Brief an Mark Zuckerberg Facebook soll seine Löschpolitik offenlegen

Facebook steht wegen seiner Löschpolitik in der Kritik - jetzt fordern 70 Menschenrechtsgruppen Transparenz über das Vorgehen der Plattform. In einem Brief appellieren sie an Mark Zuckerbergs moralische Verantwortung.

Mark Zuckerberg
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Mehr als 70 US-Menschenrechtsgruppen haben an Facebook appelliert, die Praktiken des Unternehmens bei der Löschung von Inhalten offen zu legen, insbesondere bei Anfragen durch Behörden. Die Organisationen werfen dem sozialen Netzwerk vor, mehrfach Beiträgen zensiert zu haben, die Menschenrechtsverletzungen dokumentierten.

In einem Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg kritisieren die Organisationen, dass in den vergangenen Monaten Inhalte gelöscht wurden, in denen Fälle von Polizeigewalt gezeigt wurden. Außerdem wurden die Löschung eines berühmten Fotos aus dem Vietnamkrieg und die zeitweilige Schließung der Nutzerkonten von zwei palästinensischen Journalisten bemängelt.

"Auf Facebook werden Nachrichten nicht nur geteilt, sondern auch veröffentlicht", heißt es in dem Schreiben. Zu den Unterzeichnern gehören neben der amerikanischen Menschenrechtsbewegung ACLU Organisationen wie Sierra Club, das Center for Media Justice und die Bewegung SumOfUs.

Unterzeichner sehen moralische Verpflichtung

"Wenn die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft Facebook nutzen, um ungerechte Behandlungen zu dokumentieren, ist Facebook moralisch verpflichtet, diese Veröffentlichungen zu schützen", heißt es weiter.

Die Gruppen beschuldigen Facebook, Inhalte zu zensieren, die Polizeigewalt dokumentieren würden. Dies würde zu gefährlichen Präzedenzfällen führen. Benachteiligte Gruppen würden verletzt und zum Schweigen gebracht, heißt es weiter. Besonders Minderheiten wie die Afroamerikaner seien betroffen.

Als Beispiel wurde die Löschung des Accounts einer schwarzen Frau angeführt. Die Bewaffnete wurde im August in Maryland von einem Polizisten erschossen. Facebook hat Medienberichten zufolge nach einer entsprechenden Anfrage der Polizei von Baltimore den Account der Frau deaktiviert.

Öffentliche Plattform gefordert

Die Menschenrechtsgruppen verlangen in ihrem Schreiben von Facebook, dass es seine Richtlinien für das Löschen von Inhalten für die Öffentlichkeit zugänglich macht, besonders bei Liveübertragungen und journalistischem Material.

Zudem fordern sie eine öffentliche Plattform, auf der Nutzer gegen das Löschen von Inhalten Einspruch erheben können. Weiter solle Facebook eine externe Untersuchung seiner Praktiken zu Zensur und der Weitergabe von Daten zulassen. Informationen von Nutzern sollten ohne entsprechende Beschlüsse zudem nicht an Regierungsbehörden weitergegeben werden.

Im September hatte Facebook nach heftiger Kritik einen Zeitungsbericht mit einem berühmten Foto aus dem Vietnamkrieg wieder online gestellt. Obwohl auf dem Bild ein unbekleidetes Kind zu sehen sei, erkenne das Online-Netzwerk die historische Bedeutung des Fotos an, hieß es. Das Bild zeigt die neunjährige Kim Phuc 1972 nach einem Napalm-Angriff auf ihr Dorf in Vietnam.

Facebook hatte nach dem Vorfall angekündigt, seine Richtlinien für Löschungen zu überarbeiten. Künftig soll bei der Entscheidung der Nachrichtenwert der Inhalte stärker gewichtet werden.

brt/Reuters



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