"Find my Face" Google startet Gesichtserkennung

Der Internet-Riese Google startet mit "Find my Face" eine automatische Bilderkennung für sein soziales Netzwerk Google+. Offenbar hat der Konzern aus den Fehlern von Facebook gelernt. Um Datenschützer nicht zu vergrätzen, soll ohne Zustimmung der Nutzer nichts laufen.
Gesichtserkennung (Symbolbild): Google scannt unsere Bilder

Gesichtserkennung (Symbolbild): Google scannt unsere Bilder

Foto: Corbis

Hamburg - Nach Facebook bekommt nun auch Googles soziales Netzwerk Google+ eine automatische Gesichtserkennung. Das teilte der Konzern am Donnerstagnachmittag mit. Die "Find my Face" genannte Funktion soll am Abend in den USA, Deutschland und vielen weiteren Ländern eingeführt werden. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil die Aktivierung einer Gesichtserkennung bei Facebook ohne vorherige Zustimmung der Nutzer von Datenschützern scharf kritisiert worden war, überlässt Google die Entscheidung zur Teilnahme den Nutzern.

"Alles im Bereich Gesichtserkennung ist potentiell relevant für die Privatsphäre", sagt Peter Fleischer, Googles oberster Beauftragter für den Datenschutz. Deshalb sei man besonders sorgfältig und gründlich an die Umsetzung herangegangen. So soll die Gesichtserkennung nur unter Bekannten funktionieren und nicht in die öffentliche Google-Suche einfließen. Das, versicherte Fleischer auf Nachfrage, sei auch nicht geplant: Die in Google+ erstellten Gesichtsmodelle würden nicht verwendet, um die allgemeine Web-Suche zu verbessern.

Auf die Frage, ob man eines Tages mit seinem Handy jemanden fotografieren und dann von Google umgehend erfahren könne, wen man vor sich hat, antwortet Fleischer mit einem Zitat des Google-Verwaltungsratschefs Eric Schmidt: Das sei zwar wohl "technisch möglich" aber "zu gruselig, als dass wir es jemals umsetzen würden".

So funktioniert die Gesichtserkennung bei Google+:

  • Zuerst wird der Nutzer gefragt, ob er "Find my Face" überhaupt nutzen möchte. Willigt er ein, erstellt Google anhand von bereits hochgeladenen und mit Tags versehenen Fotos ein digitales Gesichtsmodell. Je mehr Fotos dazu zur Verfügung stehen, desto besser wird die Trefferquote. Ab zehn Bildern soll "Find my Face" gut funktionieren. Wenn man die Funktion später wieder abschaltet, wird dieser Fingerabdruck automatisch wieder gelöscht.
  • Lädt ein Bekannter dann ein Foto hoch, auf dem der Nutzer zu sehen ist, bekommt dieser vorgeschlagen, seinen Bekannten auf dem Foto zu markieren. Dieser Markierung muss der Nutzer dann wiederum zustimmen.

Zunächst soll "Find my Face" vollautomatisch funktionieren. Irrt sich der Algorithmus, können Nutzer keinen Korrekturvorschlag machen, sondern nur auf das Tagging verzichten. Interessant ist, was Google unter "Bekannte" versteht. Dabei kann es sich nicht nur um die Kontakte bei Google+ handeln, sondern Fleischer zufolge auch um Kontakte von Kontakten etwa bei Googlemail oder um Personen, mit denen man sich in seinem Google-Profil verbunden hat. Die Entscheidung, wen man kennt, basiert also nicht auf der schlichten Zuordnung "mit dieser Person wurden schon E-Mails ausgetauscht" und "diese Person hat der Nutzer seinen Google+-Kreisen hinzugefügt". Während sich der Kreis der Eingeweihten beim Veröffentlichen von Fotos und Nachrichten detailliert einstellen lässt, trifft diese Entscheidung bei den Vorschlägen zur Personenmarkierung Google, respektive ein Algorithmus.

Bei der Konzeption der Einstellungen zum Datenschutz hat sich Google nach eigenen Angaben streng an dem orientiert, was der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar zuletzt veröffentlicht hat. Caspar hatte die Gesichtserkennung bei Facebook kritisiert, unter anderem, weil diese zunächst ohne die Zustimmung der Nutzer aktiviert wurde - und sich nachträglich nur schwer entfernen lässt. Über die Einführung von "Find my Face" hat Google den Datenschützer vorher in Kenntnis gesetzt. Am Mittwoch wurden ihm die Details vorgestellt.

Auf Anfrage äußerte sich Caspar optimistisch. "Es scheint, als wolle Google das Recht auf informationelle Selbstbestimmung achten und die User mitnehmen", sagte der Datenschützer. "Wir haben uns den Dienst aber nicht in echt ansehen können, deshalb gibt es noch keine endgültige Aussage." Anders als Facebook habe Google aber offenbar erkannt, dass solche Dienste auch die Belange des Datenschutzes berücksichtigen sollten. Er sei "erleichtert", sagte Caspar. Zwar sei nicht auszuschließen, dass eines Tages ein Handyfoto ausreichen werde, um jemanden per Internet-Suche eindeutig zu identifizieren. Um einen derartigen Dienst jedoch zum Laufen zu bringen, bräuchte man eine gewaltige Datenbank mit Gesichtern, so Caspar. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das kommt, wird zumindest geringer, wenn Konzerne wie Google sich zurücknehmen."

Mit Facebook befindet sich Caspars Behörde derzeit in einem rechtlichen Verfahren. Im August verlangte er die Löschung der biometrischen Daten bei Facebook. Weil das Unternehmen dem nicht nachkam, soll nun ein Bußgeld gezahlt werden.

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