Boarding-Chaos Liebe Leserin, lieber Leser,

Foto: SPIEGEL ONLINE

in den ersten Bundesländern hat die Ferienzeit begonnen, auf den Flughäfen der Republik und in den Flugzeugen selbst dürfte es jetzt zunehmend voll werden. Am Flughafen Frankfurt kommt dazu passend eine neue Technik zum Einsatz, die künftig helfen soll, Chaos zu vermeiden.

Wer in den vergangenen Wochen im Terminal 1 durch den Flugsteig 11 lief, war im Visier zweier Kameras, direkt über den Quick-Boarding-Gates. Aufgenommen wurden aber nicht Reisende, sondern deren Handgepäck. Tausende Koffer, Taschen und Kinderwagen wurden automatisch erfasst.

Das System gehört zur österreichischen Firma Catalysts. Deren Software soll anhand von über drei Wochen gewonnenen Daten lernen, was ein Koffer ist, wie ein Regenschirm aussieht oder ein Kinderwagen. Auch die Ausmaße des Gepäcks sollen interpretiert werden können.

Der Hintergrund ist für Airlines und Passagiere ein ärgerlicher: Immer wieder kommt es zu Chaos und Verspätungen beim Boarding, weil manche Gästen Koffer beinahe in der Größe von Einzimmerwohnungen in die Kabine stemmen. Lufthansa, die das Gate A11 nutzt, will dem Einhalt gebieten. Zwar halten sich im Schnitt rund 85 Prozent der Passagiere an die Mitnahmeregeln für Gepäck an Bord, trotzdem müssen häufiger Gepäckstücke nachträglich in den Frachtraum geladen werden. Und das kostet Zeit.

Gepäck am Frankfurter Flughafen

Gepäck am Frankfurter Flughafen

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Ein Algorithmus zeigt schon heute den Lufthansa-Abfertigern an, ob ein Flug "handgepäckkritisch" werden könnte - es fließen verschiedene Kriterien wie Buchungslage, Uhrzeit oder Anschlussreisende in die Berechnung mit ein. Dann werden Passagiere frühzeitig aufgefordert, ihr Handgepäck aufzugeben. Demnächst bekommen die Mitarbeiter eine Smartphone-App: Visiert man mit der Handykamera den Koffer an, berechnet die Software dessen Ausmaße.

Dem Testlauf mit dem Catalysts-System ging ein gescheiterter Versuch einer anderen Firma voran. Und auch das aktuelle Projekt verzögerte sich, weil der Datenschutz genau geprüft werden musste. Gesichter würden unkenntlich gemacht werden, versichern Lufthansa und Catalysts. Funktioniert die Bilderkennung, könnte das System schon bald an Flughäfen installiert werden - dann allerdings vor der Sicherheitskontrolle. So bringen Passagiere ihr zu großes Gepäck gar nicht erst bis ans Gate.

Seltsame Digitalwelt: Zugbegleiter der Zukunft

Seit vergangenem Jahr können sich Fahrgäste im ICE der Deutschen Bahn selbst mit ihrem Smartphone einchecken. Sie müssen ihr Ticket dann nicht mehr von einem Zugbegleiter kontrollieren lassen und können zum Beispiel ungestört schlafen. Auf der Strecke Berlin - Hamburg hörte ich dazu folgende Durchsage: "Wenn Sie den Zugbegleiter der Zukunft nutzen und keinen menschlichen Kontakt mehr haben wollen, können Sie auch unseren Komfort-Check-In nutzen". Der Zugchef, von dem die Durchsage stammte, kontrollierte die Fahrkarten der noch nicht eingecheckten Reisenden anschließend mit äußerster Freundlichkeit und schenkte ein Täfelchen Schokolade mit dem Aufdruck "Lieblingsgast".

App der Woche: "Wonder Boy - The Dragon's Trap"
getestet von Tobias Kirchner

Foto: DotEmu

"Wonder Boy - The Dragon's Trap" ist ein umfangreiches Abenteuerspiel, das in an die Tradition der 2D-Zeit auf dem Super Nintendo und dem Sega Mega Drive anknüpft. Trotzdem ist das Spiel mit seinem bunten Comiclook ziemlich modern und bietet auch einige andere Komfortfunktionen, die dabei helfen, den Überblick in der komplexen Welt des Spiels zu behalten. Dabei werden nach und nach Fähigkeiten freigeschaltet, die wieder neue Wege freigeben. Wer nach einem großen Abenteuer für den kleinen Bildschirm sucht, sollte einen Blick auf das Spiel werfen.

Für 8,99 Euro von DotEmu: iOS , Android 


Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Schlüssel für Abhörer" : (Vier Leseminuten): Das Bundesinnenministerium will in verschlüsselte Messenger-Chats schauen können. Diese Debatte läuft im Prinzip seit mindestens 26 Jahren - wie dieser ZEIT-Artikel von Gero von Randow aus dem Jahr 1993 zeigt.
  • Podcast Medienmagazin Radio Eins  (Podcast einer Radiosendung, Interviewlänge rund 23 Minuten) Interview mit dem Berliner Medienrechtler Christian Schertz über den Einsatz von versteckten Kameras wie im Fall Heinz-Christian Strache.
  • Podcast "How to Hack"  (Podcast, 32:44 Minuten) Investor Frank Thelen spricht über Produktivität: Der Bonner Seriengründer erzählt, wie er seinen Tag produktiv gestaltet.

Ich wünsche Ihnen eine sommerliche Woche,

Ihr Martin U. Müller