Abzocke im Internet 40-Jähriger betrieb mutmaßlich mehr als 50 Fakeshops
Einkaufen im Internet: Nicht immer kommt die bestellte Ware an
Foto: Michael Scherrer / 20 Minuten / IMAGOHaushaltsgeräte, Werkzeuge, Autozubehör, Schulranzen, Spielwaren: Mit einer beachtlichen Bandbreite an Produkten soll ein Mann aus dem bayerischen Landkreis Rhön-Grabfeld im Internet Interessenten geködert haben. Das Problem dabei: Über seine Websites bestellte Waren wurden nie geliefert. Angaben der Zentralstelle Cybercrime Bayern zufolge betrieb der 40-Jährige sogenannte Fakeshops. Die Vorwürfe gegen ihn drehen sich um 52 solcher Betrugsportale, die Namen wie Elektro Ecke, topado.shop, housegarden.life, staubsauger-testsieger.net, mydealz24.net und biker-zubehoer.com trugen.
Der Verdächtige war bereits im Mai 2023 festgenommen worden, jetzt hat die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg Anklage gegen ihn erhoben. Nach »umfangreichen Ermittlungen einer eigens gegründeten Ermittlungskommission der Kriminalpolizeiinspektion Schweinfurt und der Zentralstelle Cybercrime Bayern«, wie es in einer Pressemitteilung zum Fall heißt. Derzeit befindet sich der Mann in Untersuchungshaft.
Gekostet hätten die Produkte auf den 52 Pseudomarktplätzen zwischen 2,88 Euro und 1846,68 Euro, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Kundinnen und Kunden seien bei ihren Bestellungen in Vorkasse gegangen. Insgesamt habe man durch die Ermittlungen 2309 konkrete Bestellungen Geschädigter im Zeitraum vom 2. Januar 2020 bis zum 23. März 2023 nachvollziehen können. Den Gesamtschaden, der den Betrogenen im Zuge jener Bestellungen entstanden sein soll, beziffert die Zentralstelle Cybercrime Bayern auf knapp 325.000 Euro.
Der Verdächtige war bereits auf Bewährung
Offenbar erzielte der mutmaßliche Onlinebetrüger aber noch viel höhere Einnahmen: »Auf den Konten, die der Angeschuldigte für die Einzahlung der Kundengelder verwendet haben soll, sind darüber hinaus weitere Einzahlungen in Höhe von über einer Million Euro eingegangen, die keinen konkreten Bestellungen mehr zugeordnet werden können«, heißt es in der Pressemitteilung. »Die Ermittler gehen hier aber ebenfalls davon aus, dass die Gelder aus über Fakeshops begangenen Betrugstaten stammen.« Der Angeschuldigte soll sich zum Zeitpunkt der Taten, derer er jetzt verdächtigt wird, unter anderem auch wegen Betrugsdelikten auf Bewährung befunden haben.
Verantworten muss sich der Mann nun unter anderem wegen des Vorwurfs von gewerbsmäßigem Betrug in 52 Fällen. Laut den Angaben der Zentralstelle Cybercrime Bayern droht ihm eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg beantragt in ihrer Anklageschrift darüber hinaus, dass Vermögenswerte in Höhe von rund 1,36 Millionen Euro eingezogen werden. Über die Zulassung der Anklageschrift und die Eröffnung des Hauptverfahrens muss jetzt die zuständige Strafkammer des Landgerichts Bamberg entscheiden.