Video im Netz Russische Komiker zeigen Ausschnitt von Giffey-Gespräch mit Fake-Klitschko

Zwei Pro-Putin-Satiriker hatten Franziska Giffey vorgespielt, dass sie mit Vitali Klitschko telefoniert. Nun veröffentlichte Aufnahmen vermitteln einen Eindruck davon, wie es in dem Videocall zuging.
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey: Ein Fake-Klitschko in der Leitung

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey: Ein Fake-Klitschko in der Leitung

Foto: Reddit

Die russischen TV-Unterhalter Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow alias »Vovan und Lexus« haben am Donnerstag Ausschnitte aus ihrem Anruf bei Franziska Giffey (SPD) ins Netz gestellt . Ende Juni war es den beiden Satirikern gelungen, ein 30-minütiges Videotelefonat mit der Berliner Bürgermeisterin zu führen, bei dem sie Giffey vorgaukelten, sie würde mit dem Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko sprechen.

Bereits kurz nach dem Gespräch wies die Berliner Senatskanzlei darauf hin, dass man während des Anrufs misstrauisch geworden sei und das Gespräch abgebrochen habe . Allerdings sprach die Senatskanzlei damals davon, dass »allem Anschein nach« ein computergenerierter Deepfake zum Einsatz kam, also eine relativ aufwendige Täuschungsmethode. Es habe keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die Videokonferenz nicht mit einer echten Person geführt wurde, hieß es zunächst.

Der Fake-Klitschko spricht Russisch statt Deutsch

In den nun veröffentlichten Ausschnitten ist zwar das Bild des Fake-Klitschkos nicht zu sehen, allerdings ist seine Stimme zu hören. In dem Videocall mit Giffey klang der vermeintliche Klitschko den Clips zufolge durchaus hörbar anders als das Original. Hier finden Sie ein Beispiel dafür , wie es klingt, wenn Kiews Bürgermeister zum Beispiel im deutschen Fernsehen zu Wort kommt.

Üblicherweise spricht Klitschko mit deutschen Journalisten und Politikern auch Deutsch, im Videoanruf mit Giffey allerdings äußert sich der Fake-Klitschko auf Russisch. Die Aussagen von ihm und von Giffey werden anschließend offenbar jeweils übersetzt. Da in den am Donnerstag veröffentlichten Ausschnitten nur Giffey selbst gezeigt wurde, gibt es keine neuen Hinweise dazu, welchen optischen Trick die Komiker einsetzten, um die Bürgermeisterin zu täuschen.

Eine Sprecherin des Berliner Senats erklärte zu dem nun veröffentlichten Mitschnitt, dass er keine Überraschungen beinhalte. Man habe ja bereits ausführlich zu Ablauf und Gesprächsinhalten Bericht erstattet. »Nach dem Videocall hatten wir den Fall direkt öffentlich gemacht, sind sehr offen und transparent damit umgegangen und haben den Stein damit ja erst ins Rollen gebracht«, so die Sprecherin.

Russische Komiker verdrehen Giffeys Äußerungen

Verfängliche oder ungeschickte Aussagen hört man von Franziska Giffey in den nun veröffentlichten Gesprächsausschnitten nicht, obwohl die Pro-Putin-Komiker es wohl auf genau solche Zitate anlegten. Als der Fake-Klitschko sie beispielsweise fragt, ob Berlin dabei helfen könne, eine »Gay-Parade« in Kiew veranstalten zu können, sagt Giffey knapp, dass Berlin viel Erfahrung bei dem Thema habe und grundsätzlich bei der Organisation Rat geben könne.

An anderer Stelle spricht sie darüber, wie Deutschland und speziell die Stadt Berlin Geflüchtete aus der Ukraine aufnimmt und diese im weiteren Bundesgebiet verteilt. In einer von »Vovan und Lexus« auf der Plattform Reddit veröffentlichten Zusammenfassung  heißt es allerdings, Giffey würde bestätigen, dass es »gravierende Probleme mit den ankommenden Flüchtlingen gebe«. Davon ist in den veröffentlichten Gesprächsausschnitten nichts zu hören. Die Berliner Senatskanzlei dementiert, dass Giffey eine entsprechende Aussage in dem Gespräch gemacht hat.

Auch in den von den Komikern mit veröffentlichten Untertiteln zum Video werden Giffey an mehreren Stellen fälschlich zugespitzte Formulierungen in den Mund gelegt.

Auftritt von deutscher Pro-Kreml-Influencerin

Eine Kurzfassung des Gesprächs hat das Komiker-Duo auf seinem Kanal bei der russischen YouTube-Alternative Rutube hochgeladen. Dort ist das Giffey-Gespräch in eine produzierte TV-Sendung eingebunden, in der auch die bekannte deutsche Verschwörungserzählerin Alina Lipp auftritt.

In der Sendung von »Vovan und Lexus« darf Lipp dem russischen Publikum offenbar die Lage in Deutschland erklären. Lipp versorgt ihre Follower auf Telegram gern mit Pro-Kreml-Propaganda und spricht etwa davon, dass die Gräueltaten von Butscha eine »Inszenierung des Kiewer Regimes für die westlichen Medien« seien. (Lesen Sie hier mehr über die Putin-treue Influencerin.)

Die beiden Satiriker hatten außer Giffey auch schon andere Politiker wie den Bürgermeister von Warschau, Rafał Trzaskowski, oder auch Boris Johnson, Justin Trudeau und EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hereingelegt. Ähnlich wie im Gespräch mit Giffey stellten sie dabei Fragen, die die westlichen liberalen Demokratien offenbar in ein schlechtes Licht rücken sollten. »Hat Europa Geld für Geflüchtete?«, hieß es in älteren Veröffentlichungen, oder auch: »Welche Gefahren können auf ukrainische Frauen im EU-Gebiet lauern?«

Bezahlt werden »Vovan und Lexus« von der Plattform Rutube, die wiederum zum russischen Staatskonzern Gazprom gehört. Das erklärten die beiden Komiker Anfang Juli im Gespräch mit dem ARD-Magazin »Kontraste« .

Mitarbeit: Anika Zeller
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.