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Action-Onlinespiel: Das Phänomen "Fortnite"

Foto: Epic Games

Populäres Onlinespiel Darum spielen 125 Millionen Menschen "Fortnite"

Kein Videospiel ist derzeit so präsent wie "Fortnite". Fußballer feiern ihre Tore mit Tänzen aus dem Spiel, auf Schulhöfen ist es Dauerthema. Die besten Gamer können damit jetzt sogar reich werden.

Ninja hat es geschafft, allem Druck zum Trotz. Er hat im virtuellen Überlebenskampf länger durchgehalten als 98 Konkurrenten. Die einzige Comicfigur, die neben seiner noch überlebte, war die von Marshmello, einem bekannten Electro-DJ - und in diesem Fall Ninjas Teampartner.

Ninja, 27, der eigentlich Tyler Blevins heißt, hat am Dienstag in einem Stadion in Los Angeles das Videospielturnier "Pro-Am 2018" gewonnen. In einer Partie "Fortnite" konkurrierten dort 50 Zweierteams miteinander: Jeweils ein Prominenter, vom US-Basketballprofi bis zum Schauspieler, spielte zusammen mit einem Gamer, der "Fortnite" sehr gut beherrscht. Im Zuge des Events wurden drei Millionen Dollar für gute Zwecke gespendet.

"Fortnite"-Jubel von Antoine Griezmann (Mitte) und Mitspielern in einem Testspiel

"Fortnite"-Jubel von Antoine Griezmann (Mitte) und Mitspielern in einem Testspiel

Foto: Claude Paris/ dpa

Ninja ist sozusagen der Lionel Messi des "Fortnite" - ein Spieler mit unfassbaren Fähigkeiten, in guter Tagesform der vielleicht beste der Welt. "Fortnite" wiederum ist derzeit das populärste Videospiel der Welt.

"Fortnite" ist überall

Kein Spiel schauen sich mehr Zuschauer an, kein Spiel liefert derzeit so konsequent Memes, die den Sprung aus dem digitalen ins analoge Leben schaffen. Wenn etwa der Fußballprofi Antoine Griezmann ein Tor schießt, jubelt er derzeit gern mit einer "Take the L" genannten Geste - bekannt aus "Fortnite".

Und ob man nun Sport im Fernsehen schaut oder einfach nur in die Innenstadt geht: Eingeweihte können die sogenannten Emotes, die Tanzbewegungen der "Fortnite"-Figuren, momentan überall entdecken. "In meiner Schule ist 'Fortnite' super angesagt", berichtet zum Beispiel der elfjährige Orod, der mit seiner Mutter das "Pro-Am"-Turnier besucht. "Beinahe jeder spielt das, auch die Mädchen. Nur die Lehrer wahrscheinlich nicht."

Wie man "Fortnite" spielt und welche Entstehungsgeschichte das Spiel hat, erklärt unsere Fotostrecke:

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Action-Onlinespiel: Das Phänomen "Fortnite"

Foto: Epic Games

Und die Tänze? Die hat Orod natürlich auch drauf - wie offenbar so ziemlich jeder in seinem Alter. Wenn gerade ein Schulkind in der Nähe ist, fragen Sie es doch mal, ob ihm "Zahnseide" als Tanz etwas sagt. Die Chancen stehen gut, dass die Antwort "Ja" lautet . Der Hype um "Fortnite" hat unter jungen Menschen längst Ausmaße, die man so nur bei sehr wenigen Titeln wie "Pokémon Go" oder "Minecraft" bisher erlebt hat.

100 Spieler, ein Sieger

"Fortnite" - beziehungsweise der Teil des Spiels, den fast jeder meint, wenn er diesen Titel nennt (siehe Fotostrecke) - ist ein Battle-Royale-Game, wie auch das martialischer daherkommende "Playerunknown's Battlegrounds" (PUBG). Vereinfacht erklärt, landen bei Battle-Royale-Schlachten 100 Spieler auf einer Insel, auf der sie sich so lange bekämpfen, bis zur noch einer übrig ist. Auf Wunsch kann auch in kleinen Teams gekämpft werden, die Mitglieder unterstützen sich dann gegenseitig.

Ninja (links) und Marshmello

Ninja (links) und Marshmello

Foto: Twitch/ Fortnite

Millionen Menschen spielen nicht nur selbst online "Fortnite", sondern schauen auch in Internetstreams zu, wie talentierte Zocker das machen: Ninja, der sein Geschick mit dem Turniersieg in Los Angeles vor 3000 Zuschauern im Stadion und mehreren Hunderttausenden im Livestream erneut unter Beweis stellte, ist so ein Vorbild.

Die Faktoren des Erfolgs

Warum ausgerechnet "Fortnite" für so viel Wirbel sorgt, darüber lässt sich wie bei vielen Trends und Moden nur mutmaßen. Vermutlich kamen diverse Faktoren zusammen:

  • Das Battle-Royale-Genre strebte dank "PUBG" und Co. ohnehin Richtung Mainstream: "Fortnite" war aber eines der ersten Battle-Royale-Spiele, die sich nicht mehr nur wie ein spielbarer Prototyp anfühlten.

  • Das Spiel ist in seinen Grundfunktionen kostenlos, nicht nur auf dem Handy - viele Menschen haben es so zumindest mal ausprobiert. Im Stream ist das Spiel auch leicht zu verfolgen, selbst Nicht-Spieler verstehen schnell seinen Ablauf.

  • "Fortnite" ist leicht zu lernen, aber schwer zu meistern - und das Spiel wird ständig durch Updates erweitert: Seit kurzem steht etwa ein Fußballstadion auf der Insel . Solche Veränderungen halten die Spannung hoch, das finden etwa die kürzlich Eltern gewordenen Apollo und Athena. Auf die Frage, ob sie "Fortnite"-Fans seien, antworten die "Pro-Am"-Besucher mit: "Zu 100 Prozent!".

Athena, 24, und Apollo, 22

Athena, 24, und Apollo, 22

Foto: Markus Böhm

  • "Fortnite" kommt in Comic-Optik daher, das Spiel ist relativ Kinderzimmer-kompatibel. Mit Elementen wie seinen Tänzen hat es einen Humor, der vielen Actionspielen fehlt. Der 13-jährige Orod zum Beispiel schätzt den Grafikstil sehr, er hält "Fortnite" für "das erste Comic-Videospiel überhaupt".

"Fortnite"-Fan Orod und seine Mutter Gita

"Fortnite"-Fan Orod und seine Mutter Gita

Foto: Markus Böhm

  • Zuletzt mag auch der inhaltliche Fokus des Spiels - Kämpfen, Ressourcen sammeln, Festungen zur Verteidigung bauen - den Nerv vieler Spieler getroffen haben.

    Von "Minecraft" zu "Fortnite"

"Ich finde 'Fortnite' gut, weil es beim Bauen intellektuelle Fähigkeiten erfordert und weil es auch ein Teamspiel ist", sagt Andrew, 45, der seinem elfjährigen Sohn gern beim Spielen zuschaut. "Als Spencer jünger war, liebte er 'Minecraft'", sagt Andrew, "und 'Fortnite' hat was von 'Minecraft', was die Spielelemente angeht. Ich denke, dass es der naheliegende nächste Schritt war."

Turnier-Besucher Andrew und Spencer

Turnier-Besucher Andrew und Spencer

Foto: Markus Böhm

Tatsächlich betont auch Spencer, dass er den Festungsbau-Teil des Spiels mag: "In 'Fortnite' kannst du auch mithalten, wenn du nicht am besten mit deiner Waffe zielen kannst, aber ein talentierter Baumeister bist."

Was auch immer genau am Ende die Begeisterung erklärt: Der Hype um "Fortnite" hat seinen Höhepunkt wohl noch nicht erreicht. So ist erst an diesen Dienstag eine Version des Spiels für Nintendos Switch erschienen. Zudem hat Epic Games angekündigt, 100 Millionen Dollar in E-Sport-Turniere investieren zu wollen.

Bislang konnten erfolgreiche "Fortnite"-Spieler vor allem berühmt werden: Bald können sie dank solcher Preisgelder auch noch reich werden.


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