Facebook-Datenskandal US-Senatoren grillen Mark Zuckerberg

Kein angenehmer Termin für den Facebook-Chef: Mark Zuckerberg muss zum Datenskandal vor dem US-Senat aussagen. Er zeigt sich reumütig - denn für den Konzern steht viel auf dem Spiel.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei seiner Anhörung vor dem US-Senat

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei seiner Anhörung vor dem US-Senat

Foto: JIM WATSON / AFP

Im US-Kongress hat eine zweitägige Befragung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg zum Skandal um gigantischen Datenmissbrauch begonnen. Zuckerberg hat erstmals signalisiert, dass das weltgrößte Online-Netzwerk eine Bezahl-Variante ohne Werbung bekommen könnte. "Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben", sagte er und deutete mit dieser Wortwahl Alternativen an.

Er enthüllte zudem, dass Facebook-Mitarbeiter vom Sonderermittler Robert Mueller befragt wurden, der eine mögliche russische Einmischung in den US-Wahlkampf untersucht. Er selbst sei nicht darunter gewesen.

Zuckerberg bekannte sich in der Anhörung, die insgesamt fünf Stunden dauerte, zu seiner persönlichen Verantwortung für die unerlaubte Verwendung von Nutzerdaten. Seine größte Priorität sei nach wie vor, die Menschen zu vernetzen - und das werde immer wichtiger sein als die Interessen der Werbekunden, "solange ich Facebook führe", sagte Zuckerberg. "Ich habe Facebook gestartet, ich leite es, und ich bin verantwortlich für das, was hier passiert", sagte er in einem etwa fünfminütigen Eingangsstatement. Seine vorbereitete Stellungnahme war bereits am Montag vom Kongressverbreitet worden.

Danach begann die Befragung - die Zuckerberg teilweise in die Rolle eines Schuljungen zwang.

Senator Dick Durbin: "Herr Zuckerberg, würden Sie uns gern verraten, wie das Hotel heißt, in dem Sie letzte Nacht übernachtet haben?"

Mark Zuckerberg, nach einer Pause: "Äh... nein."

Durbin: "Wenn Sie diese Woche eine Nachricht an jemanden geschickt haben - würden Sie uns die Namen der Personen mitteilen?"

Zuckerberg: "Senator, nein, ich würde das hier eher nicht öffentlich machen wollen."

Durbin: "Ich glaube, das ist, warum es hier letztlich geht. Ihr Recht auf Privatsphäre. Die Grenzen Ihres Rechts auf Privatsphäre, und wie viel Sie im modernen Amerika davon aufgeben im Namen des Mottos 'Menschen auf der ganzen Welt verbinden'."

Nicht genug gegen Datenmissbrauch getan

Zuckerberg hatte schon zuvor zugegeben, Facebook habe einen "großen Fehler" begangen, indem es seine Verantwortlichkeiten nicht breit genug definiert habe: "Es war mein Fehler, und es tut mir leid."

Sein Unternehmen habe nicht genügend gegen den Datenmissbrauch der von ihm bereitgestellten Instrumente zur Online-Vernetzung getan. Dies gelte für die Verbreitung von Falschnachrichten und Hassrhetorik, ausländische Einmischungen in Wahlen und den Zugriff auf Nutzerdaten.

Er betonte jedoch, dass sein Unternehmen inzwischen hart daran arbeite, die Privatinformationen seiner weltweit zwei Milliarden Nutzer künftig besser zu schützen: "Es wird einige Zeit brauchen, um all die Veränderungen abzuarbeiten, die wir vornehmen müssen. Aber ich bin dem Ziel verpflichtet, es hinzubekommen".

Zuckerberg kündigte während der Anhörung an, alle Apps zu untersuchen, die Zugriff auf zahlreiche Facebook-Nutzerinformationen haben. Letztlich sei es auch möglich, Apps von der Plattform zu verbannen.

Auf die Nachfrage des Vorsitzenden des Justizausschusses, Chuck Grassley, welche Daten genau und in welcher Menge von Cambridge Analytica abgegriffen wurden, wich Zuckerberg aus und versprach Antworten nachzureichen.

Facebook-Aktien steigen

Eines der Themen der Senatsanhörung war es, ob die Technologie- und Internetbranche in den USA schärfer reguliert werden muss. "Der Status quo funktioniert nicht mehr", sagte Chuck Grassley. Der Kongress müsse nun entscheiden, ob und wie die Standards zum Schutz der Privatsphäre gestärkt werden müssten. Zuckerberg zeigte sich offen für neue Regulierungen - "wenn es die richtige Regulierung ist", sagte der Konzernchef.

Statt in seinem üblichen grauen T-Shirt erschien Zuckerberg im dunklen Geschäftsanzug und mit blauer Krawatte. Die Anspannung war ihm anzumerken, auf viele Fragen wirkte er jedoch vorbereitet, und in einer Ledermappe hatte er umfangreiche Notizen dabei. Bei Anlegern kam sein Auftritt gut an: Die Facebook-Aktie baute ihre Gewinne aus und schloss mit einem Plus von 4,5 Prozent.

Für Zuckerberg und seinen Konzern stand bei der Anhörung enorm viel auf dem Spiel: Der Datenmissbrauchsskandal berührt den Kern des Geschäftsmodells von Facebook, das auf massiven Datensammlungen über seine Nutzer beruht. Die Daten werden für die gezielte Schaltung von Anzeigen genutzt.

Firmenangaben zufolge könnten in dem Datenskandal persönliche Informationen von bis zu 87 Millionen Nutzern an die britische Politikberatungsfirma Cambridge Analytica zweckwidrig weitergegeben worden sein. Dies könnte dem Wahlkampf von Donald Trump vor zwei Jahren geholfen haben.

Der Skandal hat Facebook in die schwerste Krise seiner 14-jährigen Geschichte gestürzt. Er wird beiderseits des Atlantik von Aufsichtsbehörden und Parlamenten untersucht.

Zuckerberg ist schon seit Tagen bemüht, die Situation zu entschärfen. In Blogeinträgen und einer Telefonkonferenz mit Journalisten räumte er Fehler ein und versprach schärferen Datenschutz für die Zukunft. Zudem reduzierte Facebook bereits den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich, und Nutzer bekamen mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre gemäß EU-Datenschutzgrundverordnung.

cop/vet/AFP/Reuters/dpa/AP