Foto-Tipps So machen Sie gute Bilder bei schlechtem Licht

Bei schlechten Lichtverhältnissen haben Fotografen meistens mit zwei Problemen zu kämpfen: Verwacklungen und Bildrauschen. Das Magazin "Docma" erklärt, wie doch noch gute Bilder entstehen.
Von Olaf Giermann
Radler bei Nacht

Radler bei Nacht

Foto: Christopher/ stock.adobe.com

In der Fotografie ist der limitierende Faktor bei jeder Aufnahme das Licht. Je nach Aufnahmesituation und gerade vorhandenem Kamera- und Beleuchtungs-Equipment müssen Sie für das bestmögliche Foto den optimalen Kompromiss bei den Kameraeinstellungen finden.

Dabei jonglieren Sie vor allem zwischen Rauschen, Verwacklung und Bewegungsverwischung. Im Folgenden wird erklärt, welche Kameraeinstellungen empfehlenswert sind und was Sie in der Nachbearbeitung tun können, um die bestmögliche Bildqualität zu erhalten.

Verwacklungen vermeiden

Um Verwacklungen bei Freihandfotos zu vermeiden, muss die Belichtungszeit möglichst kurz sein. Dafür müssen Sie bei schwachem Licht höhere ISO-Werte nutzen. Das verstärkt leider das Rauschen. Folgende vier Vorgehensweisen helfen dabei, unverwackelte Fotos zu erhalten.

  • Kurze Belichtungszeit wählen

Ein Stativ hat man leider nicht immer dabei, denn es ist oft sperrig und schwer. Zudem hilft es wenig, wenn Sie zum Beispiel auf einer Brücke fotografieren, die durch starken Verkehr oder Wind schwingen beziehungsweise vibrieren kann, was dann wiederum zu einer Verwacklung des Fotos führt. Wählen Sie also eine so kurze Verschlusszeit, dass Sie aus freier Hand ein scharfes Bild erhalten; erhöhen Sie gegebenenfalls den ISO-Wert, um dies bei der gewählten Blende zu ermöglichen.

Den Richtwert für verwacklungsfreie Aufnahmen ermitteln Sie für das Kleinbildformat mit der Formel Verschlusszeit = 1/Brennweite in mm. Bei den hohen Auflösungen der Fotos aus aktuellen Kameras können Sie auf Pixelebene dabei häufig noch Verwacklungen sehen. Möchten Sie diese vermeiden, um etwa auch Ausschnitte des Fotos großformatig verwenden zu können, sollten Sie die Verschlusszeit eher nach der Formel 1/(Brennweite × 2) oder gar 1/(Brennweite × 4) ansetzen. Bei einem 70 mm-Objektiv wären Sie also mit einer Verschlusszeit von einer 1/280 s auf der sicheren Seite.

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Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung

Januar/ Februar 2018

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  • Mit Offenblende fotografieren

Wenn Sie ein Objektiv mit einer großen Anfangsblendenöffnung einsetzen, sollten Sie bei schlechten Lichtbedingungen die größtmögliche Blende ( = kleinstmögliche Blendenzahl) nutzen. Dadurch gelangt mehr Licht auf den Sensor, was es Ihnen ermöglicht, bei kürzeren Verschlusszeiten zu arbeiten, ohne die ISO-Zahl zu erhöhen.

  • Bildstabilisator einschalten

Falls Ihre Kamera oder das verwendete Objektiv einen Bildstabilisator hat, gewährt dieser längere Belichtungszeiten. Dadurch können Sie einen kleineren ISO-Wert einstellen, um das Bildrauschen zu vermindern. Moderne Bildstabilisatoren ermöglichen eine Kompensation von bis zu fünf Belichtungsstufen. Leider hilft ein Bildstabilisator nicht, wenn Sie bewegte Objekte oder Personen scharf abbilden wollen. In dem Fall bleibt nur, die kürzestmögliche Belichtungszeit zu wählen, um Wischeffekte zu reduzieren.

ISO-Automatik

Viele Kameras bieten in den Einstellungen die Möglichkeit, eine ISO-Automatik zu aktivieren. Sie ist bei häufig wechselnden Lichtverhältnissen ein echte Hilfe für die beste, unverwackelte Bildqualität.Sie definieren einen ISO-Bereich zwischen einem minimalen und einem maximalen Wert. Die Kamera wählt je nach Belichtungsprogramm automatisch den geringstmöglichen, aber maximal nötigen ISO-Wert für eine Aufnahme. Einige Kameras erlauben es auch, hier eine längste Belichtungszeit vorzugeben, so dass die Kombination aus Verschlusszeit und ISO bei vorgewählter Blende (Modus A beziehungsweise Av) optimiert wird. Auf diese Weise erhalten Sie verwacklungsfreie Fotos mit minimalem Rauschen bei gutem und je nach gewähltem Maximalwert kräftigerem Rauschen bei schlechtem Licht.

  • Die Schnellfeuermethode einsetzen

Aufgrund des physiologischen Tremors hat kein Mensch absolut ruhige Hände, so dass ein Foto schnell mal verwackeln kann. Wenn Sie von einem Motiv, das Ihnen sehr gut gefällt, nur ein einziges Foto machen und hinterher zu Hause feststellen, dass gerade dieses eine Foto verwackelt ist, dann ist das sehr ärgerlich. Nehmen Sie deshalb zur Sicherheit mindestens ein weiteres Bild auf. Im Gegensatz zu analogen Zeiten sind redundant aufgenommene Fotos ja kein Kostenfaktor mehr.

Serienbildmodus

Serienbildmodus

Foto: Olaf Giermann/ DOCMA

Tatsächlich können Sie diese Methode auch sehr gut bei Nachtaufnahmen mit dem Smartphone nutzen. Viele Geräte ermöglichen mehrere Aufnahmen pro Sekunde, indem Sie den Auslöser gedrückt halten. Durch den Serienbildmodus können Sie auch die Kamera ruhiger halten, da gerade durch Betätigen des Auslöser leicht verwackelt wird. Später können Sie dann das schärfste Foto auswählen und die anderen löschen.

Ein Beispiel: In der Fotos-App von macOS werden mit dem iPhone als Serie fotografierte Fotos als Bildstapel angezeigt, aus dem man den besten Kandidaten auswählen kann. Das Prinzip lässt sich jedoch mit jeder Kamera und Software (etwa Lightroom) umsetzen. Das Ganze hat eigentlich nur einen Nachteil: Sie müssen später zeitaufwendig sehr viele Bilder aussortieren.


Verwacklungen reduzieren

Die meisten verwackelten Fotos löschen Sie sicherlich sofort bei der Bildsichtung. Aber einige Schnappschüsse sind dann vielleicht doch zu gut oder mit Emotionen verbunden, so dass man sich wünscht, diese Fotos per Bildbearbeitung zu retten. In einem gewissen Umfang funktioniert das sogar - dank Filtern und Plug-Ins.

In Photoshop CC können Sie geringe Verwischungen (siehe Bildbeispiel a) mit "Scharfzeichnungsfilter > Verwacklung reduzieren" abmildern (siehe Bildteil b). Klicken Sie dort auf "Erweitert " und platzieren Sie den quadratischen "Schätzungsbereich" über dem zu verbessernden Motiv. Es wird automatisch eine "Verwacklungsspur" geschätzt.

Foto: Olaf Giermann/ DOCMA

Sollte Sie das Ergebnis noch nicht zufriedenstellen, variieren Sie das "Verwacklungsspur-Limit". Sollten Bildartefakte stören, können Sie mit "Glättung" und "Artefaktunterdrückung " eingreifen. Es gibt zwar weitere Möglichkeiten, aber wenn Sie mit den genannten nicht zu einem befriedigenden Ergebnis kommen, ist das Foto wahrscheinlich zu stark verwackelt.

Tipp: Nutzer früherer Photoshop-Versionen sollten einmal einen Blick auf die Plug-ins "Piccure" und "Topaz InFokus" werfen.


Viele weitere Tipps für gute Bilder bei schlechtem Licht finden Sie in der "Docma" 80 (Heft 1/2018)  auf den Seite 15 bis 25.

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