Streit um manipulierte Aufnahme Zuckerberg verteidigt Entscheidung, Pelosi-Video nicht zu löschen

Facebook hat zu lange gebraucht, um ein manipuliertes Video mit US-Politikerin Nancy Pelosi als Fälschung zu erkennen, sagt Mark Zuckerberg. Er verteidigt aber das Vorgehen, den bearbeiteten Clip nicht von der Plattform zu nehmen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat eingeräumt, dass seine Plattform zu lange dafür gebraucht hat, ein manipuliertes Video, in dem US-Oppositionschefin Nancy Pelosi zu sehen ist, als problematisch zu kennzeichnen. In dem häufig geteilten Clip wirkte es, als wäre die Demokratin betrunken - dabei wurde das Originalvideo lediglich verlangsamt.

Ende Mai machte die Sequenz im Netz die Runde und galt rasch als Beispiel für einen sogenannten Deepfake - eine täuschend echte Videomanipulation, wie sie von vielen als mögliche Quelle des Desinformation gefürchtet wird. Künstliche Intelligenz ermöglicht es mittlerweile zum Beispiel, das in Videos Gesagte zu verändern. Im Falle des Clips mit Nancy Pelosi genügte allerdings eine simple Videobearbeitung - von einem klassischen Deepfake war das Video weit entfernt.

Während YouTube das Video damals von seiner Plattform entfernte, entschied sich Facebook gegen diesen Schritt. Stattdessen versah das Unternehmen den Clip nach einer gewissen Zeit mit dem Hinweis, dass es sich um eine manipulierte Aufnahme handelte. Zudem wurde seine Sichtbarkeit in den Newsfeeds der Nutzer eingeschränkt.

Wenig später tauchte ein gefälschtes Zuckerberg-Video auf

Auf einer Konferenz in Colorado äußerte sich Zuckerberg am Mittwoch selbstkritisch zu dem Vorgang: "Es hat eine Weile gedauert, bis unser System das Video gekennzeichnet und unsere Fact-Checker es als unecht eingestuft hatten", sagte der Facebook-Chef, "und es hat in dieser Zeit mehr Verbreitung gefunden als unsere Richtlinien es hätten erlauben dürfen." Es sei ein Fehler in den Abläufen gewesen, so langsam zu reagieren, so Zuckerberg. Die grundsätzliche Entscheidung, das Video nicht zu löschen, verteidigte der Facebook-Chef aber.

Nancy Pelosi hatte Facebook für seine Weigerung, das Video von der Plattform zu nehmen, scharf kritisiert. In einem Interview mit dem Radiosender KQED  sagte sie: "Ich denke sie haben bewiesen - indem sie etwas nicht herunternehmen, von dem sie wissen, dass es unecht ist -, dass sie die russische Beeinflussung unserer Wahl bereitwillig ermöglicht haben."

Zuckerberg fordert härteres Vorgehen des Staates

Mit Blick auf mutmaßliche Einflussnahmen Russlands auf die US-Präsidentschaftswahl 2016 sagte Zuckerberg am Mittwoch: "Als Privatunternehmen haben wir nicht die Werkzeuge, um die russische Regierung darin zu stoppen. Wir können uns so gut wie möglich verteidigen, aber letztlich hat unsere Regierung die Werkzeuge, um Druck auf Russland auszuüben, nicht wir."

Die Regierung von Präsident Donald Trump habe nach 2016 keinerlei Maßnahmen gegen die versuchte Einflussnahme ergriffen, kritisierte der Facebook-Gründer auf der Ideenkonferenz "Aspen Ideas Festival". Dies habe das falsche Signal an die Welt gesendet, bei Facebook sei so etwas eben möglich. Seither registriere das Netzwerk "verstärkte Aktivität" vonseiten des Irans und anderer Länder.

Als rund um das Pelosi-Video die Frage aufkam, ob Facebook eigentlich mit einem gefälschten Video von Mark Zuckerberg genauso verfahren würde, bejahte das Unternehmen sie. Schon kurz darauf wurde dieses Versprechen auf die Probe gestellt: Auf Instagram - das Facebook gehört - erschien wenige Wochen später ein gefälschte Zuckerberg-Video, in dem sich der Facebook-Gründer scheinbar als Weltherrscher aufspielt. Das Unternehmen beließ den gefälschten Clip bislang auf der Plattform.

Laut Zuckerberg denkt man bei Facebook nun darüber nach, eigene Richtlinien für den Umgang mit Deepfakes zu entwickeln. "Das ist sicherlich ein wichtiger Bereich, da die KI-Technologie immer besser wird", so der Facebook-Chef.

juh/Reuters/dpa
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