Krieg der Zukunft Liebe Leserin, lieber Leser,

Foto: SPIEGEL ONLINE

ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas mal schreiben würde, aber: Die französische Armee hat ein paar Traumjobs zu vergeben. Eine Unterabteilung des französischen Verteidigungsministeriums sucht "vier oder fünf" Science-Fiction-Autoren, die sich Szenarien ausdenken sollen, in denen "disruptive" Technik von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren für Angriffe gegen den Staat eingesetzt wird.

So steht es in einem neuen Dokument  der erst im vergangenen Jahr gegründeten Agence de l'innovation de défense. Die will ein "Red Team" aufbauen, das zu Ende denken soll, welche Bösartigkeiten heute schon möglich wären und wie man sich gegen sie verteidigen könnte. Oder wie es im Dokument heißt: "Innovationsanstrengungen durch Vorstellungskraft lenken".

Vive la France!

Vive la France!

Foto: Neil Hall/REUTERS

"Red Teams" simulieren einen angreifenden Feind, in militärischen Planspielen oder auch in Penetrationstests, mit denen die technischen und organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen eines Unternehmens auf die Probe gestellt werden.

Die Autorinnen oder Autoren, die sich neuartige Angriffe auf Frankreich ausdenken sollen, müssen nicht einmal besonders talentiert sein, was ihre literarischen Fähigkeiten angeht. Denn ihre Werke sollen geheim bleiben, und ihren wenigen Lesern im Militär sollen sie notfalls einfach ein paar "zusammenfassende Notizen" schicken.

Ich finde die Idee richtig gut. Nicht zuletzt, weil ich selbst schon eine ähnliche hatte: Anfang 2018 schlug ich Facebook vor, einen Chief Devil Officer einzustellen, einen Teufel vom Dienst. Der sollte sich den ganzen Tag kreative Wege ausdenken, Facebooks Produkt oder Funktionen zu missbrauchen - bevor es jemand anderes tut.

Dass eine Armee nicht überrascht werden will, ist auch nachvollziehbar. Entscheidend dafür ist, dass sie die schnelleren Vordenker findet als die wirklichen Feinde Frankreichs.

Die Stellenausschreibungen der Agence de l'innovation de défense finden sich übrigens hier , falls jemand über einen Jobwechsel nachdenkt.

Seltsame Digitalwelt: Die wahre Gefahr durch E-Scooter

Zivilisationskrankheiten: Handydaumen und Scooter-Hand

Zivilisationskrankheiten: Handydaumen und Scooter-Hand

Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Vor einigen Tagen überholte ich auf dem Fahrrad zwei junge Frauen, die offenbar zum ersten Mal E-Scooter ausprobierten. Dabei hörte ich eine von ihnen jammern: "Mein Handgelenk tut voll weh vom Gasgeben!"

Tags darauf stieg ich selbst zum ersten Mal auf einen der akkubetriebenen Tretroller, um die dazugehörige App und natürlich das Fahrgefühl kennenzulernen - und wusste schon nach wenigen Minuten, was die junge Frau gemeint hatte. Wer die Griffe etwas verkrampft anfasst, zum Beispiel auf leicht ruckeligem Untergrund, spürt das schnell im Handgelenk, insbesondere auf der Seite mit dem kleinen Gashebel.

Ich prognostiziere ein neues Krankheitsbild: Nach dem Tennisarm kam der Mausarm, dann der Handydaumen - und demnächst steht im Pschyrembel die Scooter-Hand.


App der Woche: "Flashback"
getestet von Tobias Kirchner

App der Woche KW30/ Flashback

App der Woche KW30/ Flashback

Foto: SFL Games

"Flashback" ist ein Stück Games-Geschichte. Als das Spiel in den Neunzigerjahren herauskam, waren die meisten Spielwelten bunt und die Geschichten, die erzählt wurden, simpel. "Flashback" versuchte hingegen, eine erwachsene und ernste Geschichte zu erzählen, die direkt aus einem Science-Fiction-Film kommen könnte: Der Held muss sich in einer fremden Galaxie behaupten.

Neben der Inszenierung war "Flashback" auch technisch ein Stück weit Pionierarbeit. Denn viele Spielhintergründe sind von Hand gezeichnet, und für die Animation der Figuren wurde eine damals neue Technik benutzt. Wer also Interesse an Videospiel-Geschichte und einem spannend inszenierten Klassiker hat, sollte "Flashback" eine Chance geben.

Für 4,49 Euro (Android) oder für 5,49 (iOS), von SFL Games: Android , iOS 


Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Was die Software von "Apollo 11" über die Programmiererin hinter der Mondmission verrät"  (vier Leseminuten)
    Zur 50-Jahr-Feier der Mondlandung hat Haluka Maier-Borst in der "NZZ" ein Porträt der legendären Nasa-Programmiererin Margaret Hamilton veröffentlicht - anhand der Kommentare im "Apollo 11"-Code, den sie und ihr Team schrieben.
  • "EU-Staaten lehnen einstimmig schärfere Exportkontrollen für Spähsoftware ab"  (fünf Leseminuten)
    Die EU-Kommission will seit 2016 den Export von Überwachungstechnik neu regeln, damit europäische Produkte nicht mehr so einfach bei Despoten in aller Welt landen, die damit Menschenrechte verletzen. Doch die Mitgliedstaaten inklusive Deutschland sind dagegen, wie Daniel Moßbrucker auf Netzpolitik.org berichtet.
  • "An Analysis of WeChat's Realtime Image Filtering in Chats"  (engl., 25 Leseminuten)
    Das Citizenlab an der Universität Toronto hat mit allerhand Tricks die Filtertechnik untersucht, mit der WeChat in Echtzeit Bilder für seine chinesischen Nutzer zensiert. Eines der vielen interessanten Ergebnisse: Gruppenchats zensiert WeChat-Betreiber Tencent schärfer als Einzelchats - offenbar wird ein größeres Publikum als größere Gefahr für die "harmonische Gesellschaft" Chinas betrachtet.

Ich wünsche Ihnen eine sonnige Woche.

Ihr Patrick Beuth

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