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14. Januar 2018, 09:20 Uhr

Foto-Tipps

Fotografie mit Drohnen

Von "Docma"-Autor Alexander Heinrichs

Das Fotografieren und Filmen mit Drohnen ist mittlerweile massentauglich. Da ist es Zeit, sich einmal mit den Besonderheiten der Luftbildfotografie auseinanderzusetzen. Das Fotomagazin "Docma" gibt Tipps.

Rechtliche Fragen

Zu Beginn ein wichtiger Hinweis: Auch wenn die Kameradrohnen immer kleiner werden und für jedermann verfügbar sind - es handelt sich nicht um ein Spielzeug, sondern bei unsachgemäßem Gebrauch um eine potenzielle Gefahrenquelle. Die Gesetzesänderung im April 2017 hat das Fliegen mit Drohnen neu geregelt. Für kleine, leichte Drohnen ist keine Aufstiegserlaubnis oder ein sogenannter Drohnenführerschein notwendig. Der Pilot braucht lediglich eine spezielle Haftpflichtversicherung für Modellflugzeuge, und sein Name samt Anschrift muss feuerfest an der Drohne angebracht sein.

Wichtig ist auch die Frage, wo Sie überhaupt fliegen dürfen. Bei Markenherstellern sind die sogenannten Flugverbotszonen, wie beispielsweise die nahe Umgebung von Flughäfen, bereits in der Steuerungs-App hinterlegt, sodass Sie diesbezüglich immer auf der sicheren Seite sind. Aber auch über Nationalparks, Privatgrundstücken oder Menschenansammlungen ist das Fliegen verboten. Außerdem gilt die Regel, dass sich die Drohne niemals außerhalb der Sichtweite des Piloten bewegen darf.

Einsatzgebiete

Nun könnten Sie fragen, wofür eine Drohne überhaupt geeignet ist, wenn man an vielen Orten gar nicht fliegen darf. Trotz aller Einschränkungen gibt es in der gewerblichen Fotografie eine Fülle von Einsatzgebieten: technische Inspektion von Bahntrassen, Stromleitungen oder anderen Industrieanlagen, Überwachung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen, Immobilen-Aufnahmen und auch Denkmalpflege - die Kontrolle der Fassaden von Kirchen und anderen Baudenkmälern erfolgt heute mit Drohnen.

Im Hobbybereich werden Drohnen häufig von Reisebloggern eingesetzt, um andere Perspektiven und Einblicke in das Reiseland zu ermöglichen. Aber auch hier gilt, sich vorab gut zu informieren, ob beziehungsweise wo man fliegen darf. Sportler nutzen Fotodrohnen gern, denn sie ermöglichen per Follow-me-Funktion hautnahe Aufnahmen und Videos, zum Beispiel beim Snowboarden, Mountainbiken oder Wasserskifahren, die sie auf anderem Wege nicht erhalten würden.

Auch immer mehr Fotografen steigen in die Fotografie mit Drohnen ein. Sie merken, dass eine Drohne inzwischen nicht mehr nur ein Spielzeug ist, mit dem man mal ein bisschen rumfliegen kann. Das Gerät ist tatsächlich eine zusätzliche Kamera, die Einblicke und Perspektiven ermöglicht, die mit einer normalen Kamera nicht oder nur sehr schwer erreicht werden können.

Welche Drohne?

Mit der steigenden Nachfrage nach Fotodrohnen wächst die Zahl ihrer Anbieter und Modelle. Preislich bewegen sich die Modelle zwischen 300 und mehreren Tausend Euro bis in den fünfstelligen Bereich. Für den ambitionierten Hobbyfotografen interessante Drohnen mit fest verbauter Kamera kosten zwischen 1000 und 2000 Euro. Die noch teureren Drohnen, die mit Systemkameras oder leichten DSLRs bestückt werden können, bleiben dann doch eher Berufspiloten vorbehalten. Die Wahl des Fotografen fällt dann je nach bevorzugtem Einsatzgebiet in der Liga bis 1500 Euro derzeit entweder auf kleine leichte Reisedrohnen wie die Mavic Pro beziehungsweise die YUNEEC Q500. Oder Sie nutzen eine größere Drohne wie zum Beispiel die Phantom 4, die über ein besseres Kameramodul verfügt und für anspruchsvolle Fotografen deutlich interessanter ist. Der größere Sensor sowie die Möglichkeit abzublenden ermöglichen eine sichtbar bessere Bildqualität.

Kameraeinstellungen für Foto und Video

Die meisten Drohnen bieten die Möglichkeit, im Raw-Format zu fotografieren, das Sie in jedem Fall für die beste Bildqualität nutzen sollten. Für gezieltes Fotografieren, und um vor allem beim Filmen immer eine gleichbleibende Bildwirkung zu erhalten, sollten Sie Automatikfunktionen nicht nutzen und sowohl die Belichtung als auch den Weißabgleich manuell einstellen. An der Phantom 4 beispielsweise blenden Sie für die beste Bildqualität auf f/5.6 ab. Bei dem kleinen Abbildungsmaßstab liegen sowieso alle Bereiche des Bildes in der Schärfeebene, so dass hier die Verwendung der Offenblende keinen Effekt hat. Belassen Sie den "Bildstil" auf normal; beim Punkt "Farbe" sollten Sie das "Cinelog"-Profil auswählen. Wenn mit der Drohne auch gefilmt wird, bietet dieses Profil die besseren Nachbearbeitungsmöglichkeiten. Das flachere Profil "D-Log" wäre zwar besser für späteres Color-Grading geeignet, fixiert jedoch leider die ISO-Empfindlichkeit bei dem hier eingesetzten Model von DJI auf 500, was bei Sonnenschein zu Problemen führen kann.

Motive

Das erste, was einem beim Thema Fotografie mit Drohnen einfällt, ist natürlich die Landschafts- und Architektur-Fotografie. Durch den erhöhten Aufnahmestandpunkt ergeben sich komplett neue Sichtweisen, auch bei bekannten Motiven. So kann vor allem die Weite einer Landschaft von oben viel beeindruckender dargestellt werden. Auch bei Architektur- Aufnahmen wird man auf Augenhöhe oft durch Passanten, Autos oder Pflanzen gestört.

Mit einem nur wenige Meter höheren Aufnahmestandpunkt dank Drohne entfallen solche Sichtbeeinträchtigungen, und stürzende Linien lassen sich vermeiden. Beachten Sie jedoch, dass bei dieser Anwendung die Panoramafreiheit nicht mehr gilt und Sie das Einverständnis der Eigentümer sowie auch der abgebildeten Personen benötigen.

Ein Genre, das vielleicht nicht sofort in den Sinn kommt, ist die People-Fotografie, doch auch dort ergeben sich durch eine Drohne komplett neue Möglichkeiten. Aufnahmen senkrecht von oben sind ohne Drohne nur mit einer aufwendigen Gerüstkonstruktion möglich - Aufnahmen über Wasser, wie die hier gezeigte Poolaufnahme, wären ohne Drohne nicht durchführbar. Unmöglich sind mit normalen Kameras auch Außenaufnahmen von Models auf Balkonen oder an einer Klippe, es sei denn, Sie chartern einen Helikopter.

Besonders spannend ist übrigens die Suche nach abstrakten Bildmotiven. Diese finden sich sowohl in der Natur wie auch im urbanen Umfeld, hier ist es nur wegen der Flugverbote schwieriger, diese auch zu fotografieren. In den meisten Fällen gelingen solche Aufnahmen am besten, wenn die Kamera senkrecht nach unten gerichtet ist.

Geeignet als Motiv sind kunstvoll angelegte Gärten, Straßen, die sich durch einen Wald oder ein Gebirge schlängeln, und vieles mehr.

Fazit

Drohnen sind heute nicht mehr nur ein Spielzeug, sondern in einigen Fällen eine sinnvolle Ergänzung zur normalen Fotoausrüstung, denn mit einer Fotodrohne bekommt man eine Kamera, die dem Fotografen komplett neue Sichtweisen und Perspektiven ermöglicht.


Viele weitere Tipps zum Fotografieren und Filmen mit Drohnen finden Sie in der "Docma" 80 (Heft 1/2018) auf den Seite 40 bis 45.

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