Fahndung per SMS "Die Idee wird nicht weiter verfolgt"

Es klang wie ein guter Plan: Per SMS, regte das Bundeskriminalamt an, könne man die Bevölkerung als Laien-Ermittler in Fahndungen einbinden. Am Ende einer zweijährigen, so gut wie erfolgsfreien Testphase verschwindet die "SMS-Fahndung" nun wieder in der Schublade.


Nahezu geräuschlos haben die Länder die Idee der Verbrecherfahndung per SMS wieder in der Schublade verschwinden lassen. Nach zweijähriger Probephase, in der die Polizei mit der umstrittenen Methode so gut wie keinen Verbrecher fangen konnte, will kein Bundesland die Idee des Bundeskriminalamtes auf Dauer in die Tat umsetzen. Damit scheint der Versuch, zur Mitarbeit bereite Bürger per SMS mit Täter- oder Vermisstenbeschreibungen zu versorgen und damit ein dichteres Fahndungsnetz zu installieren, endgültig gescheitert.

Jeder ein Fahnder: Die Polizei simste emsig, doch der Bürger sah wenig

Jeder ein Fahnder: Die Polizei simste emsig, doch der Bürger sah wenig

Das nordrhein-westfälische Innenministerium bestätigte am Freitag in Düsseldorf einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus", wonach auf Grund der Erfahrungen in der Erprobung in Bochum entschieden worden sei, die Methode so nicht mehr anzuwenden. Sprecher Wolfgang Beus sagte der Nachrichtenagentur AP, das sei "schon vor Monaten" so beschlossen worden. "In dieser Form werden wir das landesweit nicht einführen", sagte Beus.

Der Sprecher der Zentralen Kriminalitätsbekämpfung in Bochum, Frank Plewka, sagte, man habe in den zwei Jahren der Erprobung zunächst mit Hilfe von SMS an Taxi- und Busfahrern sowie später auch an andere Personenkreise "nicht einen einzigen Treffer" erzielen können. In der Ruhrgebietsstadt sei die Fahndung per SMS sechs Mal ausgelöst worden, vier Mal, um vermisste Kinder zu suchen und zwei Mal, um Raubüberfälle aufzuklären. Dabei sei ein vermisstes Kinder wieder gefunden worden, allerdings auf Grund einer Fahndungsmeldung im Radio, wie Plewka einräumte.

Nur das BKA selbst will weiter "simsen"

Auch die Erprobung der SMS-Fahndung in Schleswig-Holstein war ein Schlag ins Wasser. Der Sprecher des Innenministeriums in Kiel, Thomas Giebeler, sagte, mit nur einem Treffer in zwei Jahren habe sich die Methode als nicht ergiebig und damit als erfolglos erwiesen. "Die Idee wird nicht weiter verfolgt". Giebeler sagte, nach seiner Kenntnis gelte dies für alle Bundesländer.

Das Bundeskriminalamt (BKA), in dem vor einigen Jahren die Software für diese Art der Fahndung entwickelt worden war, nannte die Methode der SMS-Verständigung dennoch Erfolg versprechend. Dies gelte insbesondere für die polizeiinterne Kommunikation, wo die SMS ein zweckmäßiger Baustein der Nachrichtenübermittlung sei. Zu der Entscheidung der Länder, die SMS-Fahndung nicht weiter zu nutzen, sagte ein Sprecher, Aufgabe des BKA sei, solche und andere Methoden zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen. "Die Länder müssen sich dann selbst positionieren, ob sie das anwenden oder nicht", sagte der Sprecher des Bundeskriminalamts.

Funkstille beim Innenministerium

Das Bundesinnenministerium in Berlin wollte am Freitag weder zu der Problematik noch zum Stand der Dinge Stellung nehmen. Angeblich hatte Innenminister Otto Schily das Projekt im Februar vergangenen Jahres befördert. Der SPD-Politiker habe sich davon eine schnellere Aufklärung von Straftaten und die rasche Ergreifung von Tätern versprochen. Als vorrangige Zielgruppe galten Taxifahrer, Bus- und Straßenbahnchauffeure sowie Mitarbeiter städtischer Ordnungsämter.



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