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05. Juni 2012, 11:13 Uhr

Jugend im Netz

So werden Kinder fit für Facebook

Hilfe, das Kind ist bei Facebook? Düstere Warnungen sind in Deutschland oft das Erfolgsrezept für Erziehungsratgeber mit Medienthemen. Ein Bestseller wird "Mein Kind ist bei Facebook" also vielleicht nicht: Das Buch setzt auf Pragmatismus statt Panik. Gut so.

Eigentlich ist Facebook für das Teenalter aufwärts gedacht. In der Realität tummeln sich aber Millionen Kids im Netzwerk, die unter 13 Jahre alt sind und dort eigentlich nichts verloren haben. Kein Grund zur Panik, das ist die Botschaft des Ratgebers "Mein Kind ist bei Facebook" von Thomas Pfeiffer und Jöran Muuß-Merholz.

Verkaufsstrategisch gedacht ist es vielleicht nicht die geschickteste Veröffentlichung zum Thema Facebook. Die Quassel- und Vernetzungsplattform weckt öffentliche Aufmerksamkeit ja eigentlich nur dann, wenn sie Katastrophen produziert: Wenn Teenies sich dort gegenseitig in die psychische Krise mobben, ihre Berufsaussichten mit der Veröffentlichung ihrer pubertären Partyspielchen oder "Schau mal, ich bin ein Luder!"-Fotos ruinieren oder mit unbedachten Partyeinladungen Hundertschaften mobilisieren, die dann das eine oder andere Elternhaus zerlegen.

Kurzum: Gern genommen und gekauft werden immer wieder Werke, die soziale Netzwerke als Gefahr für den Nachwuchs und überhaupt das christliche Abendland thematisieren. Das Problem ist nur, dass diese vermeidliche Gefahr im Leben von Heranwachsenden inzwischen etwa so selbstverständlich ist wie das Telefon, tägliche Mahlzeiten oder ein Dach über dem Kopf.

Facebook ist für viele Kinder so etwas wie das virtuelle Dach, unter dem sie sich treffen und kommunizieren. Die Einschränkung des Zugangs oder gar ein Verbot kann darum sogar den gegenteiligen Effekt haben, den manch strenges Elternteil im Sinn haben mag: Man kann Jugendliche damit regelrecht sozial isolieren. Denn die Vernetzung innerhalb der Peergroup läuft heute ab einem gewissen Alter vor allem über soziale Netzwerke.

Es gibt also gute Gründe, pragmatisch mit dem Thema umzugehen. Wenn sich eine potentielle Gefahr für Kinder nicht verhindern lässt, muss man sie eben fit dafür machen, mit dieser Gefahr umzugehen. Das ist Sinn und Zweck des Buches, und zwar über den Umweg der Eltern: Die gewinnen Medienkompetenz und können sich so auch zu fachkundigen Ansprechpartnern für ihre Kinder machen. Das ist gut, denn woran es oft vor allem fehlt, wenn Facebook und Co. in einer Familie zum Problem werden, ist Verständnis - füreinander, aber vor allem in der Sache.

Rüstzeug für eine konstruktive Nutzung

Aber es geht nicht vornehmlich um Krisenprävention. Es geht darum, die Kompetenz aufzubauen, die positiven Möglichkeiten des Netzwerks zu entdecken und die negativen vermeiden zu lernen. Die beiden Autoren - Pädagogen sind beide, Pfeiffer zudem Web- und Applikationsentwickler - entdecken bei Facebook durchaus zahlreiche positive Möglichkeiten der Vernetzung und Kommunikation.

Insofern ist "Mein Kind ist bei Facebook" zum einen eine Entwarnung, zum anderen ein Handbuch zur medialen Ertüchtigung und Sensibilisierung für die haarigen Dinge im Netzwerk. Weil es bei Addison-Wesley/Pearson erscheint und nicht bei einem Verlag für pädagogische Ratgeber, ist das Buch ausführlich und kleinteilig: Das geht bis hin zu detaillierten Anleitungen über sachgerechte Konten- und Profil-Anlage. Das ist nicht immer unterhaltsam, aber nötig.

Unglücklich für die Autoren ist das Timing. Das Buch erscheint am 15. Juni und nun kursieren Gerüchte aus "informierter Quelle": Facebook plane, neue Funktionen einzuführen, mit denen Eltern die Accounts ihrer jüngeren Kinder quasi huckepack an ihre eigenen Konten koppeln könnten. Auf der Webseite zum Buch, sagt Autor Thomas Pfeiffer auf Anfrage, man werde solche neuen Aspekte schnellstmöglich nachliefern, wenn sie sich bewahrheiten sollten. Dort werden auch noch einige Spezialthemen zu finden sein, die den Rahmen des Buches gesprengt hätten.

Thomas Pfeiffer, Jöran Muuß-Merholz: Mein Kind ist bei Facebook. Addison-Wesley/Pearson, 208 Seiten, 19,80 Euro. Ab 15. Juni im Handel.

pat

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