Bundesligaprofis auf Instagram Mein Auto, mein Steak, mein Friseur

Die Spieler welcher Bundesligavereine posten die meisten Bilder und Videos? Und welcher Kader ist digital am stärksten vernetzt? Zwei Studenten haben die Instagram-Aktivitäten Hunderter Fußballer durchleuchtet.

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Ein Interview von


"Entscheidend is' auf 'm Platz"? Nicht nur. Fast alle Fußballprofis stehen auch in den sozialen Medien im Fokus der Öffentlichkeit. Instagram, Facebook und Twitter helfen bei der Markenbildung und beim Austausch mit den Fans. Gepostet werden Spielszenen - aber zum Beispiel auch Pärchen-, Familien- oder Autofotos. Soziale Netzwerke seien "für die Inszenierung der Stars heute unerlässlich", sagte Sascha Lobo kürzlich.

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Spieler wie Dortmunds Marco Reus haben allein auf Instagram mehr als sieben Millionen Follower - Bayerns James Rodríguez kommt gar auf über 41 Millionen. Manchmal reicht schon ein Kommentar oder eine Handvoll Klicks für die nächste Boulevard-Geschichte. Dann titelt beispielsweise RTL: "Mats Hummels verteilt fleißig Herzchen - Mats Hummels likt Bilder von Lena Meyer-Landrut: Das sagt Ehefrau Cathy dazu."

Zu Schlagzeilen führen auch gern mal Pannen beim Produkte-Präsentieren oder verbale Ausraster wie der "F**** eure Mütter"-Post, den Franck Ribéry absetzte, nachdem er für den Verzehr eines Steaks mit Blattgold-Überzug kritisiert wurde.

Hunderte Instagram-Profile im Blick

Während über einzelne Fotos und Sprüche der Stars häufig berichtet wird, finden die Online-Verbindungen der Spieler weniger Beachtung. Zwei Studenten aus Berlin ändern das: Sie haben über Monate hinweg - vom Saisonstart bis zum 30. Spieltag - die Aktivität der Accounts aller auf Instagram vertretenen Erstligaprofis ausgewertet, mit der Ausnahme von Instagram-Storys.

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Fußballer auf Instagram: Einige Ergebnisse des Projekts Instaball

Ihre Ergebnisse präsentieren Clemens Kommerell und Jakob Fuchs an diesem Mittwochabend auf der Berliner Digitalkonferenz re:publica (Stage 4, 18 Uhr). Dort erzählen sie auch von einem selbst entwickelten Marktwert, der aus Instagram- und Leistungsdaten entsteht: dem Instaball-Marktwert. Die Auswertungen der Studenten lassen sich zudem auf der Website Instaball.de durchklicken, in Form zahlreicher interaktiver Grafiken. Der SPIEGEL hat vorab mit Kommerell und Fuchs gesprochen.

SPIEGEL: Herr Kommerell, Herr Fuchs, welche Bedeutung hat Instagram für Fußballer?

Kommerell: Es ist für sie der wichtigste Social-Media-Kanal. Was für Journalisten Twitter ist, ist für Bundesligaprofis Instagram. 92 Prozent aller Erstligaspieler haben dort einen Account.

SPIEGEL: Wie viel postet ein Spieler üblicherweise?

Kommerell: Jeder Bundesligaspieler hat in dieser Saison im Schnitt 23 Bilder oder Videos veröffentlicht, also gut alle zehn Tage etwas. Relativ wenige Postings gibt es Freitagabend, sehr viele Samstagabend nach den 15.30-Uhr-Spielen. Am häufigsten etwas gepostet haben diese Saison Thomas Müller, Frankfurts Jetro Willems und Jérôme Boateng.

SPIEGEL: Und wer bekommt die meisten Likes?

Fuchs: Bayern- und Dortmund-Spieler, die sind da gefühlt uneinholbar vorn. Allein ein James Rodríguez sammelt pro Foto durchschnittlich eine Million Likes. Die Bayern-Spieler posten im Schnitt aber auch am meisten. Es folgen die Spieler von Dortmund und Frankfurt (siehe Fotostrecke).

SPIEGEL: Sind Bayern-Profis besonders zeigefreudig?

Fuchs: Die hohe Zahl der Postings könnte eine Marketingstrategie sein - aber sich auch damit erklären lassen, dass es mehr Spaß macht, Instagram zu nutzen, wenn man Erfolg hat. Lieber freut man sich dort über einen Sieg, als dass man sich für eine Niederlage entschuldigt.

Kommerell: Es liegen auch die Vereine vorne, deren Spieler durch europäische Wettbewerbe, den DFB-Pokal oder Länderspiele mehr Partien bestreiten. Spielt man wie Frankfurt lange in der Europa League, hat man mehr Gelegenheiten, Bilder aus dem Flugzeug zu posten.

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SPIEGEL: Wie viel Inhalt stammt von den Profis selbst?

Kommerell: Der überwiegende Teil - auch wenn manchmal vielleicht Berater dazu drängen, mal wieder etwas zu posten. Viele Fotos sind in so privaten Situationen gemacht, da war auf keinen Fall ein Fotograf dabei. Direkt vom Verein kommen meistens wohl die geposteten Sportbilder.

Fuchs: Dafür, dass die Spieler Instagram fast alle selbst nutzen, spricht auch, dass die Accounts überwiegend vielen ganz gewöhnlichen Accounts, Konsumentenmarken sowie Unterhaltungs- und journalistischen Kanälen folgen, denen man üblicherweise nur folgt, wenn man ihre Inhalte wirklich konsumieren will.

Zu den Personen
  • SPIEGEL ONLINE
    Jakob Fuchs, 27, und Clemens Kommerell, 23, sind Masterstudenten der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin. Beide sind seit vielen Jahren Fußballfans. An ihrem Datenprojekt "Instaball" arbeiten sie seit gut einem Jahr. Es ist teilweise ein Uniprojekt, zu einem großen Teil wurde es aber auch in der Freizeit vorangetrieben.

SPIEGEL: Wer hat keinen Instagram-Account?

Kommerell: Zum Beispiel der im Januar vom FC Bayern nach China gewechselte Sandro Wagner und Werder Bremens Maximilian Eggestein. Allgemein gibt es bei Werder vergleichsweise wenige Spieler mit Account.

Fuchs: Die meisten Follower in Relation zur Postingzahl hat Arjen Robben: Er hat nur ein einziges Bild veröffentlicht, aber rund eine Million Follower.

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SPIEGEL: Wem folgen Fußballer auf Instagram?

Kommerell: Vor allem anderen Fußballern. Cristiano Ronaldo etwa hat rund jeden zweiten Bundesligaspieler als Follower. Ansonsten privaten Accounts, die vermutlich Freunden oder Familienmitgliedern gehören. Gefolgt wird aber auch Marken und Unterhaltungsseiten. Politischen Seiten kaum.

Fuchs: Viele Spieler folgen auch Friseuren und Tattoo-Studios. Der populärste Friseur der Liga ist laut Instagram Mustafa Mostafa aus Essen. Ihm folgen über 30 Spieler von diversen Vereinen, darunter Leon Goretzka und Marius Wolf.

SPIEGEL: Wie viel verrät Instagram über das Innenleben der Teams?

Kommerell: Einiges, denn wir haben nicht nur untersucht, wer wem folgt oder nicht mehr folgt, sondern zum Beispiel auch, wer wen auf Bildern oder in Bildunterschriften vertaggt. Die Verbindungen haben wir in Netzwerken visualisiert (siehe Fotostrecke).

Fuchs: Die lassen Rückschlüsse auf den sozialen Status von Spielern zu. Wenn ich Manager bin und einen Spieler kaufen will, kann ich aus unseren Netzwerken ablesen, wie gut jemand in sein Team integriert ist. Nils Petersen etwa ist beim SC Freiburg offenbar integraler Bestandteil der Mannschaft, er ist sehr vernetzt.

SPIEGEL: Und wer ist der Bestvernetzte der Liga?

Fuchs: Viele Spieler folgen Jérôme Boateng, ebenso Marco Reus und Mario Götze. Was auf Gegenseitigkeit beruhende Vernetzungen betrifft, liegt aber Dortmunds Maximilian Philipp vorn. Das könnte daran liegen, dass er zuvor schon bei Freiburg gespielt hat und über die Jugendnationalmannschaften auch noch Spieler anderer Teams kennt.



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