Fahndung nach LulzSec Websites nach FBI-Razzia verschwunden

Auf der Suche nach den Hackern hinter der Aktivistengruppe LulzSec scheint das FBI über die Stränge geschlagen zu haben: Nach einer Razzia in einem Rechenzentrum waren etlichen Websites offline. Die Agenten hatten offenbar mehr Server beschlagnahmt als nötig - aus Unwissenheit?
FBI-Wappen: Lieber etwas mehr mitnehmen?

FBI-Wappen: Lieber etwas mehr mitnehmen?

Foto: Joe Raedle/ Getty Images

Hamburg - Etliche Websites offline, verunsicherte Kunden und ein sichtlich genervter Firmenchef: Das ist das Resultat einer Razzia des FBI in einem Rechenzentrum in Reston im US-Bundesstaat Virginia. Auf der Suche nach dem Server einer bestimmten Firma beschlagnahmte die amerikanische Bundespolizei FBI gleich mehrere Rechnerschränke. Die "New York Times"  zitiert einen Behördensprecher, der nicht namentlich genannt werden wollte, mit der Aussage, das FBI fahnde nach der Hackergruppe LulzSec und Personen, die dieser Gruppe nahestehen.

LulzSec hat sich in den vergangenen Wochen mit den Großen angelegt: Die Website des US-Geheimdienstes CIA wollen sie blockiert haben, dann veröffentlichten sie Konfigurationsdateien und Dateiübersichten einzelner Verzeichnisse der Website des US-Senats. Mit den kleineren Opfern gingen Täter, die sich als LulzSec ausgeben, nicht ganz so behutsam um: Sie stellten zum Beispiel knapp 26.000 Account-Daten von Porno-Kunden ins Netz - und riefen dazu auf, Verwandte der Opfer darüber zu informieren.

Insgesamt hätten die Beamten drei Rechnerschränke beschlagnahmt, erklärte der Chef der betroffenen Webhosting-Firma DigitalOne, Sergej Ostroumow, in einer Mail an Kunden. Dabei seien die Server von "zig Kunden" von Netz genommen und abtransportiert worden. In der Folge verschwanden einige Angebot ganz aus dem Netz, andere waren nur noch schlecht erreichbar, funktionierten nur noch langsam oder mussten auf einen Notbetrieb umschalten.

Wie groß ist eigentlich ein Server?

So verlor beispielsweise Marco Arment, der Betreiber von Instapaper , einem Dienst, der Web-Seiten zum späteren Lesen speichert, den Kontakt zu seinem Server in Virginia. Da der Dienst auf mehreren Servern läuft, ist er zwar weiterhin erreichbar, reagiert jetzt aber langsamer als gewohnt. Ähnliches gilt für das Social-Bookmarking-Angebot Pinboard, das laut Blog  auf einem Backup-Server läuft und einige Funktionen abschalten musste. Die Seiten des New Yorker Verlagshauses Curbed Network  wurden ganz aus dem Netz gekegelt.

Ostroumow und seine Mitarbeiter, die die Server von der Schweiz aus administrieren, hatten die Ausfälle zunächst für einen technischen Fehler gehalten. DigitalOne betreibt die Hardware in Virginia nicht selbst, sondern hat für seinen Server Flächen in einem dortigen Rechenzentrum angemietet. Erst als der Betreiber dieses Rechenzentrums Ostroumow von der Razzia informierte, wurde ihm das Ausmaß des Schadens klar.

Nach seiner Ansicht habe das FBI "unprofessionell 'gearbeitet'", als es die drei Rechnerschränke abtransportierte. Die Beamten hätte nach dem Server einer bestimmten Firma gesucht. Anhand deren IP-Adresse hätte er, Ostroumow, den Beamten exakt jenen Server nennen können, auf dem das Angebot jener Firma lief. Stattdessen aber hätten die Beamten gleich mehrere Schränke voller Server aus dem Verkehr gezogen. Möglicherweise, argwöhnt der Firmenchef, hätten die Beamten die Schränke für Server gehalten und nicht gewusst, dass jeder Schrank etliche Server, eingebaut in sogenannte Racks, enthält.

Das FBI hat sich zu dem Vorfall bislang nicht geäußert.

mak
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