Falscher Klitschko Pro-Kreml-Komiker zeigen Ausschnitte aus Anruf bei Warschaus Bürgermeister

Wie sie es angestellt haben, verraten sie weiterhin nicht. Doch ein Video von »Vovan und Lexus« scheint zu belegen, dass die russischen Satiriker hinter dem Fake-Klitschko stecken.
Warschaus Stadtpräsident Rafał Trzaskowski, als er glaubte, mit Vitali Klitschko zu reden

Warschaus Stadtpräsident Rafał Trzaskowski, als er glaubte, mit Vitali Klitschko zu reden

Foto: Rutube / DER SPIEGEL

Hinter den betrügerischen Videoanrufen bei den Stadtoberhäuptern von Berlin, Warschau, Madrid, Wien und Budapest stecken offenbar wirklich die russischen Satiriker Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow alias »Vovan und Lexus«. Sie hatten das am Mittwoch bereits zugegeben, aber keinen Beleg dafür geliefert. Am Donnerstag veröffentlichten sie nun ein Video auf Rutube, der russischen Alternative zu YouTube, in dem zumindest Ausschnitte aus dem Anruf bei Warschaus Stadtpräsident Rafał Trzaskowski zu sehen sind.

Die Sendung der beiden Pro-Kreml-Komiker ist als Talkshow mit Experten inszeniert, die über Geflüchtete und Europa sprechen. Sie fragen zum Beispiel »Hat Europa Geld für Geflüchtete?« und »Welche Gefahren können auf ukrainische Frauen im EU-Gebiet lauern?« Videoausschnitte von Trzaskowski werden dabei mehrfach auszugsweise eingeblendet. Kusnezow und Stoljarow erwähnen aber nur beiläufig, dass Trzaskowski dazu vom vermeintlichen Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko kontaktiert wurde.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hingegen kommt in dem Video nicht vor. Die technische Seite des Betrugs erklären »Vovan und Lexus« auch nicht. Sie hatten vorab nur gesagt, es habe sich nicht um einen Deepfake gehandelt, also um einen komplett von einer darauf trainierten Software generierten Vitali Klitschko. Die Berliner Senatskanzlei hatte diese Theorie zunächst verbreitet, war Anfang der Woche aber davon abgerückt: »Ob es wirklich so war, können wir nicht mit Sicherheit sagen«, sagte Giffey in der Landespressekonferenz am Dienstag. Sie betonte allerdings, dass die Person im Videogespräch die Lippen passend zu dem bewegt habe, was gesagt wurde. Wie auch immer die Fälschung produziert wurde: Aufgeflogen ist sie nur, weil den Berlinern der Inhalt des Gesprächs seltsam vorkam.

Da es nach Angaben aus Berlin, Warschau, Madrid und Wien keine eigenen Videomitschnitte gibt, lässt sich im Nachhinein nicht untersuchen, mit welchen technischen Tricks die russischen Komiker ihren Opfern vorgaukelten, sie würden mit Vitali Klitschko sprechen. »Vovan und Lexus« könnten zu einem späteren Zeitpunkt aber natürlich noch weitere Videos veröffentlichen.

Das mögliche Motiv hinter den Aktionen könnte laut Giffey sein, das gegenseitige Vertrauen zwischen der Ukraine und Ländern wie Deutschland und Polen zu erschüttern oder »die Gesprächspartner, die vor allen Dingen ja Unterstützer und Partner der Ukraine sind, zu diskreditieren«.

pbe/nes
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