Facebook-Chef Mark Zuckerberg ärgert sich über Apple

Facebook ist da, um anderen »Unternehmen zu helfen«, Apple geht es nur ums Geld verdienen – so sieht die Welt des Gründers des sozialen Netzwerks aus. An den neuen Datenschutzrichtlinien des iPhone-Herstellers lässt er kein gutes Haar.
Facebook-CEO Mark Zuckerberg (Archivbild)

Facebook-CEO Mark Zuckerberg (Archivbild)

Foto: Justin Sullivan/ Getty Images

Facebook ist in der Corona-Pandemie bisher ungebremst gewachsen. Doch das Unternehmen stellt sich auf Gegenwind aus zwei Richtungen ein: von Apple und aus der EU. Mit seinem Plan, Nutzerinnen und Nutzern seiner Produkte mehr Kontrolle über ihre Privatsphäre zu geben, bereitet der iPhone-Hersteller dem Wettbewerber Facebook schon seit Monaten Sorgen. Jetzt attackierte Facebook-Chef Mark Zuckerberg Apple so scharf wie nie zuvor. Und in der Europäischen Union sieht Facebook die rechtliche Lage rund um den Transfer von Daten in die USA als Unsicherheitsfaktor.

Mit einem Update für seine Betriebssysteme iOS und iPadOS will Apple Nutzern in den kommenden Monaten neue Möglichkeiten geben, die Datensammlung auf iPhones und iPads einzuschränken. Sie werden leichter verhindern können, dass Apps und Werbedienste Informationen über ihr Verhalten über die Grenzen einzelner Anwendungen und Websites hinweg sammeln. Apples Plan ist, dass jede App die Nutzer für den Zugriff um Erlaubnis bitten muss.

Facebook befürchtet, dass die Personalisierung der Werbung durch das geringere Wissen über die Menschen ungenauer wird. Dabei ist das Versprechen an die Werbekunden, präzise die gewünschte Zielgruppe zu treffen, ein Eckpfeiler von Facebooks Geschäftsmodell.

»Einer unserer größten Konkurrenten«

Zuckerberg und Facebook hatten schon in den vergangenen Monaten kritisiert, schlechter personalisierte Werbung würde vor allem kleinen und mittleren Unternehmen schaden. Dabei seien gerade sie in der Coronakrise auf das Onlinenetzwerk als Plattform für ihre Geschäfte angewiesen. Facebook sammle Daten aus verschiedenen Quellen, »um kleinen Unternehmen zu helfen, ihre Kunden effizienter zu erreichen«, sagte Zuckerberg. Damit könne Apples Vorgehen die gesamte Wirtschaft bremsen, lautet der Vorwurf.

Doch der Facebook-Chef wurde bei seiner Kritik noch deutlicher. »Apple mag behaupten, dass sie es tun, um den Leuten zu helfen – aber ihre Schritte folgen klar ihren Wettbewerbsinteressen«, sagte Zuckerberg in einer Telefonkonferenz mit Analysten nach Vorlage aktueller Quartalszahlen. »Ich möchte betonen, dass wir Apple verstärkt als einen unserer größten Konkurrenten sehen.«

Scharfe Kritik an Apples iMessage

Speziell schoss sich Zuckerberg auf Apples Chatdienst iMessage – in Deutschland heißt er »Nachrichten« – ein, der mit Facebooks Angeboten WhatsApp und Messenger konkurriert. Der Apple-Service sei auf allen iPhones vorinstalliert und werde dort bevorzugt, kritisierte er. Zudem griff er Apples Haltung beim Datenschutz an. Chat-Inhalte in WhatsApp seien dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung grundsätzlich nur für die Beteiligten im Klartext verfügbar, betonte der Facebook-Chef.

Apple aber speichere standardmäßig iMessage-Backups ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf seinen Servern, wenn man den iCloud-Dienst nicht ausschalte. »Apple und Regierungen haben die Möglichkeit, sich Zugang zu Nachrichten der meisten Leute zu verschaffen«, sagte Zuckerberg.

WhatsApp hatte jüngst mitansehen müssen, wie die Konkurrenz-Apps Telegram, Signal und Threema große Zuwächse verzeichneten , nachdem WhatsApp neue Datenschutz-Regeln veröffentlicht hatte. Offenbar hatte das die Befürchtung ausgelöst, dass mehr Daten mit Facebook geteilt werden sollen. Facebook betont aber, dass die Änderungen nur für die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden auf WhatsApp gelten sollen.

Zuckerberg versuchte jetzt erneut, »Verwirrung auszuräumen«: »Dieses Update verändert nicht den Datenschutz in Chats mit Freunden und Familie«, sagte er. »Alle diese Nachrichten haben Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, was bedeutet, dass wir nicht sehen oder hören können, was gesagt wird. Und wir werden es auch nie tun.«

Steigende Gewinne und Nutzerzahlen

Im vergangenen Quartal war noch kein Gegenwind im Facebook-Geschäft zu spüren. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um ein Drittel auf knapp 28,1 Milliarden Dollar. Beim Gewinn gab es einen Sprung von 53 Prozent auf gut 11,2 Milliarden Dollar, wie Facebook nach US-Börsenschluss am Mittwoch mitteilte.

Auch die Nutzerzahl stieg erneut. 2,8 Milliarden Nutzer kamen mindestens einmal pro Monat zu Facebook – 60 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Täglich waren es 1,84 Milliarden nach 1,82 Milliarden im Schlussquartal des Vorjahres. Insgesamt griffen 3,3 Milliarden Nutzer monatlich auf mindestens eine App des Facebook-Konzerns wie etwa Instagram und WhatsApp zu.

Auffällig war zugleich, dass die Zahl täglich aktiver Nutzer in den USA und Kanada im zweiten Vierteljahr in Folge zurückging. Nach 198 Millionen im zweiten Quartal 2020 waren es zuletzt 195 Millionen. Dabei ist die Region mit durchschnittlich über 53 Dollar Umsatz pro Nutzer besonders lukrativ für Facebook. In Europa waren es zuletzt im Schnitt knapp 17 Dollar pro Nutzer.

Warnung vor einer unsicheren Zukunft

Facebook sprach zugleich von »bedeutenden Unwägbarkeiten« in der Zukunft. In der Pandemie habe man vom allgemeinen Schub des Onlinegeschäfts profitiert. Sollte sich dieser Trend jedoch umkehren, werde das auch das Wachstum von Facebooks Werbeerlösen bremsen. Zudem warnte das Onlinenetzwerk bereits, dass es angesichts des rasanten Wachstums in der zweiten Jahreshälfte 2020 im laufenden Jahr absehbar geringere Zuwächse geben werde.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei die Situation rund um die Datenübermittlung aus der Europäischen Union. Der Europäische Gerichtshof hatte im vergangenen Sommer auch die neue Datenschutzvereinbarung »Privacy Shield« gekippt.

mak/dpa