Islamistische Botschaften Hacker greifen Dutzende französische Websites an

Nach einem Cyberangriff zeigten französische Websites islamistische Botschaften. Hintergrund ist wohl die Ermordung des Lehrers Samuel Paty und Präsident Macrons Reaktion darauf.
Anti-Macron-Protest in Bangladesch: Demonstrationen und Boykottaufrufe gegen Frankreich

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Foto: Mahmud Hossain Opu / AP

In Frankreich haben Hacker Dutzende Internetseiten angegriffen und darauf islamistische Propaganda veröffentlicht. Botschaften wie "Sieg für Mohammed, Sieg für den Islam und Tod für Frankreich" wurden am Montag auf den Websites von Rentnervereinigungen, Unternehmen und kleinerer Orte angezeigt. Zudem wurde eine Bildmontage von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gepostet, die ihn als Schwein zeigt.

Die französische Anlaufstelle für Opfer von Cyberattacken hatte bereits am Sonntag auf Twitter einen Hinweis veröffentlicht , dass eine "Welle von Cyberangriffen" auf "viele französische Websites" abziele. "Mehrere Dutzend Websites, vielleicht hundert, sind betroffen", sagte der französische IT-Sicherheitsexperte Gérôme Billois. Er sprach von einer "klaren politischen Botschaft" und erinnerte an eine Welle ähnlicher Angriffe, die nach den islamistischen Anschlägen im Januar 2015 mehr als tausend französische Internetseiten traf.

Hintergrund dürfte der Streit über Macrons Reaktion auf die mutmaßlich islamistisch motivierte Ermordung des Geschichtslehrers Samuel Paty nahe Paris sein. Paty hatte im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt. Macron hatte strengere Kontrollen von Moscheen und anderen muslimischen Einrichtungen angekündigt.

Macrons Äußerungen, unter anderem dazu, auch künftig nicht auf Karikaturen zu verzichten, sorgten in der arabischen Welt teilweise für Empörung. In mehreren muslimisch geprägten Staaten gab es am Wochenende Proteste und Boykottaufrufe gegen Frankreich, die sich auch zu Wochenbeginn fortsetzten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warf Macron Islamfeindlichkeit vor und riet dem Präsidenten, seinen "Geisteszustand untersuchen" zu lassen .

juh/AFP