Neuer Mozilla-Browser So schlägt sich Firefox Quantum im Duell mit Chrome

Schöner, schlanker, schneller: Mit Firefox Quantum hat Mozilla einen verbesserten Browser veröffentlicht. Doch im Duell mit dem härtesten Konkurrenten Google Chrome zeigen sich Schwächen.

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Mozilla gibt sich im Produktkampf mit Google nicht geschlagen: Mit der neuen Firefox-Version 57 namens Quantum haben die Entwickler den Browser deutlich überarbeitet. Websites bauen sich spürbar schneller auf als beim Vorgänger, Bilder und Videos laden flinker. Das Design ist schlank, die Oberfläche leicht zu bedienen. Beim Surfen merkt man kaum mehr einen Unterschied zum direkten Konkurrenten Google Chrome.

Schon seit Längerem ringen die beiden Browser um die Nutzergunst, Google lag dabei zuletzt klar vorne. Vor sechs Jahren waren die beiden Browser mit einem Marktanteil von je 25 Prozent noch auf Augenhöhe, das sieht heute anders aus. Mittlerweile surfen 60 Prozent der Nutzer mit dem Google-Browser. Firefox belegt zwar immer noch den zweiten Platz vor Safari, Edge und dem Internet Explorer, kommt aber nur noch auf einen Marktanteil von etwa zwölf Prozent. Mit Quantum soll die Aufholjagd beginnen.

Doch wie schlägt sich Quantum im direkten Vergleich? Um die Leistungsfähigkeit der Browser zu vergleichen, haben wir Firefox beim Benchmark-Tool "Basemark Web 3.0" gegen Chrome antreten lassen. Das Online-Tool testet unter anderem, wie ein Browser mit Grafiken und 3D-Objekten im Netz zurechtkommt.

Im Test rotieren HTML-5-Flugzeuge über den Bildschirm, eine Landkarte wird herangezoomt und eine Tabelle in alle Richtungen verzerrt. Der Quantum-Browser erzielt auf einem Macbook Pro im Test am Ende einen Wert von 316 Punkten. Chrome schafft es auf 432 Punkte.

Während der Google-Browser einen besseren Wert bei der Darstellung von HTML-5-Elementen erreicht, kommt Firefox besser damit klar, responsive Websites in Echtzeit umzubauen, um sie auf Smartphones und Tablets anzuzeigen. Chrome erreicht beim Test einen Wert von 93 Prozent, Firefox mehr als 95 Prozent.

Beim Geschwindigkeitstest mit dem "Speedometer" verliert der neue Firefox deutlich gegen Chrome. Während der Google-Browser ein Web-Formular mehr als hundertmal pro Minute ausfüllt, schafft Firefox den Test nur etwa 60-mal. "Speedometer" testet unter anderem, wie schnell der Browser auf Schnittstellen zugreift und Javascript-Befehle ausführt. Laut den Entwicklern simuliert die Software vor allem solche Abläufe, die bei Facebook und Twitter häufig vorkommen.

Auch wenn die Zahlen für Chrome sprechen: Beim alltäglichen Surfen im Netz zeigt sich, dass Mozilla mit Quantum einen würdigen Chrome-Gegner ins Rennen geschickt hat. Das könnte nicht nur den Konkurrenzkampf beleben, sondern Mozilla auch weiter eine wichtige Einnahmequelle sichern.

Denn damit ihr Produkt einen Platz als Standard-Websuche im Firefox-Browser bekommt, sind die Onlinekonzerne bereit, viel Geld auszugeben - da kaum jemand die Einstellung verändert. In den vergangenen Jahren zahlte Yahoo jährlich rund 300 Millionen Dollar dafür, die Standard-Suchmaschine bei Firefox in den USA zu sein. Vor einigen Tagen ist Google wieder als Partner eingestiegen.

Wie viel Geld der Suchmaschinenkonzern dafür bezahlt, damit die Firefox-Nutzer wieder mit Google suchen, ist nicht bekannt. Allein im vergangenen Quartal gab Google aber insgesamt 2,4 Milliarden Dollar dafür aus, dass die eigene Suche auf Tablets, Mobiltelefonen und Computern bevorzugt behandelt wird.



insgesamt 127 Beiträge
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StonyBrook 19.11.2017
1. Danke
Dee Hauptgrund für den Firefox fehlt: Hinter Firefox steht die gemeinnützige Mozilla Foundation, hinter Chrome der Datensammler Google. Btw: Das Screenshottool kam schon mit Version 56.
r.pfeilsticker 19.11.2017
2. Sicheres Speichern von Passwörtern kann nur Firefox
Chrome speichert seine Passwörter nur unter MacOS im auch nicht mehr sicheren Mac Schlüsselbund. Unter Windows landen sie unverschlüsselt auf der Festplatte, wo sie jeder Virus auslesen kann. Nur Firefox kann gespeicherte Passwörter mit einem Masterpasswort verschlüsseln und ist somit unter Windows der einzige sichere Browser, sofern man Passwörter speichern will.
marthaimschnee 19.11.2017
3. wer's braucht
Wer nur im Netz rumsurft und dazu den Browser so nimmt, wie er ist, der läßt sich davon vielleicht beeindrucken. Jeder der den Browser jedoch nach eigenen Vorgaben angepaßt hat, macht einen riesigen Bogen um Firefox 57, da nützen auch keine Performancewunder was (die es nebenbei bemerkt nicht sind). Das schnellere Ausführen von JavaScript? Der "Poweruser" blockt JavaScript erstmal mit uMatrix und/oder NoScript (das dank Web-Extensions-Zwang nicht mehr funktioniert), weil die Seitenbetreiber es mit den Scriptkaskaden, die im Handumdrehen alle Datensammler der Welt zuladen, ähnlich übertreiben, wie mit Werbung. Und das Anpassen der potthäßlichen, angeblich "modernen" UI mit ihren viel zu kleinen, schlecht assoziierbaren Icons, ist jetzt auch nur noch nach Programmvorgabe "hell" und "dunkel" möglich. Nein danke, wenn ich was will, was wie Chrome aussieht, dann nehm ich Chrome! PS: Ist euch beim Testen mal aufgefallen, daß rechts und links des Address- bzw Suchfeldes zwei völlig nutzlose Platzhalter Raum verschwenden (sieht man ja auch auf den Bildern)? Macht vor allem die beiden Felder schlanker, und das völlig ohne jeden Sinn!
Affenhirn 19.11.2017
4. Windows oder iOS?
Getestet mit einem MacBook Pro - unter einen Apple-Betriebssystem? Sehr repräsentativ. Wie sieht es bei Win 10 aus?
fischmops 19.11.2017
5. Tschüss, Firefox
Nachdem man sich jahrelang damit abgemüht hat, aus Firefox eine träge, fette und Ressourcen fressende Software zu machen, gab es nur noch zwei Pluspunkte gegenüber dem von mir seit einiger Zeit bevorzugten Browser Opera: die Lesezeichen- und die Feedverwaltung. Die erste davon wurde jetzt erfolgreich gekillt, aus welchem Grunde sollte ich Firefox nun noch auf meinem Zweitrechner lassen, nachdem ich seit dem Umstieg auf Feeds komplett verzichte und mich mit Operas Lesezeichen irgendwie arrangiert habe. Weil Firefox jetzt angeblich wieder schneller wird? Zu spät.
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