USA, Großbritannien und Australien Regierungen fordern Zugang zu verschlüsselten Facebook-Nachrichten

Facebook plant mehr Verschlüsselung für seine Messaging-Dienste. Die USA, Großbritannien und Australien verlangen für diesen Fall nun eine Hintertür für Strafverfolger - eine Forderung mit Folgen.

Dado Ruvic/Illustration/REUTERS

In einem Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg haben die Regierungen der USA, Großbritanniens und Australiens das Unternehmen aufgefordert, den angekündigten Ausbau der Verschlüsselung bei Facebook, wenn überhaupt, nicht ohne eine Hintertür für Strafverfolgungsbehörden umzusetzen. Dies sei wichtig, um Kinder vor Gewalt und sexuellem Missbrauch zu schützen, heißt es in dem Dokument.

Allein 2018 habe Facebook dem amerikanischen National Centre for Missing and Exploited Children (NCMEC), das sich mit Fällen möglichen Kindesmissbrauchs beschäftigt, fast 17 Millionen Meldungen geliefert, heißt es in dem Schreiben. Bei einer Umsetzung der Verschlüsselungspläne, so schätze das NCMEC, könnten aber 70 Prozent dieser Hinweise wegfallen. Auch der Kampf gegen den Terrorismus, so stellen es die Regierungen dar, werde durch Facebooks Vorhaben erschwert.

Zuckerberg hatte im Frühjahr angekündigt, dass Facebook den Einsatz von Verschlüsselung stark ausbauen wolle. So sollen Facebooks Chatdienste WhatsApp und Messenger sowie die Kommunikationsfunktion des Fotodiensts Instagram auf eine gemeinsame technische Plattform mit sogenannter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umgestellt werden. WhatsApp hat bereits standardmäßig Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, beim Messenger kann sie für vertrauliche Chats zugeschaltet werden.

Bei einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind Inhalte von Kommunikation grundsätzlich nur für Absender und Empfänger im Klartext sichtbar. Auch Facebook hätte keinen Zugriff auf die Inhalte mehr. Verbotene oder problematische Inhalte könnten so auch nicht mehr zum Beispiel mithilfe von Analysesoftware aufgespürt werden. Den Nutzern garantiert die Funktion dafür Privatsphäre bei ihren Chats.

Nutzerhinweise werden wichtiger

Facebook hatte im Frühjahr angekündigt, vor der Umsetzung des Plans zunächst ausgiebige Konsultationen auch mit Behörden zu führen. Messenger-Chef Stan Chudnovsky sagte damals, man werde sich zur Bekämpfung illegaler Inhalte stärker auf Hinweise von Nutzern verlassen müssen.

Aktuell unterhalten Facebook und andere Dienste Datenbanken, in denen bekannt gewordene Bilder mit illegalen Inhalten wie Kinderpornografie vermerkt werden, um ihre Verbreitung unterbinden zu können. Dabei wird eine Art Fingerabdruck von einem Bild erstellt und gespeichert, neu hochgeladene Inhalte werden mit diesem "Hash" abgeglichen. Ein Vorschlag, um die Methode auch bei Komplettverschlüsselung zu nutzen, besteht zum Beispiel darin, Inhalte über die Apps direkt auf dem Gerät von Nutzern abzugleichen, bevor sie zur Übertragung verschlüsselt werden.

Zuckerberg: Vorteile von Verschlüsselung überwiegen

Mark Zuckerberg räumte an diesem Donnerstag vor Mitarbeitern ein, dass Verschlüsselung für Behörden eine Herausforderung sei, vergleichbar damit, wenn man mit einer festgebundenen Hand kämpfen müsse. Zugleich sei Facebook überzeugt, dass bei einer Verschlüsselung die Vorteile gegenüber den Nachteilen überwiegen.

Die Tech-Konzerne betonen, dass Verschlüsselung zum Beispiel private Daten von Nutzern vor Online-Kriminellen schütze. Den Einbau von Hintertüren lehnen sie grundsätzlich ab, da dies die Sicherheit für alle Nutzer verringern würde. Schließlich könnten fest in Produkte implementierte Hintertüren nicht nur von Ermittlern, sondern eben auch von Kriminellen genutzt werden. Das wäre keine wirksame Verschlüsselung mehr.

kko/dpa



insgesamt 55 Beiträge
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theoneandonlyherrbert 04.10.2019
1. Völlig normal, denn
in den USA sind nur Verschlüsselungen zulässig, welche von den Behörden freigegeben werden. Diese gelten als angreifbar bzw. entschlüsselbar. Guter Tipp: Verschlüsselungstechnik einsetzen, welche nicht in die düsteren Staaten von Amerika importiert werden darf. Das beschäftigt die Spanner und Diebe wenigstens etwas.
Kasob 04.10.2019
2. Facebook nicht mehr nutzen
Ein weiterer Grund Facebook nicht mehr zu nutzen. Wobei der Nutzen von Facebook Ansicht sehr gering ist, meiner Meinung. Jetzt spioniert nicht nur Facebook, sondern auch Regierungen.
arikimau 04.10.2019
3. Alle anderen dann auch...
Als ob dann nicht alle Länder die Entschlüsselung wollen.
dirkcoe 04.10.2019
4. Eine Frage der Relationen
Millionen normaler Nutzen stehen einigen Tausend Nutzern gegenüber, die diese Dienste für illegale Dinge nutzen. Wenn das jetzt bedeuten soll, dass generell mitgelesen werden kann - dann sollte man besser ganz abschalten.
molesman 04.10.2019
5. Dann macht mal gleich an anderer Stelle weiter...
aktuell Strafanzeige gegen einen Betrüger der mir Sachen klaute und die nun bei ebay Kleinanzeigen weiterverkauft. 4 Wochen lang trotz Beweisen bis zum umfallen keine Handlung der Polizei weil ebay Kleinanzeigen die Daten des Kunden nicht liefert. Ohne die darf aber die Polizei nicht tätig werden. Inzwischen hat der Kerl alles verkauft. Fazit der Polizei: da sollten sie erst mal sehen wie wir gegen eine Wand fahren wenn wir das von Amazon fordern. Die Strafanzeige ist, Wert 8000 Euro damit fast hinfällig denn der Dieb hat alle Beweise veräußert und nichts ist mehr da wenn die dann irgendwann einrauschen. Unglaublich. Der deutsche Staat ist frei von Macht und die Dotcoms tanzen auf dem Tisch... dass damit eine Existenz zerstört wird ist ja egal. Germany no points. Mein Vertrauen ist dahin. Aber wehe ich mach meine Steuererklärung einen Tag zu spät...
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