Game Bytes Kriegsspiele ums Öl

An gleich zwei Fronten gibt es für die USA Ärger um Öl und Spiele. In Iran wird ein Spiel entwickelt, in dem man das US-Militär austricksen soll. In Venezuela regt sich derweil Protest gegen eine angebliche "Psychoterrorkampagne" gegen das Land - per Videospiel.

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"Da die Diplomatie offensichtlich nicht funktioniert und es unwahrscheinlich ist, dass Sanktionen implementiert werden, muss die Lösung durch militärisches Handeln erreicht werden." Diese Einschätzung der Lage im Konflikt mit Iran um das Nuklearprogramm des Landes stammt glücklicherweise nicht aus einem Dokument des US-Militärs - sondern aus der Beschreibung einer Mission für das fragwürdige Spiel "Kuma: War". Aktuelle "Missionen", die die Spieler dafür herunterladen können, lassen nach Einschätzung des Unternehmens "Schlagzeilen spekulativ lebendig werden" - und seien es die befürchteten Schlagzeilen von morgen.

"Assault on Iran": "Schlagzeilen lebendig werden lassen"

"Assault on Iran": "Schlagzeilen lebendig werden lassen"

Die Mission mit dem Titel "Assault on Iran" erhitzte vergangenes Jahr die Gemüter, die iranische Presse schäumte, SPIEGEL ONLINE berichtete. Nun scheinen sich die damals Provozierten eine Retourkutsche ausgedacht zu haben. Als "Commander Bahman" soll man in einem angeblich geplanten Spiel der Studentengruppe "Union of Islamic Student Societies" den bösen imperialistischen Aggressoren eins auswischen können.

Die Agentur AFP zitiert aus einer Meldung der iranischen Agentur Fars, das noch namenlose Spiel handelt von einer Entführung: Der 30-jährige Ingenieur Sayid Kusha wird demnach von amerikanischen Truppen gekidnappt - ausgerechnet während er ins schiitischen Muslimen heilige Kerbela pilgert. "Commander Bahman", ein abgebrühter Veteran des ersten Golfkrieges - Iran gegen Irak - wird abgestellt, um den Ingenieur zu retten. Acht Level soll das Spiel haben, bis März 2007 spätestens soll es auf den Markt kommen. Mehr erfuhr auch Reuters auf Nachfrage bei der "Union of Islamic Student Societies" nicht.

Ärger in Venezuela

Während also im Osten an antiamerikanischen Spielen gewerkelt wird, erregen sich in Südamerika Gegner der Regierung George W. Bush über amerikanische Mainstreamprodukte: In "Mercenaries 2: World in Flames" geht es um eine Invasion in Venezuela. Anhänger des international umstrittenen Präsidenten Hugo Chavez, ein erklärter Kritiker der US-Politik, werfen den Entwicklern nun vor, die Amerikaner auf einen Einmarsch der USA in Venezuela vorzubereiten - vorsorgliche Game-Propaganda gewissermaßen.

"Die Amerikaner wissen, wie man eine Psychoterrorkampagne inszeniert, der später die Realität folgt", so der Abgeordnete Ismael Garcia laut AP. Seine Kollegin Gabriela Ramirez soll gar von einer "Rechtfertigung für eine imperialistische Aggression" gesprochen haben.

Chris Norris vom Hersteller Pandemic findet nicht, dass das Spiel ein imperialistisches Propagandaprodukt ist. Die Geschichte sei keineswegs als Anspielung auf Chavez gedacht. Dennoch ist verständlich, warum die hauseigene Plot-Beschreibung von der Regierung des Landes mit einer gewissen Skepsis betrachtet wird. Dort heißt es: "Ein machthungriger Tyrann bringt Venezuelas Ölreserven unter seine Kontrolle, was eine Invasion auslöst, die das Land in ein Kriegsgebiet verwandelt."

Notgemeinschaft der Öl-Exporteure?

Gerade über den Ölpreis wird zwischen der Chavez-Regierung und den USA immer wieder heftig gestritten. Für Irans aggressiv agierenden Präsidenten Ahmadinedschad hat Hugo Chavez dagegen wiederholt eine gewisse Sympathie erkennen lassen. Beide haben zum Beispiel laut über eine Umstellung des Ölpreises von Dollar auf Euro nachgedacht. Erst kürzlich warnte Chavez bei einem Besuch in Großbritannien, sollten die USA Iran wegen des Atomstreits angreifen, müsse man damit rechnen, dass aus dem Iran kein Öl mehr komme: "Die englische Mittelklasse müsste die Nutzung ihrer Autos einstellen."

Ob die Briten deshalb nun friedfertiger Richtung Iran blicken, ist unbekannt. Jedenfalls scheinen Iran und Venezuela geeint nicht nur in der Wahrnehmung ihrer Öl-Interessen, sondern auch in der Ablehnung amerikanischer Videospiel-Aggression. Vielleicht kommt aus dem südamerikanischen Land demnächst auch ein Spiel, in dem man die imperialistischen Aggressoren aus dem Norden zurückschlagen kann. Obwohl Pandemic-Sprecher Chris Norris beteuert: "Es muss nicht zu so einem Konflikt kommen, aber er ist doch durchaus möglich."

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