Firefox-Browser Mozilla-Stiftung könnte Google-Millionen verlieren

Jahrelang gab es für den Webbrowser Firefox nur eine Richtung: aufwärts. Er sicherte sich immer größere Marktanteile, machte immer mehr Umsatz. Jetzt bedrohen neue Browser den Status des Vorzeigeprojekts - und ein auslaufender Vertrag gefährdet die wichtigste Einnahmequelle.
Firefox-Logo: Die wichtigste Einnahmequelle ist gefährdet

Firefox-Logo: Die wichtigste Einnahmequelle ist gefährdet

Foto: AFP

Der Firefox-Browser ist - je nachdem, welche Statistik man betrachtet - der beliebteste oder zumindest der zweitbeliebteste Webnavigator der Deutschen. Die Entwicklung des Browsers koordiniert und betreut eine als gemeinnützig anerkannte US-Stiftung. Der Großteil der Einnahmen dieser Mozilla Foundation stammt aus einem Vertrag mit Google, der gerade ausgelaufen ist. Sollte nicht bald ein neuer Vertrag geschlossen werden, könnte die Mozilla-Stiftung ihre wichtigste Einnahmequelle verlieren.

Die Sache ist delikat, da Google Firefox mit seinem Webbrowser Chrome selbst Konkurrenz macht. Chrome gewinnt seit Jahren kräftig Nutzer hinzu, Firefox verliert leicht, einige Marktforscher sehen inzwischen international sogar den Google-Browser auf Platz zwei, knapp vor Firefox.

Angesichts dieses Konkurrenzverhältnisses ist ein Vertrag zwischen Google und der Mozilla Foundation aus dem August 2008 interessant: Google ist als Standard-Suchmaschine im Firefox-Browser eingestellt. Und dafür zahlt Google: Im Mozilla-Geschäftsbericht für 2010 erklärt eine Fußnote, dass 84 Prozent der Tantiemen-Einnahmen 2010 aus einem "Vertrag mit einem Suchmaschinenanbieter stammen, der im November 2011 ausläuft."

Fotostrecke

Fünf Jahre Firefox: Der Community-Browser

Bei diesem Anbieter handelt es sich um Google. Die Vorsitzende der Mozilla Foundation, Mitchell Baker, schrieb im August 2008 in einem Blogeintrag: "Wir haben unseren Vertrag mit Google für drei weitere Jahre verlängert, er endet im November 2011 statt im November 2008, wir haben also eine stabile Einnahmequelle."

Suchpartnerschaften als Umsatzbringer

Dieser Vertrag dürfte nach der Darstellung der Stiftung im Jahr 2008 nun ausgelaufen sein. Es fällt auf, dass Google und die Mozilla Foundation 2008 drei Monate vor Auslaufen des Altvertrag einen neuen geschlossen haben. 2011 scheinen die Verhandlungen sich hinzuziehen - wenn es überhaupt Verhandlungen gibt. Ein Google-Sprecher antwortet auf die Frage so: "Wir veröffentlichten generell nicht Details zu unseren Geschäftsbeziehungen. Wir können aber bestätigten, dass es nach wie vor einen Vertrag zwischen uns und Mozilla gibt, wir haben aber derzeit nicht Neues dazu zu sagen."

Die Formulierung kann alles mögliche bedeuten: Vielleicht sieht eine Klausel im Vertrag von 2008 eine automatische Verlängerung unter bestimmten Bedingungen vor? Vielleicht verhandeln Mozilla und Google derzeit über neue Bedingungen? Eine Mozilla-Sprecherin bestätigt: "Wir sind in Verhandlungen und haben derzeit nichts weiter zu verkünden." Zuvor hatte eine Sprecherin der Stiftung ausweichend geantwortet: "Wir haben derzeit Partnerschaften mit einer Reihe von Suchanbietern." Und: "Wir sind zuversichtlich, dass Suchpartnerschaften in der vorhersehbaren Zukunft ein solider Umsatzbringer für die Mozilla-Stiftung bleiben werden."

Die Beträge, die die Mozilla-Stiftung von anderen Firmen (wie zum Bespiel Amazon, Yandex, Bing) erhält, sind im Vergleich zu dem Google-Batzen mit Sicherheit zu vernachlässigen. Das zeigt ein Blick in die Bilanz der Mozilla-Stiftung für das Jahr 2010 :

  • Die Stiftung nahm in diesem Jahr 123 Millionen Dollar ein, davon stammten 121 Millionen aus sogenannten "Royalties", also Verträgen mit Firmen, deren Angebote in der Firefox-Suchbox eingebunden sind.
  • 84 Prozent dieser Zahlungen stammen von Google - das wären 101,6 Millionen Dollar für das Jahr 2010.

Reserven für zwei Jahre

Sollte diese Summe wegfallen oder schrumpfen, hätte die Mozilla Foundation - für die immerhin 400 Festangestellte arbeiten - Zeit, ihre Ausgaben anzupassen und neue Einnahmequellen zu suchen. Im Jahr 2010 hatte die Stiftung ein Vermögen von 168 Millionen Dollar. Die Stiftung könnte also, auch wenn die Google-Einnahmen komplett wegfallen sollten, gut zwei Jahre lang so weiterarbeiten wie 2010. In diesem Jahr gab die Mozilla Foundation 87 Millionen Dollar aus:

  • 62,8 Millionen Dollar für Softwareentwicklung
  • 12,1 Millionen Dollar für Verwaltung
  • 9,8 Millionen Dollar für Marketing

Das Stiftungsvermögen hat sich binnen fünf Jahren mehr als verdoppelt, 2006 beziffert die Mozilla Foundation es auf gut 74 Millionen Dollar. Stiftungsleiterin Mitchell Baker beschrieb dieses finanzielle Polster 2008, auf die Google-Abhängigkeit angesprochen, als eine Art Versicherung: "Das ist auch ein Sparkonto, das unsere Unabhängigkeit sichert. Wenn bei den Einnahmen mal etwas schief laufen sollte, haben wir Zeit, um eine Lösung zu finden."

Die Abhängigkeit von Google hat sich in all den Jahren nicht verändert - 2006 stammten 85 Prozent der Mozilla-Einnahmen aus dem Google-Vertrag. Geändert hat sich nur Googles Position in dem Geschäft: Die Web-Riesen Amazon, Apple und Google bieten inzwischen alle eigene Browser an, buhlen selbst um Nutzer. Firefox, der jahrelang nichts anderes tat als anderen Browsern Marktanteile wegzuschnappen, findet sich plötzlich in einer ungewohnten Position wieder, muss Marktanteile verteidigen - und womöglich muss die Stiftung dahinter bald neue Erlösquellen finden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.