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Pinger: Kostenlos-SMS mit Empfangshunger

Finanzierung über Werbung US-Firma plant kostenlosen SMS-Dienst in Deutschland

SMS sind in Deutschland viel zu teuer - findet zumindest das US-Unternehmen Pinger. Bald schon sollen Nutzer gar nichts mehr für den Versand der Kurznachrichten zahlen. Geld verdienen will die Firma mit Werbung, das Geschäft rechnet sich aber offenbar nur über einen Trick.

Hamburg - Die Handy-Netze werden ausgebaut, vielerorts surfen Nutzer mit mehreren Megabit pro Sekunde durch das Netz - doch ausgerechnet für vergleichsweise winzige Textnachrichten kassieren die Provider horrende Summen. Für eine einzige SMS, 0,001 Megabit groß, werden in vielen Tarifen immer noch Beträge von rund 20 Cent fällig, Kurznachrichten-Flatrates und -Kontingente lassen sich kostenpflichtig buchen.

Besitzer von iPhones und Android-Telefonen sollen noch dieses Jahr eine kostenlose Alternative bekommen: Das US-Unternehmen Pinger will im Spätsommer einen SMS-Dienst in Deutschland starten.  Dazu tritt das Unternehmen als Provider auf und schließt Verträge mit den Mobilfunkunternehmen.

In den USA ist Pinger bereits erfolgreich: Dort nutzen nach Firmenangaben bereits 15 Millionen Nutzer den Service und verschicken 1,6 Milliarden Textnachrichten im Monat. Selbst Telefonate bietet Pinger über seine App kostenlos an - und ist damit zum siebtgrößten Mobilfunkanbieter aufgestiegen.

So soll der kostenlose SMS-Dienst in Deutschland funktionieren: Die Nutzer bekommen von Pinger eine weitere Telefonnummer mit der Vorwahl 0157 für eingehende SMS-Nachrichten. Die Sim-Karte muss dazu nicht gewechselt werden - die Textbotschaften landen bei Pinger und werden dann über das mobile Internet weiter an die Pinger-App des Nutzers geschickt. Ein ähnliches Konzept verfolgt in Deutschland bereits das in diesem Jahr gestartete Angebot Yuilop  .

Neue SMS-Nummer für die App

Aus der App heraus können die Nutzer auch SMS kostenlos verschicken - solange die Punkte reichen. Zum Start bekommen die Pinger-Nutzer 100 davon, jede gesendete SMS verringert das Konto um zehn Punkte. Für jede SMS, die über die Pinger-Nummer empfangen wird, gibt es hingegen zehn frische Punkte gutgeschrieben. Untereinander können Pinger-Nutzer kostenlos Nachrichten austauschen.

Durch den SMS-Versand in andere Mobilfunknetze entstehen Pinger Kosten. Die Idee: Die verschiedenen Handy-Provider tauschen über zentrale Gateways SMS-Nachrichten untereinander aus. Verschickt ein Provider über einen bestimmtem Zeitraum so viele SMS in das Netz eines Wettbewerbes wie dieser wiederum in die andere Richtung schickt, entstehen beiden Unternehmen zumindest theoretisch in etwa gleich hohe Kosten.

Vodafone wollte auf Anfrage allerdings nicht genauer erklären, wie der SMS-Austausch zwischen Providern abgerechnet wird. "Die Kosten sind unter anderem abhängig von der Menge der versandten SMS, genauere Angaben kann ich hierzu leider nicht machen", so Dirk Ellenbeck. Auch die Telekom wollte sich nicht über die Modalitäten zum SMS-Austausch unter Providern äußern.

SMS-Symmetrie ohne Mehrkosten

Selbst wenn die Abrechnung anders ausfällt: Pinger kennt den Quotienten aus empfangenen und verschickten SMS, der sich für das Unternehmen rechnet. Nehmen wir an, dass sich die Kosten gegenseitig aufheben könnten: Pinger muss dann vermeiden, dass seine Nutzer mehr SMS in fremde Netze verschicken, als sie bekommen. Genau so funktioniert der Dienst: Nur wer genug SMS von außen geschickt bekommt, erhält die zum Verschicken nötigen Punkte gutgeschrieben. So entstehen Pinger nach eigenen Angaben keine Mehrkosten.

Im besten Fall schicken sogar mehr Kunden anderer Mobilfunk-Anbieter Nachrichten an die neue Nummer der Pinger-Kunden als für ein Nullsummenspiel nötig sind - hier könnte das Unternehmen unter Umständen sogar dazuverdienen. "Wir arbeiten direkt und indirekt mit verschiedenen Unternehmen und Providern zusammen", ist alles, was Pinger-Chef Greg Woock dazu sagt.

Geld verdienen will Pinger ganz klassisch über Werbung. Man arbeite bereits mit mehreren Werbe-Vermarktern zusammen, die meisten davon hätten eine internationale Präsenz, so Woock. Und er versichert: Für passgenaue Anzeigen sollen die SMS-Nachrichten der Nutzer nicht ausgewertet werden. "Wir lesen die SMS-Nachrichten unser Nutzer nicht, das wäre nicht nur gruselig, sondern auch ineffektiv."

Eine wichtige Information, denn andere Unternehmen sind da weniger zimperlich: Google etwa bietet einen werbefinanzierten E-Maildienst an, bei dem die Nachrichten automatisch nach Schlagwörtern gescannt werden, damit passende Werbung dazu eingeblendet werden kann.

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