FBI-Bericht Hacker soll Kurs von Flugzeug manipuliert haben

Das FBI hält ihn für hochgefährlich: US-Hacker Chris Roberts soll nach eigenen Angaben die Kontrolle über ein Flugzeug erlangt haben - so steht es in einem Bericht der Beamten. Hersteller Boeing widerspricht, doch es bleiben Fragen offen.


US-Sicherheitsexperte Chris Roberts will sich während eines Fluges in das Computersystem des Flugzeugs gehackt und so die Kontrolle über die Triebwerke gewonnen haben. Das geht aus einem FBI-Dokument hervor, das der kanadische Nachrichtensender APTN und der US-Sender CNN veröffentlicht haben. Dem Papier zufolge hat Roberts die Behauptung, er habe die Kontrolle über ein Flugzeug erlangt, selbst gegenüber FBI-Beamten aufgestellt.

Roberts ist seit Jahresanfang mindestens dreimal vom FBI verhört worden, zweimal freiwillig, einmal unfreiwillig. In den ersten beiden Gesprächen wollte er die Beamten auf Sicherheitslücken in Flugzeugen hinweisen. Für die dritte Zusammenkunft wurde er am Flughafen in Syracuse abgefangen - weil er zuvor folgenden Tweet abgesetzt hatte: "Bin gerade auf einer 737/800, mit einer IFE-ICE-SATCOM-Box, ? Sollen wir mit den EICAS-Nachrichten spielen? Wie wäre es mit "PASS OXYGEN ON"? :)"

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

Vier Stunden lang verhörten ihn die Beamten zu seinem angeblichen Vorhaben, die Sauerstoffmasken im Flugzeug auszulösen. Außerdem wurden seine elektronischen Geräte, darunter sein Laptop und sein iPad, beschlagnahmt.

Jetzt werden neue Details dazu bekannt: In einer eidesstattlichen Erklärung, die ein FBI-Beamter dem Antrag auf den Durchsuchungsbefehl beilegte, heißt es, Roberts habe sich schon einmal in ein Flugsystem eingehackt und den Befehl zum Aufsteigen gegeben. Das Flugzeug sei daraufhin seitlich vom Kurs abgewichen. Dies habe er in Gesprächen mit dem FBI im Februar und März erklärt.

"Gefahr für die öffentliche Sicherheit"

"Wir glauben, Roberts hat das Können und den Willen, sich mit seiner Ausrüstung Zugang zum Unterhaltungssystem und möglicherweise auch zum Kontrollsystem zu verschaffen oder dies zu versuchen, und dass es die öffentliche Sicherheit gefährden würde, wenn er den Syracuse-Flughafen mit dieser Ausrüstung verlassen dürfte", heißt es in dem Antrag auf den Durchsuchungsbefehl.

Roberts selbst sieht sich als Kämpfer für eine gute Sache. Er verdient sein Geld damit, Sicherheitslücken in Computersystemen aufzustöbern. Und seine Spezialität sind die Computer an Bord von Flugzeugen.

Über die Schwächen von Flugsystemen gibt er gerne Interviews: Man könne sich in diese vergleichsweise leicht einklinken, indem man seinen Computer mit der Elektronikbox, die unter manchen Sitzen zu finden ist, verbindet. Er habe das schon 15- bis 20-mal erfolgreich ausprobiert, sagte er im April auf "CNN Money". Er habe die Treibstoffverteilung sehen können, die Antriebskontrollen, das Flugdaten-Management-System, die Lagekontrollen. Dass er auch die Motoren manipulieren konnte, sagte er nicht.

Flugzeughersteller Boeing hält das für unmöglich: Das Entertainment-System und die Flug- und Navigationssysteme seien getrennt. Zudem könnten ohne Zustimmung des Piloten keine Befehle verarbeitet werden.

Gegenüber dem US-Magazin "Wired" wollte Roberts sich zur Frage, ob er den Kurs des Flugzeugs nun wirklich manipuliert habe, nicht äußern. Er sagte nur, die Passage, mit der er zitiert werde, sei aus dem Kontext gerissen.

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

vet



insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kleinertv 17.05.2015
1.
Hoch proffessionell...ja...ok war ja ne boing...airbus daten gibt ja der BND weiter :-) Hallo merkt mal was
rathat 17.05.2015
2. Wirtschaft vor Sicherheit.
Aber lieber die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht stellen und total(itär) überwachen, anstatt die offensichtlichen Sicherheitslücken zu schließen. Hier werden durch das FBI nur die Wirtschaftsinteressen eines Unternehmens, nicht aber das wirkliche Sicherheitsinteresse der Bevölkerung verteidigt.
tailspin 17.05.2015
3. Ganz neue Bordunterhaltung
Mich wuerde als Passagier interessieren, ob ich jetzt die 737 mit dem Mousepad oder mit den up/down/left/right Tasten fliegen kann, mit F1/ F2 fuer gear up/down, F7/F8 fuer flaps up/down oder ob ich einen Joystick oder die X-Box brauche. Vor allem aber, wie ich landen kann, wenn aus der Kabine nur zur Seite schauen kann.
Korken 17.05.2015
4. Vorführen lassen
Warum kann man sich das nicht einfach mal vorführen lassen? Er sei doch auf der "guten Seite", würde er doch sicher machen. Ansonsten klingt das im Moment eher nach Rufschädigung und Geltungssucht.
genervtneu 17.05.2015
5. Warum wir da nichts getan ?
Der Mann nimmt persönliche Risiken auf sich um in meinen Augen unverantwortliche Idioten auf ihre Fehler aufmerksam zu machen und muss sich dann von den Behörden noch verfolgen lassen. Entsprechend dämlich ist ja auch die Autoindustrie, in der Werbung kommt der Hinweis auf das Infotainmentsystem... das spricht Bände. Auch in der Autoindustrie sind die Marketing-BWL-Spielrätze den Ingenieuren scheinbar über, und nicht mehr in der Lage antriebs- und sicherheitsrelevante Teile von Spielereien wie Navi, Musiksystem, Klimatisierung, Datenloggern und anderen optionalen Techniken, die für den Autozweck, die Mobilität unerheblich sind zu trennen. Das zieht sich mittlerweile durch alle Bereiche der Technik.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.