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29. Juli 2011, 11:16 Uhr

Freundliche Übernahme

Google lockt Webmaster mit kurzen Ladezeiten

Mehr Speed für alle, die Google vertrauen: Mit dem neuen "Page Speed Service" sollen die Ladezeiten von Websites kürzer werden. Dazu schreibt der Konzern den Quellcode um - und speichert Dateien auf seinem eigenen Servernetz.

Berlin - Mit einem Beschleunigungsdienst für Websites will Google Webmastern helfen. Das Motto des "Page Speed Service": Gib uns die Daten deiner Website, und wir bereiten sie so auf, dass sie schneller bei deinen Anwendern ankommen - und deine Seite attraktiver machen. Möglich soll der Tempo-Boost werden, weil viele Websites nicht auf schnelle Ladezeiten hin optimiert seien. Das will Google jetzt automatisiert übernehmen. Außerdem sollen die Seiten über Googles Rechenzentren rund um die Welt ausgeliefert werden, so verkürzt das Unternehmen die Entfernung zwischen Website und Websurfer.

25 bis 60 Prozent mehr Geschwindigkeit seien möglich, erklärt Page-Speed-Entwickler Ram Ramani im Google-Code-Blog. Wer will, kann es gleich selbst ausprobieren. Erste Tester kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen: Etliche Kommentatoren beklagen Geschwindigkeitseinbrüche bei ihren Websites - gerade, wenn diese eigentlich schon optimiert waren. Kein Wunder, hält Entwickler Ramani entgegen, Googles Page-Speed-Server seien gerade ein wenig überlastet. Er rät, es einfach später noch einmal zu versuchen.

Ein Bedenken, das Ramani aber nicht ausräumen kann, ist das Misstrauen gegenüber Google: Sollen Webmaster wirklich dem mächtigen Konzern auch noch die Kontrolle über ihre Website an den Internet-Konzern abgeben, lautet eine der ersten Fragen zum neuen Dienst. So erfährt Google zwangsläufig etwas über die Besucher der Seiten, zum Beispiel, woher sie kommen und was sie anklicken.

Kritikwürdig finden die Kommentatoren von Hacker News auch, was "Page Speed Service" für einen Surfer bedeute: Solange findige Programmierer keine Browser-Erweiterungen entwickeln, die derart von Google optimierte (und kontrollierte?) Websites erkennen, weiß ein Webbesucher praktisch nicht, ob er gerade über Googles Server sensible Daten verschickt. Für Anwender, die ihre Daten nicht dem US-Unternehmen anvertrauen wollen, ist das ein Datenschutz-Problem.

Aber es gibt noch einen dritten Aspekt: Die Reaktionen von Dienstleistern, die selbst Websites beschleunigen. Googles größter Konkurrent in diesem Bereich, Cloudflare, nimmt die Veröffentlichung sportlich. Man kenne viele Mitglieder aus dem Page-Speed-Team, es sei toll, zu sehen, dass auch andere smarte Firmen dasselbe Feld beackerten. Und niemand sei daran gehindert, zusätzlich zu Cloudflares Diensten auch noch Googles Page-Speed auf seine Website loszulassen. Der Cloudflare-Chef gibt sich optimistisch: Vielleicht biete man Page Speed ja eines Tages als Cloudflare-App an.

fko

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