Film und TV im Web Darf man das?

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2. Teil: Doch was ist mit dem Nutzer, dem reinen Zuschauer?


Über die Frage jedoch, inwieweit es legal ist, im Web Streams einfach nur zu sehen, herrscht bei den meisten Nutzern Unklarheit. Der Nutzer nimmt den Stream nicht als Download wahr, sondern als eine Art Rundfunk. Für den Gesetzgeber sieht das möglicherweise anders aus. Technisch ist zumindest der so genannte sukzessive Download kein Stream, auch wenn er so aussieht: Dabei werden Multimedia-Dateien über das Web heruntergeladen, die man als Stream wahrnimmt, weil man sie bereits nach einer Vorpufferungszeit von wenigen Sekunden sehen kann.

Das gilt für die mit Abstand meisten Web-TV-Angebote, denn diese Technik ist erheblich kostengünstiger als ein echter Stream. Ein Problem dabei: Prinzipiell kann man einen solchen Stream speichern, wenn man weiß, wie es geht. Die Streams landen wirklich als Kopie im Cache, technisch sind sie also Downloads. Größer noch aber ist das Problem, dass für den Nutzer die Legalität eines Angebotes gar nicht unbedingt abzuschätzen ist. Legale wie illegale Streams unterscheiden sich technisch nicht - und viele Aggregatorenseiten mischen fleißig lizenzierte Angebote und Raubkopien, ohne dass für die Nutzer sichtbar wäre, was woher kommt.

Auch das gerade erst novellierte Urheberrecht bietet nicht nur in dieser Hinsicht reichlich Gummi. Anders, als dies Vertreter der Entertainment-Industrie gerne darstellen, stellt das deutsche Urheberrecht nämlich nur die Erstellung und Verbreitung einer offensichtlich rechtswidrig hergestellten Vorlage unter Strafe. Beim Stream aber verbreitet man fraglos nichts weiter im Netz.

Aber erstellt ein Nutzer eine Kopie, wenn sein Rechner eine "Sendung" puffert? Wohl kaum, zumal er nicht gewerblich handelt oder Kopien in Umlauf bringt - er nutzt sie noch nicht einmal und ist sich meist nicht bewusst, dass sie überhaupt existiert. Die temporäre Datei könnte man also als ein technisches Feature des sukzessiven Downloads sehen, nicht als bewusst für eine weitere Nutzung angelegte Kopie.

Selbst wenn: Unter all den Anzeigen gegen Nutzer von P2P-Börsen, erklärt der Anwalt Jörg Heidrich, Justiziar beim auf IT-Themen spezialisierten Verlag Heise, finde sich bisher keine gegen einen reinen Nutzer, der selbst nicht auch Kopien in Umlauf gebracht hätte. Heidrich: "Da ist mir keine einzige bekannt."

Der Grund könne wohl darin liegen, dass es ganz und gar nicht so sei, dass der deutsche Gesetzestext den reinen Konsum unter Strafe stelle. Anderslautende Behauptungen von Industrie-Vertretern ließen sich durch den Text des Gesetzes nicht belegen. Was jedoch nicht ausschließe, dass es nicht irgendwann zu einer Klage gegen einen Stream-Nutzer kommen könnte.

Doch selbst wenn sich dann die Rechtsauffassung der Entertainment-Branchenvertreter bestätigte, dass auch die Nutzung von Kopien aus offensichtlich rechtwidrigen Quellen verboten wäre: Wie sollte der Nutzer das feststellen? Dann, glaubt Heidrich, könne es vor Gericht möglicherweise "auf den Inhalt der aufgerufenen Datei" ankommen (siehe Kasten).

Ist es legal, eine Sendung zu sehen, die hier einem anderen Sender "gehört"?

Im Gesetz sind auch Vorführungs- und Senderechte definiert. Begeht ein Internet-Nutzer einen Rechtsbruch, wenn er auf der Seite eines amerikanischen Senders eine Sendung sieht und damit temporär kopiert, weil der Produzent des betreffenden Schinkens die Verwertungsrechte in Deutschland vielleicht ProSieben garantiert hat?

Hier fällt die Antwort weit klarer aus: Natürlich nicht.

Wenn etwa CBS in Amerika sich dazu entscheiden würde, im Web CSI-Folgen werbefinanziert und kostenfrei zu zeigen, dürften wir diese natürlich sehen - obwohl die Senderechte in Deutschland bei RTL liegen. Der Haken: Es gibt in den USA zwar immer mehr solcher Angebote, wir bekommen sie aber in der Regel nicht zu sehen. Die Anbieter blockieren Zugriffe aus Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten, um den Lizenzstreit mit hiesigen Sendern zu vermeiden.

Eigentlich ist das hochgradig bedauerlich. Die Nutzer von Streaming-Angeboten suchen ja nicht nach dem Rechtsbruch, sondern nach attraktiven Inhalten. Das Problem: Anders als in den USA sucht man die in Europa noch weitgehend vergeblich.

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