Oversight Board Facebooks neues Kontrollgremium kippt vier Sperr-Entscheidungen

Ein angebliches Goebbels-Zitat und Instagram-Fotos, auf denen Brustwarzen zu sehen sind: Um solche Themen drehten sich die ersten Fälle für Facebooks neues Oversight Board.
Für Facebook sind die Entscheidungen des Oversight Boards bindend

Für Facebook sind die Entscheidungen des Oversight Boards bindend

Foto: JOSH EDELSON / AFP

Facebooks neues unabhängiges Aufsichtsgremium, das sogenannte Oversight Board, hat in seiner ersten Serie von Entscheidungen  die Sperrung von vier Beiträgen rückgängig gemacht. Nur in einem der fünf geprüften Fälle schlossen sich die Expertinnen und Experten der Ansicht von Facebooks Moderatoren an.

Entscheidungen dieser Art, die das Gremium trifft, sind bindend für das Unternehmen. Auch der Gründer und Chef von Facebook, Mark Zuckerberg, hat kein Vetorecht. Das gilt auch für die noch ausstehende Entscheidung des Oversight Board über die dauerhafte Sperrung des Facebook-Accounts des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.

In einem der jetzt entschiedenen Fälle ging es um einen Beitrag mit einem Satz, der fälschlicherweise Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels zugeschrieben wurde. In dem angeblichen Zitat ging es darum, dass Argumente Gefühle und Emotionen statt Intellekt ansprechen sollten. Der Nutzer wollte damit nach eigenen Angaben eine Parallele zwischen dieser Einstellung und der Präsidentschaft von Donald Trump ziehen. Facebook sperrte den Beitrag aber, weil Goebbels auf der Liste gefährlicher Personen steht und der Nutzer ihn in dem Post nicht ausdrücklich verurteilt habe.

Automatische Bilderkennung erkannte Kontext nicht

Das Gremium befand in seiner Entscheidung allerdings, dass der Beitrag nicht die Naziideologie oder Verbrechen des Regimes gutgeheißen habe. Zudem hätten die Kommentare unter dem Post gezeigt, dass der Vergleich zwischen der Trump-Präsidentschaft und dem Naziregime durchaus angekommen sei. Die Details zum Fall finden sich auf dieser Seite  des Boards.

In einem anderen Fall entschied das Gremium, dass ein gelöschter Instagram-Post, in dem Brustwarzen zu sehen waren, wiederhergestellt werden muss. In dem Post sei es darum gegangen, die Aufmerksamkeit für Brustkrebs zu steigern, nicht um die Darstellung von Nacktheit, die laut der Nutzungsbedingungen untersagt ist. Der Inhalt war von Instagrams automatischen Bilderkennungssystemen aussortiert worden, wie aus der detaillierten Schilderung  hervorgeht.

Facebook hat das Gremium eingerichtet, um ein unabhängiges Gegengewicht zu Entscheidungen des Unternehmens über Inhalte auf seinen Plattformen zu schaffen. Im vergangenen Jahr wurden die ersten Mitglieder vorgestellt, darunter sind die ehemalige dänische Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt und der einstige »Guardian«-Chefredakteur Alan Rusbridger. Zum einen sollen Nutzerinnen und Nutzer selbst das Gremium bei einer aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Löschung von Inhalten einschalten können. Zum anderen kann Facebook es bei diversen Fragen zum Umgang mit Werbung, Gruppen oder Seiten anrufen, so wie im Fall Trump geschehen.

pbe/dpa