Wegen Dominanz des Online-Netzwerks Mitgründer fordert Zerschlagung von Facebook

Durch die Übernahmen von Instagram und WhatsApp sei Facebook zu dominant, meint dessen Mitgründer Chris Hughes. Er fordert, dass die "unkontrollierte Macht" von Firmenchef Zuckerberg schnell begrenzt wird.
Chris Hughes im Jahr 2010

Chris Hughes im Jahr 2010

Foto: Adam Hunger/ REUTERS

Ein prominenter Ex-Mitarbeiter von Facebook, Chris Hughes, hat sich Forderungen nach einer Zerschlagung des Unternehmens angeschlossen - mit Sätzen wie "Mark Zuckerberg kann Facebook nicht reparieren, aber unsere Regierung schon". Der Konzern müsse gezwungen werden, die Fotoplattform Instagram und den Chatdienst WhatsApp wieder abzustoßen, schreibt Hughes in einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag in der "New York Times" .

Chris Hughes zählte zum fünfköpfigen Gründungsteam des Unternehmens und hat dort von 2004 bis 2007 gearbeitet. Dabei hat er den Newsfeed mitentwickelt. In einem LinkedIn-Beitrag  verriet Hughes einmal, er habe durch diese drei Jahre eine halbe Milliarde Dollar verdient. Zuletzt persönlich getroffen habe er Mark Zuckerberg im Jahr 2017, schreibt Hughes in seinem Text.

Facebook habe sich dank der Übernahmen von Instagram und WhatsApp eine Monopol-Position gesichert, argumentiert Hughes nun. "Selbst wenn Leute sich von Facebook abmelden wollen, haben sie keine wirkliche Alternative." Außerdem schreibt er, er habe von mehr als nur einem Freund Sätze gehört wie "Ich verabschiede mich komplett von Facebook - Gott sei Dank gibt es Instagram." Viele Nutzer würden nicht einmal wissen, dass Instagram zu Facebook gehört.

Facebook hatte das Foto-Netzwerk im Jahr 2012 für rund eine Milliarde Dollar gekauft, 2014 übernahm Facebook dann noch WhatsApp für etwa 22 Milliarden Dollar. Es sei ein Fehler der US-Wettbewerbsaufsicht FTC gewesen, diese Deals zu erlauben, so Hughes. Denn die Dominanz von Facebook verhindere neuen Wettbewerb in der Branche.

Cambridge Analytica als Weckruf

Die Marktmacht der Internetunternehmen wurde zuletzt verstärkt zu einem Thema in der US-Politik. So hat sich die demokratische Senatorin Elizabeth Warren die Zerschlagung großer Tech-Konzerne bei ihrer Bewerbung um die Präsidentschaft im Jahr 2020 auf die Fahnen geschrieben .

Für ihn persönlich seien der Missbrauch der Facebook-Plattform für politische Einflussnahme aus Russland im Zuge des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 und der Datenskandal um Cambridge Analytica der Weckruf gewesen, schreibt Hughes.

Mitgründer und Chef Mark Zuckerberg sei ein guter Mensch, aber habe durch seine Aktien mit zusätzlichen Stimmrechten "unkontrollierte Macht", die beispiellos sei, warnt Hughes. "Mark kann allein entscheiden, wie Facebook-Algorithmen konfiguriert werden, um zu bestimmen, was Menschen in ihren Newsfeeds sehen, welche Datenschutz-Einstellungen sie nutzen können und sogar welche Mitteilungen zugestellt werden."

Mark Zuckerberg hatte jüngst angekündigt, Facebook stärker auf private und verschlüsselte Kommunikation auszurichten, die auch Mitarbeiter des Online-Netzwerks nicht mitlesen könnten. Dafür soll auch eine gemeinsame technische Infrastruktur für WhatsApp, Facebooks zweiten Chat-Dienst Messenger und die Mitteilungsfunktion von Instagram geschaffen werden.

Hughes schließt sich auch der zuletzt häufiger geäußerten Sorge von Facebook-Kritikern an, dass dies eine Zerschlagung erschweren würde. Es sei daher wichtig, schnell zu handeln, so Hughes.

mbö/dpa
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