINE: Facebook fordert Nutzer auf, ihre E-Mail-Adressbücher hochzuladen, um Kontakte zu finden. Die E-Mail-Adressen werden gespeichert und zum Finden von Verknüpfungen genutzt. Wie kann das ohne Zustimmung der Betroffenen passieren?

Allan: Das ist im Grunde genommen dasselbe wie beim iPhone, wenn Sie Ihr Adressebuch aus einem anderen Dienst laden, um Menschen anrufen zu können. Es ist ein Mechanismus, um Ihre Kontaktdatenbank so zu nutzen, dass andere Dienste besser funktionieren. Das ist branchenüblich, wir machen da nichts Außergewöhnliches. Der Nutzer entscheidet, ob er Freundschaftsanfragen an Kontakte aus seinem Adressbuch sendet. Der Nutzer kann diese Daten auch jederzeit löschen. Wer solche Anfragen erhält, kann sie ignorieren und seine Adresse aus der Datenbank löschen - jeder Betroffene hat hier Kontrolle über das Verfahren und die Daten.

SPIEGEL ONLINE: Wie nutzt Facebook die hochgeladenen Adressbücher?

Allan: Um verschiedenen Mitgliedern Freunde vorzuschlagen, wenn die Adressbücher eine Verbindung signalisieren. Die Daten werden auch genutzt, um Sie darauf hinzuweisen, wenn sich Menschen bei Facebook angemeldet haben, die Sie kennen könnten. Viele Nutzer schätzen diesen Dienst sehr, um Freunde bei Facebook zu finden, mit denen sie schon in Kontakt sind.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Menschen, die haben nicht nur Freunde in Ihrem Adressbuch.

Allan: Stimmt. Aber da muss jeder selbst entscheiden, ob er sein Adressbuch hochlädt oder nicht. Es ist sehr einfach, ein Adressbuch zu löschen.

SPIEGEL ONLINE: Ohne Zustimmung die Daten Dritter aus Adressbüchern zu nutzen, ist kaum mit deutschem Datenschutzrecht zu vereinbaren.

Allan: Wir prüfen das. Es wäre aber seltsam, dass ein Nutzer sein eigenes Adressbuch erst in anderen Diensten nutzen kann, wenn er von jedem Kontakt die Zustimmung eingeholt hat.

SPIEGEL ONLINE: Facebook betont nun, dass es viel einfacher ist, die Datenschutzeinstellungen zu ändern. Aber es ist nicht einfacher zu verstehen, was Facebook überhaupt mit den Daten macht. Facebooks deutsche Datenschutzerklärung ist mehr als 6000 Worte lang. Google braucht etwas mehr als 2000. Ist Facebook so viel komplizierter?

Allan: Wir sind angehalten, dieses Dokument so transparent wie möglich zu gestalten. Regulierungsstellen weisen uns auf Details hin, die ausführlicher dargestellt werden müssen. Wir folgen dem. Wenn Sie sich das Dokument ansehen, stellen Sie aber fest, dass wir die wichtigsten Details nach oben stellen. Wir arbeiten daran.

Die Fragen stellte Konrad Lischka

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